Bitcoin steigt – doch die langfristigen Aussichten bleiben unverändert
Bitcoin steigt auf 77.000 Dollar. US-Anleihekäufe, Short Squeeze und ETF-Zuflüsse treiben die Rally – an den langfristigen Aussichten ändert sich kaum.
Bitcoin notiert am Freitag bei rund 77.000 US-Dollar und steuert damit auf ein Wochenplus von rund 22 bis 23 Prozent zu. Das ist nicht nur der stärkste Wochengewinn seit März 2023, sondern auch ein Lichtblick, auf den viele Anleger nach Monaten des Kursverfalls hofften.
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Allein am Freitag ging es für den Bitcoin zumindest zeitweise um 9,4 Prozent nach oben, berichtete Bloomberg. Zu Wochenbeginn hatte wohl noch niemand mit diesem Anstieg gerechnet, da dümpelte der Kurs noch bei rund 62.800 US-Dollar.
Die Dynamik, die sich jetzt hier zeigt, erinnert an die Kursexplosion von Anfang der Woche, als Bitcoin erstmals seit Juni wieder die 70.000-Dollar-Marke durchbrach. Sie war getrieben von geldpolitischen Signalen und Spekulationen an den Terminmärkten. Das sind auch die Kräfte, die jetzt den Bitcoin-Kurs weiter nach oben ziehen.
Auch wenn das für manche ein Lichtblick sein dürfte – der Kurs liegt dennoch weit entfernt vom Allzeithoch von 126.198 US-Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde. Nach einem Kurssturz gab es im Januar noch einmal ein Zwischenhoch von 94.820 US-Dollar, aber auch diese Zielmarke ist noch weit entfernt.
Treasury-Intervention drückt Renditen und Dollar
Den Startschuss für die aktuelle Rally gab US-Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch. Das Finanzministerium kündigte an, zunehmend Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren verstärkt zurückkaufen zu wollen.
Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen fiel laut CNBC daraufhin um 5,7 Basispunkte auf 4,647 Prozent, die 30-jährige um 9 Basispunkte auf 5,196 Prozent.
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Rachael Lucas, Analystin bei BTC Markets, bezeichnete laut Bloomberg die Verdopplung der Rückkäufe als „eigentlichen Treiber“, weil sie die langfristigen Renditen gedrückt und die allgemeine Risikobereitschaft gesteigert habe.
Gleichzeitig betonte sie: „Nichts hat die langfristigen Aussichten für Bitcoin neu definiert, aber nichts hat auch seine Volatilität neu definiert“.
Milliarden-Liquidierungen am Terminmarkt
Ein gewichtiger Grund für den rasanten Kursanstieg bot sich an den Terminmärkten. Ein massiver Short Squeeze sorgte dafür: Innerhalb von drei Tagen wurden gehebelte Positionen auf den Bitcoin zwangsliquidiert. Aus den Daten von Coinglass geht hervor, dass dieser Vorgang einen Umfang von fast 2,5 Milliarden US-Dollar hatte.
Das funktioniert so: Wetten Teilnehmer auf fallende Kurse (Short-Position), aber die Entwicklung geht in die andere Richtung (die Kurse steigen), dann werden automatisch Margin Calls ausgelöst. Die Marktteilnehmer konnten dann entscheiden: Entweder frisches Geld nachschießen oder die Positionen werden vom Broker zwangsliquidiert.
Offenbar ist letzteres geschehen, was zusätzlichen Kaufdruck erzeugte.
Institutionelle Zuflüsse und Wal-Käufe
Parallel zum Short Squeeze kehrten institutionelle Käufer zurück. Die 13 in den USA notierten Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten in der laufenden Woche Zuflüsse von mehr als 1 Milliarde US-Dollar und steuern damit auf die stärkste Woche seit Januar zu.
Laut CoinShares-Daten flossen allein am Mittwoch rund 715 Millionen US-Dollar in Krypto-ETPs – einer der stärksten Tageswerte des Jahres.
Auch die sogenannten Bitcoin-Wale – Großinvestoren mit hohen Token-Beständen – haben laut On-Chain-Daten von CryptoQuant in den vergangenen 60 Tagen rund 43.000 BTC im Wert von etwa 2,75 Milliarden US-Dollar hinzugekauft und damit eine monatelange Verkaufsphase beendet.
Politischer Rückenwind und strukturelle Risiken
Wie CNBC weiter berichtet, erhält die Krypto-Branche Zuspruch aus dem Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump hatte sich mit Vertretern von Coinbase, Payward und weiteren Krypto-Unternehmen getroffen, was in der Branche etwas Optimismus weckte.
Trump drängte zudem den Senat, den Clarity Act zu verabschieden, einen Gesetzentwurf, der erstmals eine klare Marktstruktur für digitale Vermögenswerte schaffen soll. Das Gesetz war vor der Sommerpause im August aufgrund ethischer Differenzen ins Stocken geraten.
James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, betonte indes in einer Mitteilung, die Telepolis vorliegt, dass die makroökonomische Entwicklung den Rahmen für den jüngsten Bitcoin-Anstieg stellte.
Und die Nebenwirkungen der Anleihe-Intervention haben damit auch Einfluss auf die BTC-Kurse. Die Rückkäufe müssten, so Butterfill, über kurzfristige Emissionen gegenfinanziert werden, was die durchschnittliche Laufzeit der US-Staatsschulden verkürze und die Sensitivität gegenüber der Fed-Zinspolitik erhöhe.
Zudem drohe ein schwächerer Dollar, die importierte Inflation anzuheizen – ein Punkt, den ein aktueller Telepolis-Hintergrund zur US-Schuldenlage ebenfalls aufgreift: Die Bruttoverschuldung der USA hat mit 40 Billionen US-Dollar einen neuen Rekordwert erreicht.
Die Interventionen von Finanzminister Bessent und die Vorhaben der US-Regierung hätten sich jedenfalls positiv ausgewirkt, nicht nur auf den Bitcoin, sondern auch auf andere Kryptowährungen wie Ethereum.
Lucy Gazmararian von Token Bay Capital erklärte gegenüber CNBC, sie rechne mit einem „letzten Einbruch“ von rund 20 Prozent, bevor der Krypto-Zyklus endgültig drehe.
CoinShares erwartet vorerst einen seitwärts gerichteten Markt mit einer Obergrenze um 80.000 US-Dollar. Geoffrey Kendrick von Standard Chartered hält dagegen seine Jahresendprognose von 100.000 US-Dollar erstmals in diesem Jahr für möglicherweise zu niedrig.