Beyond the obvious: Die Debatte über KI verläuft naiv, einseitig und in Teilen fehlgeleitet
Am 1. April 2026 gab es in der Sendung „Wissen vor Acht“, direkt vor der Tagesschau, einen Beitrag mit dem Titel „Wie klimaschädlich ist Künstliche Intelligenz?“. Fünf Minuten lang erklärte Eckart von Hirschhausen in der ARD den Zuschauern, wie schmutzig die neue Technologie sei. Originalton: „KI und Klimaschutz, das geht nicht gut zusammen.“ Die Empfehlung: Statt KI sollten wir lieber das eigene Gehirn benutzen. Es war kein Aprilscherz. Der Beitrag lief im Hauptprogramm, wurde am 3. April wiederholt und am 8. April erneut gesendet. Er findet sich noch immer in der Mediathek. Während in den Vereinigten Staaten der Energiebedarf von KI-Rechenzentren binnen drei Jahren rund zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs betragen wird, während China in der industriellen KI-Anwendung längst die USA, Deutschland und Japan überholt hat, während die amerikanischen KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic Finanzierungsrunden über je 100 Milliarden Dollar abschließen – debattieren wir die Klimabilanz von ChatGPT-Prompts. So legitim die Diskussion über den Stromverbrauch von KI und damit verbundene CO₂-Emissionen auch sein mag, der Verzicht auf einen Hinweis, dass es sich bei KI um die womöglich wichtigste Zukunftstechnologie handelt, unterstreicht, wie naiv, einseitig und in Teilen fehlgeleitet die Debatte hierzulande (nicht nur) medial geführt wird.