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Bienen unter Druck: Warum sie im August wenig Nahrung finden

Wissenschaft

Wenn der Tisch leer wird

Warum Bienen im Spätsommer unter Druck geraten

Stand: 24.08.2026 11:59 Uhr

Der Spätsommer ist für viele Bienenarten eine entscheidende Phase. Während Honigbienen ihre Wintervorräte anlegen und zahlreiche Wildbienen ihre letzte Brut versorgen müssen, wird das Nahrungsangebot knapper. Dass diese Zeit tatsächlich eine Belastungsprobe für Bestäuber darstellt, bestätigt nun eine aktuelle Studie der University of Sussex. Forschende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hatten bereits in einer früheren Untersuchung gezeigt, welche Maßnahmen die Gesundheit von Bienenvölkern in Agrarlandschaften wirksam fördern können.

von MDR WISSEN

Die britische Untersuchung, die jetzt in der Fachzeitschrift Functional Ecology veröffentlicht wurde, hat erstmals direkt gemessen, wie effizient Honigbienen über die Saison hinweg Nektar sammeln können. Das Ergebnis: Die Bedingungen verschlechtern sich im Verlauf des Sommers deutlich.

Trachtlücke: Wenig Nektar und Pollen

Besonders zwischen Mitte Juli und Ende August erzielen die Tiere die geringsten Energiegewinne bei der Nahrungssuche. Nach Einschätzung der Forschenden ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass dann weniger geeignete Blüten zur Verfügung stehen. Nach dem reichen Angebot des Frühjahrs mit Weiden, Obstbäumen oder Kastanien folgt eine Periode mit deutlich weniger Nektar und Pollen, während gleichzeitig besonders viele Bestäuber auf Nahrung angewiesen sind.

Die Studie bestätigt damit einen Befund, der in der Bienenforschung schon länger diskutiert wird: In vielen Landschaften entsteht eine sogenannte Trachtlücke. Bisher wird sie hauptsächlich im Juni verortet, die Daten aus Sussex aber zeigen die Hauptprobleme bei der Nahrungssuche im August. Zusätzliche Belastungen wie Trockenheit und Hitzewellen können diesen Engpass weiter verschärfen.

Wie lässt sich dieser Mangel beheben?

Hier liefert eine bereits 2024 veröffentlichte Studie unter Beteiligung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wichtige Hinweise. Das Forschungsteam um Patrycja Pluta und Robert Paxton untersuchte in 16 Agrarlandschaften in Deutschland, wie sich verschiedene Naturschutz- und Agrarmaßnahmen auf die Gesundheit von Honigbienenvölkern auswirken. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Besonders der ökologische Landbau und ein höherer Anteil einjähriger Blühstreifen gingen mit gesünderen und stärkeren Bienenvölkern einher.

Die Forschenden stellten fest, dass Blühstreifen mit einer geringeren Belastung durch die Varroamilbe verbunden waren. Gleichzeitig wiesen Bienenvölker in Regionen mit einem höheren Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen eine geringere Parasitenvielfalt auf und entwickelten sich insgesamt besser. Die Zahl der Bienen in den Völkern stieg dort stärker an als in konventionell geprägten Agrarlandschaften.

Als Ursache vermuten die Wissenschaftler vor allem ein verbessertes Nahrungsangebot. Blühstreifen sorgen über längere Zeiträume für zusätzliche Pollen- und Nektarquellen. Im ökologischen Landbau profitieren Bestäuber zusätzlich von blühenden Begleitpflanzen und einem geringeren Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel. Eine bessere Ernährung stärkt wiederum die Widerstandskraft gegen Parasiten und Krankheiten.

Die Ergebnisse aus Sussex und Halle ergänzen sich damit. Während die britische Studie zeigt, wann die Versorgungslücke besonders groß wird, liefert die Hallenser Forschung Hinweise darauf, wie sich dieser Engpass entschärfen lässt.

Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:

mehr spätblühende Pflanzen und Blühstreifen in Agrarlandschaften,

eine stärkere Förderung des ökologischen Landbaus,

weniger intensive Mahd von Grünflächen,

der Erhalt blütenreicher Feldränder und Brachen,

eine größere Akzeptanz von spät blühenden Wildpflanzen wie Disteln oder Flockenblumen.

Für den Schutz von Bestäubern bedeutet das: Nicht nur die Menge an Blüten zählt, sondern auch deren zeitliche Verteilung. Entscheidend ist, dass ausreichend Nahrung genau dann verfügbar ist, wenn Bienen sie am dringendsten benötigen. Der Spätsommer scheint dabei ein bislang unterschätzter Engpass zu sein. Die neuen Forschungsergebnisse legen nahe, dass gezielte Maßnahmen in dieser Jahreszeit einen besonders großen Beitrag zur Gesundheit von Honigbienen und anderen Bestäubern leisten können.

gp/uni halle/uni sussex

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