Biologin über Klimaanpassung: „Ein kleiner Leuchtturm der Hoffnung“
taz: Sind wir in Deutschland einer Hungersnot näher, als wir denken, Frau Hegmann? Mona Hegmann: Ja, es kann tatsächlich zu Versorgungsengpässen kommen. Wir nutzen noch viel künstlichen Phosphatdünger, der nun mal endlich ist. Unsere Böden werden immer mehr ausgelaugt und Extremwetterereignisse steigen. taz: Welche Möglichkeiten gibt es, unsere Nahrungsversorgung in einer Zukunft, die von Klimakatastrophen geprägt sein wird, zu sichern? Hegmann: Man muss mitgehen mit dem, was die Natur einem vorgibt. Das heißt Anpassungen, beispielsweise an den steigenden Meeresspiegel. Eine Möglichkeit dafür sind eben sogenannte schwimmende Gärten. Eine andere Möglichkeit ist, dass wir versuchen, unsere Böden maximal zu schützen, indem wir im Kreislauf wirtschaften und nicht mehr Ressourcen entnehmen, als wir wieder zurückgeben können. taz: Was genau sind schwimmende Gärten? Hegmann: Das sind Plattformen auf dem Wasser, wobei traditionell Pflanzenteile in einem Gittermuster übereinander geschichtet werden. Diese bilden dann das Substrat, in denen Gemüsepflanzen angebaut werden. Diese schwimmenden Gärten kann man beliebig bepflanzen und dort ernten. Das zeigt, dass wir mehr Raum, nämlich auch auf dem Wasser, erschließen können, als wir denken, um Lebensmittel anzubauen. taz: Unter anderem in Bangladesch setzen viele Bauern schon auf schwimmende Gärten. Sie sind auch Zuhause für Tiere und schützen vor Überschwemmungen. Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es in Deutschland? Hegmann: Man kann auch hier gleichzeitig Wohnraum für Tiere und Pflanzen sowie Nahrungsanbau für Menschen bieten. Konkret gibt es beispielsweise schon schwimmende Plattformen an der Elbe, die als Nistmöglichkeiten für Vögel dienen. Das könnte man dann natürlich auch ausweiten. Auch Wohnraum für Menschen, der ja immer knapper wird, könnte man irgendwann schwimmend kreieren. Natürlich dann nicht in Form von Wasserpflanzen, sondern von Flößen. Wenn nicht jeder einen eigenen schwimmenden Garten besitzt, sondern man gemeinsame Gärten anlegt, können sie außerdem zu einer richtigen Community beitragen. taz: Im Zuge des Klimaströme-Festivals bieten Sie den Workshop „Der schwimmende Garten der Zukunft“ an. Worum geht es da genau? Hegmann: Die Themen sind die Extremwetterereignisse und der Klimawandel, welche uns durch den Workshop begleiten. Grundsätzlich bieten wir die Möglichkeit, sich miteinander zu verbinden und gestärkt in die Zukunft zu gehen. Gemeinsam an irgendetwas arbeiten, gemeinsam kochen, gemeinsam Ideen finden. Daneben wollen wir Handlungsmöglichkeiten bieten und zeigen, wie man gärtnert und Lebensmittel herstellt. Wir zeigen Lebewesen, die dafür zuständig sind, dass wir Lebensmittel haltbar machen können. Die Kinder gucken sich vielleicht ein bisschen was von ihnen ab und lernen Respekt und Demut für das, was uns noch an nichtmenschlichem Leben umgibt. Wir wollen Neugier wecken, Kinder motivieren und inspirieren. taz: Sehen Sie Projekte wie „Der schwimmende Garten der Zukunft“ auch als Lichtblicke für all diejenigen, die bei dem Gedanken an den Klimawandel am liebsten nur noch den Kopf in den Sand stecken würden?