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Billiger Strom durch Gas? EWI-Gutachten widerspricht

Wirtschaft

Neue Gaskraftwerke sollen Strom günstiger machen. Ein EWI-Gutachten zeigt, warum diese Strategie langfristig Milliarden durch Importe kosten könnte.

Die aktuelle deutsche Energiepolitik verschwendet laut einem Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) Milliarden, wenn sie Investitionen in Netze und Erneuerbare erschwert und dafür auf den Import von Erdgas, Wasserstoff und Strom setzt.

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Sollte Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien langfristig zurückfahren, drohen laut der modellbasierten Analyse von Möglichkeiten im Gutachten hohe Folgekosten. Diese dürften wohl mit größter Wahrscheinlichkeit schwerpunktmäßig erst eine kommende Bundesregierung treffen.

Der aktuelle politische Kurs der mehrheitlich von der CDU geführten Bundesregierung für die Entwicklung, welche sie als Energiewende bezeichnet, könnte hohe, unnötige Kosten verursachen. Demnach könnten Steuerzahler und Unternehmen bis zum Jahr 2045 rund 70 Milliarden Euro einsparen, wenn die Energiewende anders verläuft als zurzeit geplant.

Neue Gaskraftwerke sorgen für trügerische Einsparungen

Das Gutachten will im Detail zeigen, wie die Bundesregierung die Energiewende richtig justieren kann und welche Energiewende-Entscheidungen den größten Einfluss auf die künftigen Kosten des Energiesystems haben. Die Hoffnung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, mit zusätzlichen Gaskraftwerken den Stromkunden niedrigere Preise bieten zu können, erscheint wenig fundiert.

"Die Bundesregierung setzt zum einen wieder verstärkt auf fossile Energieträger und Kraftwerke, ohne die dadurch anfallenden Kosten zu beziffern, während zum anderen insbesondere Kosten des Redispatch betrachtet werden, also Vergütung von aufgrund von Netzengpässen abgeregelten Strom. Die EWI-Ergebnisse zeigen aber: Wer nur einzelne Kostenpositionen betrachtet, läuft Gefahr, das Gesamtsystem teurer zu machen.

Entscheidend sind nicht einzelne Gigawattzahlen oder Abregelungsmengen, sondern die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten des neuen Stromsystems."

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Hans-Josef Vogel, Vorsitzender des LEE NRW

Das EWI-Gutachten vergleicht in seiner Kostenanalyse drei Szenarien:

Das Referenzszenario (REF) orientiert sich am aktuellen Netzentwicklungsplan, in dem der Stromnetzausbau vorausgeplant wird, sowie an den gesetzlich festgelegten Ausbaumengen für erneuerbare Energien.

Ein zweites Szenario namens VAR rechnet mit einem reduzierten Erneuerbaren-Ausbau und einem erhöhten Gaskraftwerksausbau. Dabei entstehen weniger Fixkosten, also etwa Ausgaben für den Bau von Wind- und Solarparks. Dafür gibt es mehr variable Kosten, also etwa Kosten für Stromimporte.

Das dritte Szenario heißt OPT und ist eine rechnerische Optimierung des EWI für den Ausbau von Erneuerbaren, Kraftwerken und Stromnetzen.

Das VAR-Szenario, das in großen Zügen den Ideen von Katherina Reiche entspricht, erscheint trügerisch, denn es reduziert zwar kurzfristig Kosten, schneidet langfristig aber am schlechtesten ab. Diese Auswirkungen werden jedoch erst auftreten, wenn die heutige Bundesregierung schon abgetreten ist.

So könnten zwar bis 2030 sieben Milliarden Euro an Fixkosten für erneuerbare Energien eingespart werden. Doch schon 2037 würden die Kosten für Stromimporte und Gaskraftwerksbetrieb diese Einsparungen deutlich übersteigen.

Langfristige Importabhängigkeit bei Energieträgern ist ein beachtliches Kostenrisiko

Bis 2045 käme bei der Variante VAR dann noch eine große Menge teurer Wasserstoffimporte hinzu, um damit die Gaskraftwerke klimafreundlich zu betreiben. Dafür würden dann zusätzlich Auslandsinvestitionen in unbekannter Größenordnung anfallen. So entstünden allein für die Wasserstofflieferungen Mehrkosten von drei Milliarden Euro pro Jahr im Vergleich zum Referenzszenario.

"Mehr Erdgas und perspektivisch importierter Wasserstoff sind keine Strategie zur dauerhaften Kostensenkung. Ein solches System verlagert Kosten von Investitionen hin zu Brennstoffen und Importen. Damit steigen zugleich die Abhängigkeit Deutschlands von internationalen Märkten und die langfristigen Kosten für Wirtschaft und Verbraucher."

Hans-Josef Vogel

Und Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW stellt fest:

"Die entscheidende Frage ist nicht, wie wir kurzfristig Kostenpositionen minimieren, sondern vielmehr, wie wir auf längere Sicht die steigende Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien mit möglichst geringen Gesamtsystemkosten erzeugen und nutzen. Dafür müssen Erzeugung, Netze, Speicher und Flexibilitäten optimal zusammenspielen."

Ein derartiger ganzheitlicher Ansatz bleibt im aktuellen Netzpaket von Ministerin Reiche jedoch auf der Strecke. Es spricht zwar nur wenig dagegen darüber nachzudenken, wie Anlagen erst dort gebaut werden können, wo die Netze schon vorhanden sind. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass die derzeitigen Redispatchkosten erst so hoch werden konnten, weil der Netzausbau politisch entscheidend verschleppt wurde.

Und genau an diesem Punkt fehlen im Netzpaket konsequente Regelungen. So fehlen wirksame Anreize für einen schnelleren Netzausbau, bessere Auslastung der bestehenden Netze und mehr Transparenz genauso wie Sanktionen für einen verschleppten Netzausbau.

Wenn jetzt den Betreibern von Erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen zusätzliche Pflichten und wirtschaftliche Risiken auferlegt werden, wird der Ausbau der Erneuerbaren ins Stocken geraten.

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