Beyond the obvious: Könnte KI zum Piketty-Szenario führen?
Die Thesen des französischen Ökonomen Thomas Piketty, wonach es zwangsläufig zu einer Konzentration von Vermögen und damit zu einer wachsenden Ungleichheit kommt, stehen, ungeachtet ihrer Popularität in linken Kreisen, auf einem schwachen Fundament. Seine Behauptung, die Rendite von Kapital läge dauerhaft über der Wachstumsrate der Wirtschaft, hält einer empirischen Analyse nicht stand und ist zudem auch konzeptionell unhaltbar.
Wenn die Kapitalbesitzer mehr sparen – und damit investieren –, erhöht sich die Wachstumsrate des Kapitalstocks. Solange Maschinen bedient werden müssen, führt die zusätzliche Kapitaleinheit (pro Arbeiter) zu einem tendenziell geringeren Zuwachs der Produktionskapazität. Ein dritter Hammer ist nicht so nützlich wie die ersten beiden, solange die Menschen nur zwei Hände haben. Wenn Kapital ohne die Arbeit, die es nutzt, nahezu wertlos ist, dann fällt sein Grenzprodukt bei weiterer Akkumulation rasch. Deshalb schwankt die Kapitalquote am Volkseinkommen seit 200 Jahren zwischen 20 und 40 Prozent.
Die Frage ist nur: Bleibt das so? Die KI-Revolution könnte das ändern, wie beispielsweise Daron Acemoglu, MIT-Professor und Nobelpreisträger des Jahres 2024, befürchtet. Mit jedem Dollar, der in eine Sprach-KI fließt, steigt demzufolge der Anteil des Kapitals am Volkseinkommen.