Beziehungskiller Narzissmus? Wie sich die Dunkle Triade auf Partnerschaften auswirkt
Narzissmus, Psychopathie & Machiavellismus Dunkle Triade: Wie sie Beziehungen beeinflusst Stand: 02.08.2026 15:10 Uhr Die Psychologie nennt sie Dunkle Triade: Drei sozial unerwünschte Persönlichkeitseigenschaften, die einen gemeinsamen Kern haben, sich aber stark unterscheiden: Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus. Sie wirken sich auf die aus, bei denen sie stark ausgeprägt sind, auf deren Umfeld – und auf ihre Beziehungen. Wie genau, das hat eine Studie mit Jenaer Beteiligung untersucht. von Jonas Arand, MDR WISSEN Anna Braig ist Doktorandin an der Friedrich-Schiller-Universität und Erstautorin der Untersuchung. "Vor allem der Narzissmus zeichnet sich aus durch ein großes Grandiositätsgefühl. Und Psychopathie ist dann dadurch mehr ausgezeichnet durch Impulsivität, zum Teil auch ein hohes Maß an Aggressivität und unter Umständen Straffälligkeit. Und Machiavellismus zeichnet sich dahingehend wiederum aus durch strategische Planung, also weniger impulsiv, sondern eher manipulativ-strategisch in der Vorgehensweise", erklärt die Psychologin. "Persönlichkeit und Beziehung beeinflussen sich wechselseitig" Sie erforscht die Dunkle Triade und ihre langfristigen Folgen auf Paarbeziehungen. Genauer gesagt darauf, wie gut diese läuft. Doch was heißt schon gut? "Also es ist immer die Frage: Wie erleben beide Partner oder Partnerinnen die Beziehung? Und eine positive Beziehung macht aus, dass beide auf einer dyadischen Ebene sagen würden, die Beziehung ist gut", so Braig. Dyadisch beschreibt in der Psychologie die Interaktion, den Austausch zwischen zwei Menschen. Um zu schauen, wie sich die drei Eigenschaften auf Partnerschaften auswirken, hat sie mit Kollegen aus Österreich und Kanada einen riesigen Datensatz analysiert. Aus einer umfassenden Studie an über 10.000 Paaren filterte das Team 1.925 Paare heraus, in der einer der Partner eine überdurchschnittlich erhöhte unerwünschte Eigenschaft aufwies. An drei Zeitpunkten über vier Jahre untersuchten sie die Beziehungsqualität. Ihr Ergebnis: "Persönlichkeit und Beziehung entwickeln sich nicht unabhängig voneinander. Vielmehr beeinflussen sie sich wechselseitig", sagt Anna Braig. Narzissmus zeigt die meisten Effekte… Wenig überrascht hat die Psychologin, dass "höhere Ausprägungen in diesen Eigenschaften einhergehen mit vergleichsweise niedriger Beziehungszufriedenheit und niedrigerem Commitment und gleichzeitig höherer Orientierung, etwas zurückzubekommen, sowie höherer verbaler Aggression." Doch entgegen der Erwartungen hat sich ein Faktor als Beziehungskiller Nummer eins herausgestellt: "Überraschend war, dass vor allem der Narzissmus sich gezeigt hat als die Eigenschaft, die die meisten Effekte zeigt. Also es scheint wohl so zu sein, dass die Persönlichkeitseigenschaft Narzissmus – relativ betrachtet zu den anderen beiden – den größten Einfluss hat auf Beziehungen." Also Narzissten beeinflussten ihre Partnerschaft noch mehr als Machiavellis und Psychopathen. … und Beziehungen wirken am meisten auf Narzissten Was ebenfalls erstaunte: Beziehungen konnten die Ausprägungen der dunklen Triade abmildern. Eine stabile Partnerschaft führte mit der Zeit zu sozial erwünschteren Persönlichkeiten. Und dass – erneut – besonders bei Narzissten. "Positive Beziehungsqualität kann dazu beitragen, dass Narzissmus in seiner normativen Entwicklung stärker abnimmt", erklärt Anna Braig. "Also das heißt: Paare, die sich in einer subjektiv betrachtet positiven Beziehung wiederfinden, werden tendenziell im Schnitt eine stärkere Abnahme in der Eigenschaft Narzissmus erfahren." Ähnliches, in kleinerem Maße, gilt auch für die anderen beiden der Dunklen Triade. Franz Neyer von der Universität Jena, der ebenfalls am Forschungsprojekt beteiligt war, spricht daher von der Partnerschaft als einer "Art Therapie". Ob man in einer Beziehung den Therapeuten oder die Therapeutin geben möchte, steht dabei auf einem anderen Blatt.