Bildung: Deutschland ist OECD‑Spitzenreiter bei MINT‑Abschlüssen
Berlin – Deutschlands Bildungssystem zeigt ein widersprüchliches Bild: Bei MINT‑Abschlüssen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ist die Bundesrepublik Spitzenreiter im Ranking der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zugleich sind mehr junge Menschen weder in Arbeit noch in Bildung oder Ausbildung.
Das zeigt der am Dienstag vorgestellte OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2026“. Die Studie beleuchtet nicht Testergebnisse, sondern die Rahmenbedingungen für Bildung in Deutschland.
Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zieht ein ernüchterndes Fazit: „Wir sind nicht effektiv.“ Die CDU-Politikerin verweist auf ihre schon angekündigten Reformen, Kinder früher zu fördern, Unterricht zu verbessern und Lesen als oberste Priorität zu verstehen.
Fortschritte bei Abschlüssen
Fortschritte gibt es bei den Abschlüssen: 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen haben einen Hochschul- oder höheren beruflichen Abschluss. Das sind elf Prozentpunkte mehr als 2016 (OECD-Schnitt: 47 Prozent). Bei MINT-Fächern ist Deutschland sogar Klassenbester: 34 Prozent der Hochschulabsolventen mit hier erworbener Hochschulreife machen einen Abschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Im OECD-Schnitt sind es 23 Prozent.
Doch zugleich gilt etwa jeder Siebte zwischen 25 und 34 Jahren hierzulande als gering qualifiziert – eine höhere Quote als der OECD‑Schnitt. Zudem sind elf Prozent der 18- bis 24‑Jährigen weder in Arbeit noch in Bildung oder Ausbildung. 2016 waren es noch neun Prozent.
Viele Lehrkräfte ohne passenden Abschluss
Probleme werden bereits in der schulischen Ausbildung deutlich: 55 Prozent der Kinder und Jugendlichen besuchen Schulen , deren Leitung angibt, dass Lehrermangel den Lernerfolg schmälert. 18,6 Prozent der Lehrkräfte haben einen nicht passenden oder noch nicht abgeschlossenen Abschluss.
Defizite sieht Prien bereits bei der frühkindlichen Förderung. Bei den Kitas liegt Deutschland zwar über dem OECD-Schnitt: 96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchen einen Kindergarten. Prien spricht von einem „rasanten Fortschritt“. Allerdings „wissen wir, dass die Kompetenzvermittlung in den Kitas nicht so gelingt, wie wir das eigentlich bräuchten“.
Gemessen an der Wirtschaftsleistung hinkt Deutschland bei den Bildungsausgaben dem OECD-Schnitt hinterher. Pro Schüler oder Studierenden fließen jährlich rund 14.480 Euro in Bildungseinrichtungen. Insgesamt entsprechen die Bildungsausgaben 4,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, im OECD-Durchschnitt sind es 4,7 Prozent.