Bierproduktion: Nachlassender Bierdurst setzt Brauereien unter Druck
Die Bierproduktion in Deutschland ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Produktion der Brauer fiel 2025 erstmals unter die Marke von 80 Millionen Hektolitern, wie das auf Hopfen und Hopfenprodukte spezialisierte Unternehmen BarthHaas mitteilte. Konkret gebe es ein Minus von rund 5,6 Prozent. Damit entwickelt sich die deutsche Brauwirtschaft schlechter als der Weltmarkt. Ein Hektoliter entspricht 100 Litern. Insgesamt betrug die internationale Produktion 2025 rund 1,896 Milliarden Hektoliter Bier – das sind 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr, wie BarthHaas mitteilte. Mit Ausnahme einzelner Länder habe sich der Biermarkt auf fast allen Kontinenten unterm Strich negativ entwickelt. Besonders stark sank der Bierausstoß in Australien und dem Rest Ozeaniens, wo ein Rückgang um 2,4 Prozent verzeichnet wurde. Dort wird mit 18 Millionen Hektolitern aber auch nur ein kleiner Bruchteil des weltweiten Bieres gebraut. Dem Abwärtstrend trotzte Afrika, wo ein leichtes Mengenplus verzeichnet wurde. Alkoholfreie Getränke gewinnen an Bedeutung »Insbesondere in vielen traditionellen Märkten stagniert oder sinkt der Bierkonsum, während alkoholfreie und -arme Getränke an Bedeutung gewinnen«, sagte BarthHaas-Geschäftsführer Thomas Raiser. In Europa, wo vor allem Rückgänge in Deutschland und Polen die Zahlen belasteten, ging der Ausstoß um 1,6 Prozent auf 510 Millionen Hektoliter zurück. In Deutschland gebe es »Verluste in einer Dimension, die wir nicht erwarten konnten«, sagte Heinrich Meier, Autor des jährlichen Berichts von BarthHaas. Bis Mai habe der Verlust im Vergleich zum Vorjahr mehr als fünf Prozent betragen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, Holger Eichele, der Rheinischen Post. Als Gründe für die Entwicklung nannte er unter anderem ein »durch anhaltende politische Unsicherheit verursachtes negatives Konsumklima«, die demografische Situation im Land sowie »Post-Pandemie-Effekte wie die anhaltende Krise der Gastronomie«. Zahl der Brauereien in Deutschland wird wohl sinken Seit 2019 ist der deutsche Biermarkt laut Eichele um rund 18 Prozent geschrumpft. Dies dürfte auch Auswirkungen auf die Brauereilandschaft in Deutschland haben. Im Juni wiederum lief das Geschäft offenbar besser – wohl auch wegen der Fußballweltmeisterschaft. So meldet mit Bitburger eine der größten deutschen Brauereien ein Absatzplus von 28 Prozent. Deutschland belegte laut BarthHaas wieder den sechsten Platz im internationalen Ranking der Braunationen. China rangiert auf Platz eins, gefolgt von den USA, Brasilien, Mexiko und Russland. Weniger Hopfen – und dennoch zu viel Beim weltweiten Hopfenanbau ist Deutschland derzeit sowohl bei der Anbaufläche als auch der Erntemenge Nummer eins vor den USA. Weltweit ist der Trend aber auch hier rückläufig. So sank die weltweite Hopfenanbaufläche um 5,5 Prozent auf 52.660 Hektar. Die Erntemenge sank um 3,8 Prozent auf 109.188 Tonnen. Doch auch das ist nach Ansicht der Experten noch zu viel: »Die Produktion überstieg auch 2025 den Bedarf«, sagte Meier von BarthHaas. Für das laufende Jahr erwartet BarthHaas kein Wachstum beim Bierausstoß. »Wir rechnen mit einer weitgehend gleichbleibenden, tendenziell etwas niedrigeren Produktion«, sagte Geschäftsführer Raiser. »Wachstum in Afrika, Asien sowie Mittel- und Südamerika dürfte durch Rückgänge in Europa und Nordamerika aufgezehrt werden.«