Bitcoin-Rally: US-Finanzminister wirbelt Anleihenmarkt durcheinander
Die US-Staatsverschuldung erreicht neue Höhen, während Anleger weltweit nach sicheren Häfen suchen. Doch die Folgen sind alles andere als vorhersehbar.
Ende Januar war der Bitcoin knapp 100.000 US-Dollar teuer. Dann ging es rapide abwärts und eine Art Wundenlecken setzte ein: Zwischen Juni und Ende August mühte sich die Kryptowährung Nummer 1 zwischen 60.000 und 67.000 US-Dollar ab. Doch dann kam Bewegung in den Markt: Ein paar Tage brachten 20 Prozent Kursplus, sogar etwas mehr. Nicht aus eigener Kraft, wohlgemerkt.
Eingriffe in Anleihenmarkt schrecken die Welt auf
Es sind die Turbulenzen am Anleihenmarkt, die die Kryptos in den Blick rücken. Tatsächlich hat der US-Finanzminister – an seiner Notenbank vorbei – in den Anleihenmarkt eingegriffen. Er hat massiv US-Staatsanleihen gekauft, um die Renditen dort zu drücken.
Zur Person
Antje Erhard arbeitet seit rund 20 Jahren als Journalistin und TV-Moderatorin. Ihr Weg führte sie von der Nachrichtenagentur dpa-AFX u. a. zum ZDF. Derzeit arbeitet sie für die ARD-Finanzredaktion in Frankfurt und berichtet täglich, was in der Welt der Börse und Wirtschaft passiert.
Aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen: Die US-Staatsverschuldung – traditionell hoch – übersprang eine Marke, die eigentlich wenig zu sagen hat, aber markant ist: 40 Billionen US-Dollar. Das war zwar absehbar. Bislang war der Tenor angesichts der steigenden Schulden allerdings: Die Wirtschaft wächst ja. Stimmt. Angesichts dieser Marke zog die Verschuldung aber neue Aufmerksamkeit auf sich.
Die Folge war die Rückkehr des sogenannten Debasement Trades. Das heißt: Staatsanleihen der USA wurden massiv verkauft, und es wurden Güter gekauft, die limitiert sind. Gold, Kryptos. Und da machten auch diejenigen mit, die der Regierung sozusagen eine Gelbe Karte zeigen wollten und gegen den Dollar gewettet haben. Denn wenn etwas nicht geht, dann, dass ein Finanzminister ohne Absprache mit seiner Notenbank an den Kapitalmärkten rumwirbelt, die Glaubwürdigkeit der eigenen Währungshüter demoliert und auch noch die eigene Währung auf Talfahrt schickt. Das war kein guter Schachzug.
Großes Geld wieder da
Das Resultat ähnelt einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Die Kurse von Bitcoin und Co. beginnen zu steigen. Institutionelle Investoren bemerken das schnell, kaufen wieder. Die Kurse steigen weiter. Privatanleger folgen. Auch sogenannte Whales, also Besitzer großer Mengen an Bitcoins mit entsprechender Marktmacht, werden wieder zu aktiven Käufern.
Sicherheit sieht anders aus
Und dann waren da noch die ewigen Spekulanten. Sie hatten monatelang richtig gelegen, als sie auf fallende Kurse gesetzt hatten. Jetzt verstärkten sie die Kursentwicklung nach oben. Unfreiwillig selbstredend. Short-Positionen, also Leerverkäufe, die das Ziel haben, Gewinne zu machen, wenn die Kurse fallen, mussten im Anstieg geschlossen werden. Noch dazu, wenn sie gehebelt waren. Das war eine Art Brandbeschleuniger und erklärt, warum der Bitcoin so schnell gestiegen ist.
Schnell setzten natürlich die ersten Gewinnmitnahmen ein und drückten den Kurs. Die Erwartung, der Bitcoin schütze Investoren vor einem Verfall des US-Dollars so wie Gold, dürfte ohnehin zu hoch gegriffen sein. Zwar ist der Bitcoin auf 21 Millionen Stück limitiert, doch während Gold in einem Jahr trotz einiger Durststrecken gut 20 Prozent zulegte, ist Bitcoin um 30 Prozent billiger geworden. Sicherheit sieht anders aus.
Bitcoin
68.261,89 EUR-28,06%
Aktuelles ChartZeitraum 3 Jahre16:00 UhrBison
Bitcoin Krypto
Hoch
106.240,28
Zwischenwert Hoch / Mittel
92.522,28
Mittel
78.804,28
Zwischenwert Mittel / Tief
65.086,28
Tief
51.368,28
2026
Und dennoch sind sie wieder da: die Kursziele der Superlative. Der Bitcoin soll, so die Prognose, zunächst auf 150.000 US-Dollar steigen. Zu dieser Einschätzung hat sich kürzlich das eigentlich als solide geltende und renommierte Analysehaus Bernstein hinreißen lassen. Eine solche Höhe hat der Bitcoin noch nie erreicht. Laut Bernstein soll er sogar bis 2029 auf 300.000 US-Dollar steigen können. Das kann sein – vielleicht eines Tages.
Steigen die Zinsen?
Bis dahin zählt erst einmal das Hier und Jetzt. Und das sieht angesichts steigender Inflationsgefahren nach steigenden Leitzinsen aus. Kaum eine große Volkswirtschaft wie die der USA, Japans, Europas und Großbritanniens wird darum herumkommen. Steigende Zinsen dämpfen die Inflation. Und die ist in vielen Regionen der Welt zu hoch geworden. Höhere Zinsen sind jedoch schlecht für Risikoassets, da sicherere Anlagen wie Staatsanleihen dann eine höhere Rendite abwerfen.
Und so strauchelt der Bitcoin derzeit wieder. Nicht über sich selbst, sondern über Geo- und Geldpolitik. Damit ist er allerdings nicht allein. Diese nicht enden wollende Kriegssituation in Nahost hat Ausmaße angenommen, die vor einem halben Jahr kaum jemand in Betracht gezogen hat. Auch die Kapitalmärkte können sich dem nicht entziehen.