Biontech in Marburg: Kein Investor gefunden - Standort schließt wohl endgültig
Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech wird seinen Standort in Marburg offenbar endgültig schließen. Ein Mitglied des Betriebsrats bestätigte der hessenschau am Montag, dass sich kein Käufer für den Standort gefunden habe. Bei einer Betriebsversammlung sollten die Beschäftigten über die weitere Entwicklung informiert werden. Das Unternehmen will sich im Laufe des Montags öffentlich äußern.
Von der Schließung wären rund 540 Beschäftigte in Marburg betroffen. Biontech hatte schon im Mai angekündigt, mehrere Produktionsstandorte zu schließen und weltweit bis zu 1.860 Stellen abzubauen. Davon betroffen sind auch unter anderem Standorte in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) und Tübingen (Baden-Württemberg). Ende August hieß es noch von Biontech, man wolle nach möglichen Käufern für den Standort Marburg suchen.
Betriebsrat: "Massiv Vertrauen verloren"
Der Betriebsrat hatte einen Verkauf des Standorts gefordert. Er setzt sich dafür ein, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Dem hr sagte ein Betriebsratsmitglied am Montag, der Prozess wirke undurchsichtig: Man habe den Eindruck, Biontech wolle den Standort Marburg gar nicht verkaufen. Die Belegschaft habe "massiv Vertrauen verloren".
Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hatte Biontech zuletzt mangelnde Transparenz vorgeworfen und mehr Klarheit über laufende Gespräche verlangt. "Bevor Arbeitsplätze abgebaut werden und ein leistungsfähiger Standort aufgegeben wird, muss Biontech zeigen, dass wirklich alles für eine Weiterführung getan wird", sagte Sabine Süpke, Leiterin des IG-BCE-Landesbezirks Hessen-Thüringen, Anfang August.
Das Marburger Biontech-Werk gehört zu den größten mRNA-Produktionsstätten Europas. Biontech hatte den Standort 2020 während der Corona-Pandemie vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und umfassend modernisiert. Mittlerweile ist die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoff stark rückläufig.