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Betriebsversammlung bei VW enttäuscht Beschäftigte: „Nur drumherum gequatscht“

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Betriebsversammlung bei VW enttäuscht Beschäftigte: „Nur drumherum gequatscht“

Von: Franz Viohl, Daniel Seeger, Sophia Bartel

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Nach der Betriebsversammlung im Volkswagen-Werk in Baunatal herrscht Unmut unter vielen Beschäftigten.

Baunatal – Die Unzufriedenheit ist vielen Beschäftigten anzusehen, die das Volkswagen-Werk in Baunatal zum Schichtende gegen 14 Uhr verlassen. Die Stimmung nach der Betriebsversammlung ist getrübt, viele wirken ratlos. Besonders unter den jungen Mitarbeitern herrscht Unmut, was die eigene Zukunft im Baunataler Unternehmen betrifft. Viele hatten sich Antworten auf ihre Fragen zum Sparkurs bei VW erhofft, doch die blieben offenbar größtenteils aus.

Ein Auszubildender sagt auf HNA-Nachfrage: „Ich bin noch gar nicht fest im Unternehmen und nicht sicher, ob ich hierbleiben möchte.“ Manche würden sagen, es gehe den Bach runter mit VW, andere wiederum meinen, die E-Mobilität fange alles auf. Ihnen würde gesagt werden, die Leiharbeiter seien gekündigt worden, also seien Arbeitsplätze für die Übernahme der Auszubildenden frei, jedoch sei eine Übernahme nach der Ausbildung heutzutage auch nicht mehr garantiert. Der Azubi, der anonym bleiben möchte, ist sich sicher: „Ich möchte nach der Ausbildung noch studieren, um einen guten und sicheren Platz zukünftig im VW-Werk zu bekommen.“

Auch ein weiterer junger Mitarbeiter des Werks schildert ein unsicheres Gefühl nach der Versammlung: „Man weiß einfach nicht richtig, wie es weitergeht.“ Das Unternehmen behandele die Mitarbeiter nicht mehr, wie man es sich erhofft, und man fühle sich im Stich gelassen. „Die Stimmung ist schon sehr angespannt.“

Eine VW-Mitarbeiterin widerspricht ihren Vorrednern: „Ich rege mich erst auf, wenn‘s so weit ist“, sagt sie recht entspannt. Sie sei aktuell nicht beunruhigt. Dies schiebt sie eher auf ihre Erfahrung: „Ich arbeite schon seit 23 Jahren hier, es gab immer Krisen. Mir geht es gut und mir macht meine Arbeit Spaß.“

„Ich habe mir selbst mehr erhofft“, aber es sei nur drumherum gequatscht worden, äußert sich ein weiterer Arbeitnehmer des großen Automobilkonzerns enttäuscht. Viele hätten sich heute mehr Klarheit von der Führungsebene gewünscht. „Man macht sich schon Gedanken und weiß nicht, wie es in der Zukunft aussieht.“

Martin Becker ist Entwicklungsingenieur bei Volkswagen. Er hätte sich gewünscht, „dass mal konkret Dinge und Zahlen genannt werden“, sagte er im Anschluss an die Versammlung im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei jedoch nicht geschehen. Er sei gerade in der aktiven Phase des Vorruhestands, aber besonders mit Blick auf die jüngeren Beschäftigten und die Auszubildenden bereite ihm die Ungewissheit Sorgen.

Becker fordert deshalb „offene und ehrliche Konzepte“. Die Probleme bei Volkswagen führt er vor allem auf frühere Managemententscheidungen zurück, „aus der Zeit vor Oliver Blume“. Das eigentliche Produkt sieht er dagegen wieder besser aufgestellt. Becker sagt: „Die Produktqualität ist wieder deutlich besser geworden.“ Zugleich habe sich das Umfeld der Autoindustrie stark verändert und sei „sehr volatil“.

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Carsten Bätzold, der dem Betriebsrat von 1990 bis 2022 angehörte, die letzten zehn Jahre als Vorsitzender, sieht den Standort grundsätzlich gut aufgestellt. „Was die Elektroantriebe und die Transformationsbemühungen angeht, steht das Werk technologisch weit vorne. Und meines Wissens wird dort weiter Geld verdient.“ Das Alleinstellungsmerkmal in Baunatal, die Herstellung von Elektroantrieben, sorge dafür, „den Konzern gut beliefern zu können“, so Bätzold. „Deshalb habe ich keine Sorge, dass das Werk geschlossen wird.“

Allerdings hatte Bätzold mit Blick auf den Umstieg zur E-Mobilität schon 2021 prognostiziert, dass von den 17.000 Arbeitsplätzen Ende 2018 bis 2030 zwischen 5000 und 8000 Jobs wegfallen könnten. Wie sieht er das heute? „Klar ist, die Wertschöpfung bei Elektroantrieben ist deutlich geringer“, sagt Bätzold. Das mache die Produktion und Instandhaltung von E-Autos weniger personalintensiv. „Der erwartete Stellenabbau könnte sich nun schneller vollziehen als damals angenommen“, so der frühere Betriebsratschef. Er hoffe, dass dies sozialverträglich und ohne Kündigungen geschehe. Hier müsse sich die IG Metall auch gegen die VW-Anteilseigner durchsetzen. „Katar und die Familienclans haben kein Interesse an kooperativer Mitbestimmung“, kritisiert der Gewerkschafter.

Der Betriebsrat des Volkswagen-Werks Kassel pocht auf die Einhaltung bestehender Vereinbarungen. Die im Tarifabschluss 2024 und in den Vereinbarungen für den Standort zugesagten Investitionen, Produkte und Beschäftigungsperspektiven stünden nicht zur Verhandlung, erklärte Betriebsratschef Carsten Büchling in einer Pressemitteilung. Der Standort stehe wirtschaftlich stark da und habe seine vereinbarten Beiträge geleistet. Die weiteren Beratungen über das „Zielbild 2030“ des Konzerns und dessen Folgen für die Komponentensparte will der Betriebsrat konstruktiv, aber mit Klarheit begleiten.

Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, ordnete die Lage bei Volkswagen in einen größeren Konflikt um den Abbau von Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie ein. Arbeitgeber und ihre Verbände stellten Tarifstandards infrage und drängten die Mitbestimmung zurück, sagte Köhlinger. Für den 21. September kündigte die Gewerkschaft bundesweite Aktionen in den Betrieben an.

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