Bilanz des Reload 2026: „Langsam bekommen wir ein Problem..."
Startseite Lokales Landkreis Diepholz Sulingen Bilanz des Reload 2026: „Langsam bekommen wir ein Problem..." Von: Carsten Sander Uns auf Google folgen Das Reload-Festival 2026 in Sulingen verzeichnet einen neuen Zuschauerrekord. Doch Festival-Chef André Jürgens sieht die Grenze erreicht – die verfügbaren Campingflächen lassen kaum noch Wachstum zu. Sulingen – Das Feuerwerk krachte und glitzerte am Sulinger Nachthimmel, während „In Flames“ den letzten Song des Reload-Festivals 2026 spielten. Wo sich die führenden Personen der von 20.000 Fans besuchten Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt befanden, war aus der Menge heraus nicht auszumachen. Möglich aber, dass sie sich irgendwo hinter den Kulissen glücklich in den Armen lagen. Grund genug dafür hatte die aktuelle Auflage des Festivals geliefert. Den Fans gefiel das Line-up, sonst wären sie gar nicht erst gekommen. Der Ablauf passte, die Organisation stimmte. Und alles zusammen veranlasste Reload-Chef André Jürgens zu dem Fazit: „Wir haben vieles richtig gemacht. Die Crew und ich sind sehr zufrieden.“ Ein Festival wie das Reload in allen Facetten zu beleuchten, ist beinahe unmöglich. So viele Aufgaben sind zu erfüllen, so viele Abläufe zu koordinieren und so viele Wünsche zu berücksichtigen, dass niemals alles gut und reibungslos sein kann. Aber was vom Startschuss am Donnerstagmittag bis zum Feuerwerk eine Stunde nach Mitternacht am frühen Sonntag passiert war, produzierte bei André Jürgens das gute Gefühl, dem Zustand des maximal Möglichen immer näher zu kommen. „So langsam bekommen wir ein Problem. Wir alle haben dieses Festival als sehr, sehr positiv empfunden. Hier noch eine Schippe draufzulegen, wird tatsächlich eine Aufgabe“, sagte er und ergänzte: „Jetzt geht es darum, die Qualität und den Standard zu halten und nur ein bisschen nachzusteuern.“ Hinter der Formulierung „ein bisschen nachsteuern“ kann sich allerdings einiges verbergen. Zum Beispiel eine weitere Steigerung der verkauften Tickets. 20.000 davon hatte das Reload-Festival für die diesjährige Auflage auf den Markt gebracht. Alle vergriffen, weshalb einmal mehr ein Zuschauerrekord vermeldet wurde. Dass 2027 die nächste Bestmarke folgt, ist denkbar. Aber der Raum, in den das Reload wachsen könnte, wird immer kleiner. Jürgens dazu: „Wir sind nah dran, dass wir nicht mehr erhöhen.“ Ein wichtiger Faktor bei diesen Überlegungen seien immer die verfügbaren Campingflächen. Nur wenn in diesem Bereich Expansion möglich ist, können auch mehr Tickets angeboten werden. Ob das nötig und möglich ist, scheint André Jürgens selbst für sich noch nicht final geklärt zu haben. Einerseits soll der von den Fans so geliebte familiäre Charakter des Reloads unbedingt erhalten bleiben, andererseits wachse der wirtschaftliche Druck auf alle Festivals in Deutschland. „Auch wir spüren das“, räumte André Jürgens ein und erklärte, was er im Grunde jedes Jahr ausführt: Mehr Besucher schaffen mehr Sicherheit. Oder detaillierter: „Bei vielen kleinen, aber auch großen Festivals in Deutschland geht es nicht mehr weiter, oder es wird pausiert. Einzig und allein wegen des Kostendrucks. Wir müssen immer darauf vorbereitet sein, dass auch bei uns mal ein Jahr dabei ist, in dem wir 1.000 Tickets weniger verkaufen. Dann fehlt gleich ein sechsstelliger Betrag in der Kasse. Um dann nicht um unsere Zukunft zittern zu müssen, verkaufen wir im Idealfall in den Jahren vorher 1.000 Tickets mehr.“ Speck anfuttern, Reserven schaffen – ganz normale wirtschaftliche Vorgänge sind das. „Wir brauchen diese Polster, denn wir wollen bleiben, wo wir sind“, so Jürgens. Zusatz: Während andere Festivals verschwinden. Mit jedem Gast mehr steigt jedoch auch der Arbeitsaufwand für all die Reload-Helfer. Unter ihnen sind überwiegend Ehrenamtliche, die für das Festival brennen. 20.000 Besucher sind auch für sie eine Größenordnung nahe am Limit. „Das ist das, was wir mit unserer Crew wuppen können“, so Jürgens. Ohne die Freiwilligen würde es ohnehin nicht gehen, würde es das Reload in der aktuellen Form sicher nicht geben, betonte der Festival-Chef einmal mehr: „Was die Ehrenamtlichen leisten, hat für uns den Gegenwert eines Headliners.“ Heißt folglich: Einen Auftritt wie den von Judas Priest am Reload-Freitag haben die Ehrenamtlichen erarbeitet. Bleibt noch die Frage: Wird das Reload angesichts von Kostendruck und vorausschauender Finanzplanung für die Fans teurer? Am Sonntagabend ist bereits der Vorverkauf für das Reload 2027 gestartet – mit im Vergleich zur gerade beendeten Auflage noch unveränderten Preisen. Doch eine Steigerung im Verlauf des Vorverkaufs will der für das Ticketing zuständige Reload-Gesellschafter Maik Strübe nicht ausschließen. „Wenn sich abzeichnen sollte, dass uns Geld fehlt, könnte es in der letzten Preisstufe eine Erhöhung geben. Aber die wird allenfalls moderat ausfallen.“