Bipolare Störung: Warum Manien oft positiv erlebt werden
Viele Menschen mit einer bipolaren Störung fürchten sich nicht nur vor dem depressiven Teil der Erkrankung, sondern auch vor manischen Phasen. In diesen Zeiten überdrehter Stimmung drohen etwa Verschuldung durch Impulskäufe, Glücksspiel oder riskante Sexualkontakte. Wie eine Studie aus dem Vereinigten Königreich zeigt, sehen jedoch manche Betroffene in der Manie oder ihrer abgeschwächten Form, der Hypomanie, auch Positives. Eine Gruppe um die Psychologin Monika Luksaite von der University of Southampton wertete 13 Studien aus, an denen insgesamt 610 Menschen mit bipolarer Störung teilgenommen hatten. Die meisten Arbeiten waren qualitativ angelegt, als Befragungen mit offenen Antwortmöglichkeiten. Viele Betroffene beschrieben in einer Manie intensive Hochgefühle und eine Art »Vitalitätsschub«. Damit gingen ein gestärktes Selbstwertgefühl, höhere Kontaktfreudigkeit und eine bessere Leistungsfähigkeit einher. Auch über mehr Durchhaltevermögen oder größeren Mut, Aufgaben anzupacken, berichteten die Befragten. Jene, die sich künstlerisch betätigten, nannten zudem häufig eine gesteigerte Kreativität als Pluspunkt. Keine »mangelnde Krankheitseinsicht« Die Forschenden betonen, dass diese positiven Eindrücke die Risiken manischer Episoden nicht aufheben. Sie warnen jedoch davor, solche Erfahrungen als »mangelnde Krankheitseinsicht« abzutun. Denn positive Überzeugungen über manische oder hypomanische Phasen könnten dazu beitragen, dass Betroffene eine Behandlung ablehnen oder weniger konsequent verfolgen. Es könne daher sinnvoll sein, diese Zwiespältigkeit in der Therapie gezielt anzusprechen.