DAX +2,24 % 26.202,35 Pkt 18:00:00 MDAX +1,81 % 32.559,91 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,94 % 6.486,70 Pkt 18:00:00 Dow Jones +3,05 % 54.085,88 Pkt 22:42:17 S&P 500 +3,30 % 7.736,52 Pkt 22:42:18 Nasdaq +4,77 % 26.584,99 Pkt 23:15:59 Nikkei +3,28 % 66.055,10 Pkt 06:52:40 Gold +0,92 % 4.191,00 USD 06:52:27 Silber +1,29 % 61,02 USD 06:57:32 Brent -0,53 % 78,94 USD 06:56:43 WTI -0,75 % 75,20 USD 06:57:36 Bitcoin +0,30 % 64.244,47 USD 07:07:37 EUR/USD +0,26 % 1,15370 USD 07:06:54 EUR/GBP +0,02 % 0,85720 GBP 07:07:41 EUR/CHF -0,02 % 0,93230 CHF 07:07:41 EUR/JPY +0,30 % 181,815 JPY 07:07:41

Betrug, Millionenschaden, Insolvenz: Was hinter dem Fall der Modekette Adenauer & Co. steckt

Wirtschaft

Startseite Wirtschaft Betrug, Millionenschaden, Insolvenz: Was hinter dem Fall der Modekette Adenauer & Co. steckt Von: Lennart Niklas Johansson Schwenck Uns auf Google folgen Die Modekette Adenauer & Co. ist insolvent. Der Enkel des Bundeskanzlers spricht von Betrug in der Türkei. Rund 200 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Düsseldorf – Wer in den Sommermonaten auf Sylt, Föhr oder Fehmarn Urlaub macht, kennt das markante Logo mit der Jahreszahl 1876. Es steht für die 2011 gegründete Modekette der Enkel Konrad Adenauers, dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Nun hat Adenauer & Co. Insolvenz angemeldet. Hinter der Pleite steckt eine Geschichte, die weit über eine schwierige Konjunkturlage hinausgeht. Es geht um mutmaßlichen Betrug, veruntreute Gelder und einen Unternehmer, der dennoch an die Zukunft seiner Marke glaubt. Eine Erfolgsgeschichte mit abruptem Ende: Türkei-Investition als Wendepunkt Andreas Adenauer, Enkel des gleichnamigen Bundeskanzlers, gründete das Label nach Jahren in der Modebranche für Unternehmen wie Esprit und O‘Neill. Die Idee war klar: gehobene Freizeitmode mit maritimem Einschlag, vertrieben über sogenannte Strandhäuser an Küstenstandorten und Inseln, aber auch in Innenstädten von Düsseldorf, Dortmund und Bochum. Das Konzept ging auf. Die Kette wuchs auf 59 Filialen in Deutschland, Spanien und Österreich, erwirtschaftete nach Angaben des Gründers zuletzt rund 40 Millionen Euro Außenumsatz und beschäftigte etwa 200 Mitarbeiter. Dass ausgerechnet dieses Unternehmen nun in der Insolvenz landet, hat weniger mit dem Produkt zu tun als mit Ereignissen, die sich Tausende Kilometer entfernt abgespielt haben sollen. Als die Corona-Pandemie viele europäische Lieferanten ausfallen ließ, verlagerte Adenauer & Co. einen Teil der Produktion in die Türkei. Zunächst sei der Schritt erfolgreich gewesen, berichtete Gründer Andreas Adenauer. Dann aber sorgte die hohe Inflation im Land für Probleme, und schließlich sollen kriminelle Machenschaften den Betrieb vollends aus der Bahn geworfen haben. „Unser Problem ist nicht das Produkt. Wir hatten ein Betrugsproblem“, sagte Adenauer der Wirtschaftswoche. Und konkreter: „Es wurden Gelder veruntreut.“ Mit gefälschten Zahlen sei er hinters Licht geführt worden, der Schaden liege im mittleren einstelligen Millionenbereich. Gegenüber der Neuen Westfälischen ergänzte Adenauer: „Da waren wir chancenlos, obwohl wir im Grunde kerngesund sind.“ Er habe zwar schnell reagiert und neue Produktionsstandorte in Asien erschlossen, doch das fehlende Kapital ließ sich nicht rasch genug ersetzen. Der Cash-Flow riss ab, und mit ihm die finanzielle Grundlage für den laufenden Betrieb. Erste Filialen bereits geschlossen Die Schwierigkeiten zeigten sich auch im Filialnetz. Im Juni 2026 machte der Store in Dresden dicht, laut Aushang sei es „auf Dauer wirtschaftlich nicht möglich“ gewesen, ihn weiterzuführen. Am 18. Juli folgte die Filiale in Bonn, wo das Unternehmen Kaufzurückhaltung der Kundschaft und ein verändertes Umfeld in der Wenzelgasse als Grund nannte. Weitere Schließungen dürften im Rahmen des laufenden Insolvenzverfahrens folgen. Den formalen Schritt hatte die Unternehmensführung bereits frühzeitig eingeleitet: Am 15. Mai 2026 stellte Adenauer & Co. beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Einleitung eines Eigenverwaltungsverfahrens. Am 1. August 2026 wurden die Verfahren der gesamten Unternehmensgruppe planmäßig in Eigenverwaltung eröffnet, wie der auf Insolvenzrecht spezialisierte Verlag INDat berichtet. Die Löhne und Gehälter aller Beschäftigten waren bis Ende Juli über das gesetzlich geregelte Insolvenzgeld abgesichert. Die Eigenverwaltung ist kein klassisches Insolvenzverfahren, bei dem ein externer Insolvenzverwalter das Steuer übernimmt. Sie erlaubt es dem Unternehmen, den Sanierungsprozess unter eigener Führung zu gestalten, sofern das Gericht dies genehmigt. Begleitet wird Adenauer & Co. dabei von der auf Insolvenz- und Sanierungsrecht spezialisierten Kanzlei Voigt Salus. Die Fachanwälte Franz Zilkens und Thomas Ellrich steuern den Prozess gemeinsam mit der Geschäftsführung als Generalbevollmächtigte. Zilkens gab sich gegenüber der Wirtschaftswoche zuversichtlich: „Für Adenauer steht der weitere Bestand des Unternehmens an oberster Stelle. Die Marke ist von dem Verfahren nicht betroffen. Wir blicken daher zuversichtlich auf die kommenden Monate und sind überzeugt, dass Adenauer mit dem nun eingeleiteten Eigenverwaltungsverfahren nachhaltig an bisherige Erfolge anknüpfen kann, auch wenn einige Standorte künftig nicht weiter aufrechterhalten bleiben können.“ Adenauer & Co. ist insolvent: Investoren zeigen Interesse Rückenwind kommt auch von möglichen Kapitalgebern. Berichten zufolge haben bereits mehrere Investorengruppen Interesse an einem Einstieg bei Adenauer & Co. angemeldet. Konkrete Übergangslösungen sollen demnach gemeinsam mit dem größten Franchisenehmer verhandelt werden. Nach aktueller Planung sollen die Sanierungsmaßnahmen bis Ende Oktober 2026 abgeschlossen sein. Gründer Andreas Adenauer selbst sieht die Lage nüchtern, aber nicht hoffnungslos.

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