Biologisches Alter: Ernährung zeigt schon nach vier Wochen einen Effekt
Wie alt ein Mensch laut Geburtsdatum ist, lässt sich nicht verändern. Beim sogenannten biologischen Alter sieht es anders aus: Es soll anhand verschiedener körperlicher Messwerte beziehungsweise Biomarker abbilden, wie der Körper altert. Eine australische Studie mit 104 älteren Menschen zeigt nun, dass sich ein aus diesen Messwerten errechneter Wert für das biologische Alter bereits nach einer vierwöchigen Ernährungsumstellung verändern kann.
In drei von vier in der Studie untersuchten Ernährungsgruppen sank das anhand von Biomarkern geschätzte biologische Alter. Gemeinsam war diesen Ernährungsformen, dass sie im Vergleich zur vierten Gruppe weniger Fett, weniger tierisches Eiweiß oder von beidem weniger enthielten. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Aging Cell veröffentlicht.
Was bedeutet biologisches Alter?
Menschen gleichen Alters können sich gesundheitlich deutlich unterscheiden. Herz-Kreislauf-Gesundheit, Stoffwechsel oder Entzündungswerte können beispielsweise Hinweise darauf geben, wie der Körper altert.
Für die Studie kombinierten die Forscher 20 solcher Biomarker. Dazu gehörten unter anderem die Blutwerte für Cholesterin und Insulin sowie das C-reaktive Protein (CRP), das als Maß für Entzündungen verwendet wird. Aus den Messwerten berechneten sie für jeden Teilnehmer einen Wert für das biologische Alter.
Vier Ernährungsformen im Vergleich
An der Studie nahmen 104 Australier zwischen 65 und 75 Jahren teil. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip einer von vier Ernährungsformen zugeteilt.
In allen Gruppen stammten 14 Prozent der aufgenommenen Energie aus Eiweiß. Bei zwei Ernährungsformen kam die Hälfte davon aus tierischen und die andere Hälfte aus pflanzlichen Quellen (omnivore Ernährung). Bei den beiden anderen stammten 70 Prozent des Eiweißes aus pflanzlichen Lebensmitteln (semi-vegetarisch).
Zusätzlich unterschieden sich die Ernährungsformen beim Anteil von Fett und Kohlenhydraten, so dass es insgesamt folgende vier Studiengruppen gab: omnivor mit mehr Fettanteil, omnivor mit mehr Kohlenhydratanteil, semi-vegetarisch mit mehr Fettanteil und semi-vegetarisch mit mehr Kohlenhydratanteil.
Alle Teilnehmer waren Nichtraucher, normalgewichtig, keine reinen Vegetarier, keiner hatte schwere Erkrankungen oder Lebensmittelallergien oder Intoleranzen gegen Lebensmittelinhaltsstoffe.
Bei drei Ernährungsformen sank das biologische Alter
Nach vier Wochen zeigte sich in drei der vier Gruppen ein niedrigeres errechnetes biologisches Alter. Unverändert blieb der Wert in der Gruppe mit einer fettreichen, omnivoren Ernährung. Diese Ernährungsform ähnelte am stärksten der Ernährung der Teilnehmer vor Beginn der Studie.
Der deutlichste statistische Zusammenhang für eine Veränderung zeigte sich bei der omnivoren Ernährung mit weniger Fett und mehr Kohlenhydraten. Dabei kamen 28 bis 29 Prozent der Energie aus Fett und 53 Prozent aus Kohlenhydraten.
Die Ergebnisse sprechen nach Einschätzung der Forscher dafür, dass weniger Fett, weniger tierisches Eiweiß oder eine Kombination aus beidem altersbezogene Biomarker bei älteren Menschen bereits innerhalb kurzer Zeit beeinflussen könnte.
Bedeutet das, dass Ernährung jünger macht?
Aus den Ergebnissen lässt sich nicht schließen, dass die Teilnehmer tatsächlich biologisch verjüngt wurden oder ihr Alterungsprozess sich dauerhaft verlangsamt hat. Die Untersuchung dauerte lediglich vier Wochen. Noch ist unbekannt, ob die Veränderungen bestehen bleiben und ob sie langfristig überhaupt mit einem geringeren Risiko für altersbedingte Erkrankungen verbunden sind.
Auch Studienleiterin Dr. Caitlin Andrews warnt vor weitreichenden Schlussfolgerungen: Noch sei es zu früh, um zu sagen, dass bestimmte Ernährungsänderungen das Leben verlängern. Weitere Untersuchungen müssten außerdem zeigen, ob die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar sind und langfristig Bestand haben.