Besser als langes Fasten: Warum 5 Tage mit 600-800 Kalorien effektiver sind, laut Arzt
Ihr wollt eurem Körper etwas Gutes tun und denkt an klassisches Fasten? Dann überlegt besser noch einmal – denn statt klassischem Fasten soll sogenanntes „Scheinfasten“ tatsächlich bessere Ergebnisse erzielen. Prof. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, empfiehlt in einem Interview mit der Welt die „Fasting-Mimicking-Diet“: fünf Tage lang 600 bis 800 Kalorien in Form von Suppen oder Porridge. Diese Methode übertrifft einmaliges langes Fasten in der Effizienz und lässt sich deutlich leichter in den Alltag integrieren als klassisches Heilfasten.
Über 200 Studien belegen mittlere, aber statistisch robuste Vorteile beim Intervallfasten: bei Gewichtsabnahme, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck. Die Wirkung entspricht einem leicht wirksamen Medikament.
Das verlängerte Nachtfasten bringt im 16:8- oder 14:10-Rhythmus die besten Ergebnisse. Radikalere Varianten wie die 5:2-Methode oder „Every Other Day Diet“ erzeugen in der Praxis zu viel Stress und scheitern oft an der Alltagskompatibilität, so der Experte.
Frühaufsteher sollten laut Michalsen die meisten Kalorien und Kohlenhydrate in der ersten Tageshälfte essen, idealerweise zwischen 9 und 19 Uhr. Der Zuckerstoffwechsel arbeitet dann besser als abends. Nur 10 bis 15 Prozent der Menschen zählen als Nachteulen und sollten anders planen.
Scheinfasten als effizienteste Methode
Deutlich mehr Menschen schaffen Scheinfasten als klassisches Heilfasten, bei dem nur zwei Mini-Gläser Saft und Fastenbrühe täglich erlaubt sind. Randomisierte Studien der vergangenen zwei Jahre zeigen: Die Methode reduziert Fettleber messbar im Ultraschall, normalisiert den Blutzucker und senkt den Blutdruck.
Scheinfasten wirkt gegen Fettleber, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und Rheuma – entweder präventiv oder als ergänzende Therapie. Radikaleres Wasserfasten bringt laut Michalsen maximal 20 Prozent mehr Effekt.
Für optimale Resultate bei Alterungsprozessen empfiehlt der Experte mindestens einmal pro Quartal fünf Tage Scheinfasten. Wer monatlich oder alle zwei Monate fastet, erzielt die besten Ergebnisse bei Typ-2-Diabetes und Longevity.
Neue Erkenntnisse korrigieren alte Annahmen
„Ich dachte, einmal sehr langes Fasten bringt besonders starke Effekte. Das sehe ich heute anders“, erklärt Michalsen. Effizienter: nicht einmal ultralang fasten, sondern lieber viermal im Jahr für fünf Tage. Diese Methode aktiviert die gesunde Fastenphysiologie wiederholt neu.
Michalsen korrigiert zwei weitere Annahmen: Darmreinigung spielt für die medizinischen Wirkungen keine Rolle – das zeigen Studien zur Fasting-Mimicking-Diet eindeutig. Fastende dürfen Kaffee trinken. Das Koffein kurbelt sogar die Autophagie an, den zellulären Reinigungsprozess.
Fasten wirkt wie Training – beim dritten Mal fällt es deutlich leichter als beim ersten. Der Körper konditioniert bestimmte Signalwege und Botenstoffe, die bei regelmäßigem Essen jahrelang nicht aktiviert werden. Messbare Effekte: Reduktion von Bauchfett, besserer Stuhlgang und verringerte Entzündungsaktivität im Zahnfleisch.
Wann Fasten nicht sinnvoll ist
Menschen mit Gallensteinen oder Gichtanfällen müssen vor dem Fasten ärztlich abklären, ob die Methode für sie geeignet ist. Beim Fasten steigt die Harnsäure, was einen Gichtanfall auslösen kann. Auch Gallenkolliken kommen häufiger vor.
Sehr schlanke Menschen im unteren Normbereich profitieren kaum vom Fasten. Besonders kritisch sieht Michalsen den Trend in sozialen Medien, wo auch Menschen an der Grenze zum Untergewicht mit strikten Essplänen zum Fasten animiert werden. Das führt in zwanghafte Verhaltensmuster.
sr