Bewohner bedrohen Urlauber
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Dorfbewohner bedrohen Urlauber – und zwingen Italien-Hütte, ganzen Wanderweg zu schließen
Von: Patrick Huljina
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Gerade im Sommer klagen viele Hüttenwirte in den Alpen über Overtourism. Die Betreiber einer Italien-Hütte haben dieses Problem nicht – müssen sich aber gegn Anwohner wehren.
Arni – Volle Wanderwege, überlaufene Touristen-Hotspots: ein Bild, das man gerade in den Sommermonaten auch in den italienischen Alpen nur allzu gut kennt. Viele Hüttenwirte beschweren sich über Urlauber, die mit ihrem Verhalten für Aufsehen sorgen. An der Schutzhütte Rifugio Puliti in den Apuanischen Alpen im Nordwesten der Toskana ist die Lage jedoch genau andersherum. Die Hüttenbetreiber haben mit den Anwohnern des kleinen Ortes Arni zu kämpfen.
Francesca Maria Bertacca Cupit und Andrea Ribolini betreiben das Rifugio Adelmo Puliti auf 1016 Metern Höhe seit April 2024. Das Schutzhaus des CAI Pietrasanta liegt im Weiler Case Giannelli, nur wenige Gehminuten vom kleinen Ort Arni entfernt. Die kleine Gemeinde ist bekannt für die spektakuläre Bergkulisse, die sie umgibt und bietet einen Ausgangspunkt für Bergtouren und Wanderungen.
Dorfbewohner bedrohen Urlauber – und zwingen Italien-Hütte, ganzen Wanderweg zu schließen
Umso erstaunlicher ist die Situation, die das Betreiberpaar schildert: „Einige Anwohner haben – aus unerfindlichen Gründen – begonnen, sich zu beschweren, weil sie sich durch einen Wanderweg, der an ihren Häusern vorbeiführt, belästigt fühlten“, erklärte Ribolini dem Portal L‘Altramontagna. „Sie gingen sogar so weit, Wanderer zu bedrohen, sie zu beleidigen und etliche Streiche zu spielen.“
Die Hüttenwirte sahen sich im April dieses Jahres zum Handeln gezwungen. „Wir haben die Wegweiser des Wanderweges entfernt und alle, die uns kontaktiert haben, gebeten, den Pfad zu meiden“, erklärten die Betreiber. Andernorts wurden in diesem Sommer Schilder von Wanderwegen in Italien geklaut – der Alpenverein richtete einen dringenden Appell an die Täter.
Ärger um Wanderweg zu Italien-Hütte: Betreiber müssen sich um Alternative kümmern
Gemeinsam mit dem CAI (nationaler alpiner Verein) und der Gemeinde durchforsteten die Hüttenbetreiber alte Katasterkarten – und wurden fündig: Ein vergessener, zugewucherter Alternativweg zur Schutzhütte existierte noch. Mit viel Aufwand und Eigenarbeit legten sie ihn frei und machten ihn wieder begehbar. Die Hütte hat damit erneut einen sicheren, direkten Zugang – auch für Rettungskräfte. Denn auch abseits der Dolomiten bleibt Bergrettung Alltag: „Wir sehen auch hier Einsätze, um Unvorbereiteten zu helfen“, sagt Bertacca Cupit.
Vom Massentourismus, der andernorts Wanderwege zerstört, ist das Rifugio Puliti weit entfernt. Die kleine Hütte bietet lediglich 25 Schlafplätze in zwei Schlafsälen. Die Betreiber lachen über Vergleiche mit den Dolomiten: „Overtourism kennen wir hier nicht mal dem Namen nach“, sagten sie Il Dolomiti. Stattdessen kämpfte die Hütte in diesem Sommer mit der Hitze: Die felsigen, ungeschützten Wege schreckten viele Wanderer ab, sodass die Betreiber auf Abendwanderungen und Sonderveranstaltungen setzten, um überhaupt Gäste auf den Berg zu locken.
Die Wirte stehen auch logistisch immer wieder vor Herausforderungen. Um die Versorgung für ihre Hütte sicherzustellen, müssen die beiden immer wieder zu Fuß ins Dorf gehen und dann mit dem Auto weiterfahren. Eine Einschienenbahn, die der CAI und Anwohner gemeinsam gebaut haben, erleichtert den Transport zumindest ein wenig. Trotz allem blicken die beiden Betreiber positiv in die Zukunft. Sie wollen weiter für verantwortungsvolles Wandern werben, Schulklassen auf den Berg bringen – und langfristig sogar ein kleines Gemüse- und Obstgarten-Projekt rund um die Hütte aufbauen. (Quellen: Il Dolomiti, L‘Altramontagna, CAI Pietrasanta) (ph)