Bitcoin 2030: Wie realistisch ist eine Million US-Dollar?
Noch vor wenigen Jahren lösten Prognosen von 100.000 US-Dollar Kopfschütteln aus. Inzwischen diskutiert die Wall Street darüber, ob Bitcoin die Million erreicht. Hinter dieser Zahl stehen nicht nur überzeugte Krypto-Anhänger. Auch Banken und Vermögensverwalter beschäftigen sich mit der Frage, wie wertvoll Bitcoin werden könnte, wenn immer mehr Kapital auf ein begrenztes Angebot trifft. Zu den größten Optimisten zählt ARK Invest. Die Investmentgesellschaft von Cathie Wood hat für 2030 drei Szenarien berechnet. Im pessimistischsten Szeanrio könnte Bitcoin bei rund 300.000 US-Dollar stehen, das Basisszenario sieht 710.000 Dollar vor. Im Best-Case sind sogar 1,5 Millionen Dollar möglich. Dafür müssten vor allem Vermögensverwalter, Unternehmen und möglicherweise auch Staaten deutlich stärker in Bitcoin investieren. Etwas vorsichtiger ist Standard Chartered. Die britische Großbank hält bis 2030 dennoch einen Kurs von rund 500.000 Dollar für möglich. Zusätzliche Nachfrage soll vor allem durch börsengehandelte Bitcoin-Fonds entstehen. Seit der Zulassung der US-Spot-ETFs können Anleger über klassische Wertpapierdepots investieren, ohne die Kryptowährung selbst verwahren zu müssen. Auch BlackRock-Chef Larry Fink spricht inzwischen von Bitcoin als einem "internationalen Asset“. Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Aussage vom Chef des weltgrößten Vermögensverwalters kaum vorstellbar gewesen. Für die hohen Prognosen spielt Knappheit eine zentrale Rolle. Mehr als 21 Millionen Bitcoin wird es nie geben. Trifft eine weiter steigende Nachfrage auf dieses begrenzte Angebot, kann der Kurs entsprechend stark reagieren. Warum die Rechnung nicht aufgehen muss Die Kursziele beruhen allerdings auf Annahmen. Pensionsfonds und Versicherungen könnten Bitcoin aufgrund der starken Schwankungen genauso gut auch weiterhin meiden. Ebenso könnten strengere Regeln den Zugang für Banken und andere Großanleger erschweren. JPMorgan-Chef Jamie Dimon gehört seit Jahren zu den bekanntesten Kritikern. Er bezeichnete Bitcoin bereits als weitgehend wertlos und stellt den langfristigen Nutzen der Kryptowährung infrage. Dass JPMorgan trotzdem Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte anbietet, ist dabei kein Widerspruch. Die Bank bedient die Nachfrage ihrer Kunden, auch wenn ihr Vorstandschef persönlich skeptisch bleibt. Der Ökonom Kenneth Rogoff warnt vor zu einfachen Vergleichen mit Gold. Bitcoin fehlt dessen lange Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel. Außerdem muss sich die Kryptowährung in größeren Krisen erst noch beweisen. Bislang zeigte sich immer wieder, dass Bitcoin bei wachsender Unsicherheit nicht automatisch wie ein sicherer Hafen reagiert. Wie weit trägt die institutionelle Nachfrage? Ob Bitcoin im Jahr 2030 bei 300.000, 500.000 oder mehr als einer Million US-Dollar steht, lässt sich entsprechend nicht seriös beantworten. Die hohen Kursziele setzen jedoch voraus, dass große Investoren ihre Bitcoin-Bestände weiter ausbauen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre war in dieser Hinsicht vielversprechend. Bleibt die Nachfrage künftig jedoch hinter den Erwartungen zurück, dürften die optimistischen Prognosen schnell ins Wanken geraten. Empfehlungen der Redaktion Darum sorgt die Besteuerung von Bitcoin für Unruhe Riesiges Teleskop macht Händler sprachlos Wie bei Bond: Apartment in "Casino Royale"-Villa steht zum Verkauf Die Debatte allein aber zeigt, welche Bedeutung Bitcoin heute beigemessen wird. Einst ging es um die Frage, ob die Kryptowährung überhaupt dauerhaft bestehen kann. Heute berechnen Banken und Investmentgesellschaften mögliche Kursziele für das Ende des Jahrzehnts. © Börse am Sonntag