Bis zu 200 Millionen Euro in Teakholz investiert: Warum Anleger jetzt um ihr Geld bangen
Erfurt | Leipzig | Bautzen
Kleinanleger bangen nach Life Forestry-Konkurs um Teakholz-Investments
Stand: 29.08.2026 17:00 Uhr
Tausende Anleger, auch aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, fürchten um ihr Erspartes. Vor Jahrzehnten kauften sie Teakbäume in Südamerika und erhofften sich zweistellige Jahresrenditen. Nun sollten die Bäume gewinnbringend geerntet werden. Doch das Schweizer Mutterunternehmen ist pleite und Werbeversprechen lösen sich in Luft auf. In Leipzig hat sich eine Anleger-Interessengemeinschaft gegründet.
von Karsten Heuke, MDR THÜRINGEN
Warum die Anleger gerade jetzt um ihr Geld fürchten
Was die Life Forestry Switzerland AG zu den Vorwürfen sagt
Welche Strategien die Rechtsanwälte verfolgen
Bis zu 7.000 Anleger, darunter hunderte aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, zittern um ihre grünen Geldanlagen. Sie haben tausende Euro langfristig über die Life Forestry Switzerland AG in Teakbäume in Costa Rica und Ecuador investiert: Der Mann, der mit dieser wachsenden Wertanlage seine Ehefrau vor Jahren zum Geburtstag überraschte, die Naturschützerin, die auf Edelholz statt auf Industriebetriebe setzen wollte, der Lehrer, der seine Altersvorsorge um eine natürliche Alternative ergänzen wollte.
Bis zu 200 Millionen Euro angelegt
Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zahlten in den vergangenen 20 Jahren in Summe mutmaßlich um die 200 Millionen Euro ein. Jetzt sollte sich ihre Geduld in Gewinn wandeln und Teakbäume gefällt und verkauft werden.
Kurz vor dem erwarteten Geldsegen dann der Schock: Die Muttergesellschaft Life Forestry Switzerland AG meldete im November 2025 Konkurs an, der aber mangels Vermögen sogar eingestellt wurde. Damit ist der Vertragspartner der Anleger in der Schweiz verschwunden, der die Plantagen bewirtschaften und den Holzverkauf für sie managen sollte.
Seitdem bangen die Anleger um ihre Teakbäume. In den Verkaufsprospekten von Life Forestry klang alles solide finanziert. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben sich mehr als 1.000 Anlegerinnen und Anleger der Leipziger Interessengemeinschaft LFS angeschlossen. Darüber oder direkt haben viele Betroffene Rechtsanwälte eingeschaltet. Deren Nachforschungen erschüttern das Anlagekonstrukt insgesamt.
Eigentum an Teakbäumen rechtlich fraglich
Viele Anleger wähnten sich als Eigentümer von konkreten, nummerierten Teakbäumen. Baumeigentums-Urkunden von Life Forestry und sogar GPS-Koordinaten sollten das bestätigen.
Es ist auch in Costa Rica und Ecuador rechtlich nicht möglich, an einzelnen Bäumen unabhängig vom Plantagengrundstück Eigentum zu erwerben. Jens Reime, Rechtsanwalt
Rechtlich ist das offenbar nicht belastbar. Rechtsanwalt Jens Reime aus Bautzen, der eigenen Angaben zufolge inzwischen mehr als 1.000 Life Forestry-Anleger vertritt, war Ende Mai in Südamerika. Sein ernüchterndes Fazit im MDR THÜRINGEN-Interview: "Es ist auch in Costa Rica und Ecuador rechtlich nicht möglich, an einzelnen Bäumen unabhängig vom Plantagengrundstück Eigentum zu erwerben." Anleger können somit über die Bäume nicht wie über eine Immobilie verfügen.
Dazu kommt laut Kapitalmarktrechtsanwalt Reime, dass Aussagen von Plantagenmitarbeitern dafürsprächen, dass Bäume mehrfach vermittelt wurden.
Auch Anlegeranwalt Klaus Seimetz aus Ottweiler sagte MDR THÜRINGEN, Unterlagen enthielten Ungereimtheiten und deuteten darauf hin, dass dieselben "Bäume oder auch Plantagenflächen mehrfach verkauft oder verpachtet wurden. Aber Klarheit haben wir da noch nicht." Seimetz sagte, seine Kanzlei vertrete aktuell mehr als 400 Life Forestry-Anleger.
Er geht auch davon aus, dass Life Forestry die Anleger mit zu optimistischen Renditeprognosen getäuscht hat. Ein Gerichtsurteil gegen den Verwaltungsrat des Unternehmens stütze diese Sicht. Selbst das schlechteste dargestellte Szenario habe noch einen Teakholz-Gewinn in Aussicht gestellt.
Ex-Geschäftsführer: "Kein Schaden entstanden"
Der langjährige Geschäftsführer der Life Forestry Switzerland AG, Lambert Liesenberg, schweigt weitgehend. Direkter Austausch mit den Anlegeranwälten ist laut deren Aussagen eingeschlafen, nachdem sie konkrete Unterlagen eingefordert hätten.
Auf eine Anfrage von MDR THÜRINGEN teilte Liesenberg ohne Begründung mit, es sei keinerlei Schaden entstanden und deshalb bestünden auch keine Schadenersatzansprüche. Konkrete Fragen, etwa zur Anzahl vermittelter und gepflanzter Teakbäume oder dem Ertragswert der Plantagen hat der frühere Geschäftsführer nicht beantwortet.
Ebenfalls teilte er nicht mit, ob wie vereinbart, ausreichend Anlegergeld für die Plantagenpflege zurückgestellt wurde und vorhanden ist. Stattdessen erhob der Ex-Geschäftsführer unspezifische Vorwürfe gegen einen nicht genannten Anlegeranwalt. Auf Rückfragen dazu reagierte Liesenberg nicht.
Bis zu 12 Prozent Rendite mit Teakbäumen
In den Life Forestry-Verkaufsbroschüren war Geschäftsführer Liesenberg mitteilsamer. Darin schrieb er 2009, Holz sei von Natur aus rentabel: "Denn der Ertrag wächst mit der Biomasse der Bäume - ein natürlicher Zinseszinseffekt." Teakholz wurde als "Das natürliche Kraftpaket für Ihr Portfolio" mit einem "Höchstmaß an Sicherheit" beworben. Fünf bis zwölf Prozent jährliche Rendite seien zu erwarten, mit weniger Risiko als bei internationalen Aktien.
Aus 5.000 Euro sollten in zwanzig Jahren zwischen 13.000 Euro und 48.000 Euro werden. Inwieweit beispielsweise ungünstige Währungskurse oder steigende Transportkosten die Gewinne gefährden könnten, wurde nicht erwähnt.
Ein Hinweis auf möglichen Totalverlust fand sich nur in den AGB. Warnungen von Verbraucherschützern in den vergangenen Jahren schreckten die Anleger offenbar ebenso wenig ab, wie ein zwischenzeitliches Vertriebsverbot der Teakholz-Anlagen durch die Finanzaufsicht Bafin. Manche Anleger haben ein paar tausend, andere zehntausende Euro angelegt. Die Anwälte berichten, dass komplette Altersvorsorgen und Abfindungen in die Teakholz-Investments flossen.
Bis zu 75 Prozent Verlust?
Ernüchternd sind die Schätzungen der Anlegeranwälte zum tatsächlichen Wert der Teakholz-Anlagen. Statt um Gewinne, geht es nur noch um das Ausmaß der Verluste. Wenn es gut läuft, erwartet Rechtsanwalt Klaus Seimetz "Rückflüsse zwischen 30 und 50 Prozent" des angelegten Geldes.
Nach meiner Einschätzung sind die Bäume in Costa Rica und in Ecuador rund 50 Millionen Euro wert, das ist natürlich nur ein Viertel dessen, was insgesamt investiert worden ist. Jens Reime, Kapitalmarktrechtsanwalt
Noch weniger Hoffnung macht Rechtsanwalt Jens Reime: "Nach meiner Einschätzung sind die Bäume in Costa Rica und in Ecuador rund 50 Millionen Euro wert, das ist natürlich nur ein Viertel dessen, was insgesamt investiert worden ist."
Um mehr für die Mandanten rauszuholen, setzt Rechtsanwalt Reime nicht auf reguläre Baumverkäufe, sondern auf Schadenersatz: "Wir gehen davon aus, dass wir aufgrund der beschränkten Mandantenanzahl eine Befriedigung zu 100 Prozent erreichen können."
Mit Verfahren in Costa Rica und Ecuador, der Schweiz, Deutschland sowie in Liechtenstein will der Anwalt durchsetzen, dass die verbliebenen Unternehmen und eine Stiftung der Life Forestry-Gruppe sowie Privatvermögen der Verantwortlichen dafür herangezogen werden. Weltweit sollen deren Kapital, Wertgegenstände, Grundstücke und Teakbäume herangezogen werden, "da die Anleger unter falschen Voraussetzungen investiert haben".
Reguläre Teakbaum-Verkäufe oder Schadenersatz
Die auf Kapitalanlagen spezialisierte Rechtsanwältin Kerstin Bontschev in Dresden rät ihren Mandanten zu Strafanträgen in Deutschland und der Schweiz gegen das Management von Life Forestry. Aufgrund der bisherigen Informationen vermutet sie ebenfalls, dass nie alle vermittelten Teakbäume existierten.
Eigentlich müsste aus ihrer Sicht alles beschlagnahmt und ermittelt werden, ob es sich um ein Betrugsmodell handelte. Ihre Kanzlei vertritt Bontschevs Angaben nach rund 80 Anleger aus ganz Deutschland, die zwischen 3.000 und 150.000 Euro angelegt hätten. Alle Anlageverträge habe sie gekündigt und wegen Falschangaben widerrufen. Zu den bisher Verantwortlichen bestehe kein Vertrauen mehr.
Rechtsanwalt Klaus Seimetz setzt auf beides: strafrechtliche Ermittlungen und reguläre Verwertung der Teakbäume. Schadenersatzforderungen habe sein Team zurückgestellt, weil noch unsicher sei, ob die durchsetzbar seien und Geld zu holen sei. Aktuell liefen Gespräche mit einem früheren Life Forestry-Mitarbeiter, der mit einer neuen Firma die Teakbäume im Sinne der Anleger gestützt auf Schweizer Recht vermarkten wolle. Mit dem könnten die Anleger gegebenenfalls ohne zusätzliche Kosten neue Verträge abschließen.
Jahrelanger Kampf ums Geld droht
Welche Strategie die Verluste erfolgreich minimiert ist nicht vorhersehbar. In jedem Fall brauchen die enttäuschten Anleger weiter viel Geduld und Nerven. Und auch der Rechtsweg kostet Geld. Die Anwälte gehen in jedem Fall davon aus, dass es viele Monate, eher jedoch mehrere Jahre dauern wird, bis möglicherweise Teakholzerträge oder Schadenersatz fließen.
Anmerkung der Redaktion: Wir möchten gern auch über Ihren Fall berichten. Melden Sie sich bei uns unter recherche@mdr.de, wenn Sie über Life Forestry Geld investiert haben.
MDR (gh)