Beyond the obvious: Die EZB verschläft den digitalen Dollar-Angriff
Beim informellen Treffen der EU-Finanzminister und Notenbankgouverneure im Mai 2026 in der zyprischen Hauptstadt Nikosia präsentieren die Ökonomen Lucrezia Reichlin und Jeromin Zettelmeyer vom Brüsseler Thinktank Bruegel einen Vorschlag zur Reform der europäischen Stablecoin-Regulierung.
Die Reaktion der EZB war eindeutig ablehnend. Reuters titelte: „EZB weist Vorschläge zur Förderung von Euro-Stablecoins als zu riskant zurück.“ EZB-Präsidentin Christine Lagarde persönlich soll den Vorschlag in Nikosia abgelehnt haben. Ob das die richtige Antwort auf die digitale Machtfrage im Währungssystem gewesen ist, muss allerdings bezweifelt werden.
Die USA verfolgen eine andere Strategie. Der 2025 verabschiedete Genius Act fördert Dollar-Stablecoins aktiv. US-Finanzminister Scott Bessent macht klar, worum es geht: „Wir werden dafür sorgen, dass der US-Dollar die dominierende Reservewährung der Welt bleibt, und wir werden dazu Stablecoins nutzen.“
Stablecoins sind für Washington kein Krypto-Kuriosum, sondern ein Instrument der währungspolitischen Machterhaltung – und ein zusätzlicher Abnehmer für US‑Staatsanleihen. Ein Blick auf die Rekordschulden der USA und den stetig steigenden Bedarf zur Refinanzierung genügt, um zu verstehen, was für die USA auf dem Spiel steht.