Bitcoin und die Halving-Uhr: Signal für den Boden oder trügerische Ruhe?
Muster aus früheren Zyklen nährt die Hoffnung auf einen Boden
Zyklus von 2018 liefert das wohl stärkste Gegenargument
Zinssorgen in den USA setzen den Kurs erneut unter Druck
Die Bitcoin-Halving-Uhr nach Blockzahl hat laut BeInCrypto am 8. Oktober 62 Prozent des Intervalls erreicht. Es war außerdem der 900. Tag. Für Anleger ist das mehr als Zahlenspielerei, denn frühere Bärenmarkt-Tiefs fielen auf diese Marke. Ob das Muster trägt, hängt auch von der Makrolage ab.
Was die Bitcoin-Halving-Uhr anzeigt
Das Halving-Intervall war laut BeInCrypto am 8. Oktober zu 62 Prozent abgeschlossen. Der Netzwerkstand lag an diesem Tag bei Block 970.344 und ist inzwischen noch weiter bis auf aktuell 972.196 gestiegen (Stand: 19.10.2026). Das fünfte Halving folgt bei Block 1.050.000 und wird für April 2028 erwartet. Die Belohnung je Block sinkt dann von 3,125 auf 1,5625 Bitcoin, wie Bitcoin.org angibt.
Der Analyst The Rational Root verweist darauf, dass frühere Bärenmarkt-Tiefs bei der 62-Prozent-Marke lagen, im Januar 2015 und im November 2022 nach dem FTX-Kollaps.
Trader Jesse Olson sieht über alle vier Zyklen Hochs vor Tag 550 und Tiefs nahe oder vor Tag 900. Beide Muster beruhen jedoch auf wenigen Zyklen, und das Halving-Datum lässt sich nur schätzen, weil im Schnitt alle zehn Minuten ein Block entsteht.
Das Gegenargument aus dem Jahr 2018
2018 ist jedoch eine Ausnahme, damals wurde die 62-Prozent-Marke bei rund 6.000 US-Dollar erreicht, danach fiel der Kurs bis Mitte Dezember auf etwa 3.200 US-Dollar. Auch Binance Research warnte, dass Erholungen nach einem Trendlinienbruch oft noch einmal ihre Tiefs ansteuern.
Hält das Juli-Tief bei rund 57.800 US-Dollar, deutet die Uhr laut BeInCrypto auf ein Ende des Bärenmarkts. Ein Fall darunter wäre demnach ein Hinweis auf eine letzte Abwärtsphase wie 2018. Damit verlagert sich die Frage von der Uhr auf eine konkrete Kursmarke. Der Zyklus liefert keinen Automatismus, sondern einen Maßstab, an dem sich der weitere Kursverlauf messen lässt.
Zinssorgen und der Streit um den Boden
Seit dem 8. Oktober hat sich die Lage eingetrübt. Bitcoin fiel am Donnerstag bei Bitstamp zeitweise unter 80.000 US-Dollar und erholte sich dann wieder. Analyst Timo Emden von Captrader nannte laut dpa-AFX einen "Unsicherheitscocktail aus Zinssorgen, KI-Zweifeln und einem sinkenden Risikoappetit" als Ursache.
Hintergrund ist die US-Inflation: Der Verbraucherpreisindex stieg im September laut US-Arbeitsministerium um 0,6 Prozent zum Vormonat, die Jahresrate liegt bei 3,7 Prozent nach 3,4 Prozent im August. Danach wurde laut dpa-AFX verstärkt auf eine weitere Zinserhöhung der Fed spekuliert, Anleger setzten stärker auf festverzinsliche Anlagen. Das bremst Kryptowährungen, die keine Marktzinsen abwerfen.
Wichtig für Bitcoin-Anleger
Die Halving-Uhr liefert Anlegern derzeit ein verlockendes Signal, aber kein Versprechen. Wer an die Wiederholung historischer Muster glaubt, könnte daraus schließen, dass der Tiefpunkt bereits hinter dem Markt liegt. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn die Geschichte kennt mit 2018 mindestens eine deutliche Ausnahme. Zudem ist ein Zyklusmodell mit nur vier Datenpunkten statistisch dünn, und die zunehmende Prägung des Marktes durch ETFs und institutionelle Akteure kann alte Muster verschieben.
Für die Positionierung bedeutet das: Wer langfristig an Bitcoin glaubt, muss nicht auf den perfekten Einstieg warten, sollte aber auch nicht alles auf eine Karte setzen. Ein gestaffelter Einstieg, etwa per Sparplan oder in mehreren Tranchen, nimmt den Druck, den exakten Boden zu treffen, und hält Pulver trocken für den Fall eines erneuten Rücksetzers. Als zentrale Marke gilt das Juli-Tief: Hält die Zone um 57.800 US-Dollar, spräche die Halving-Uhr für ein Ende des Bärenmarkts, ein Bruch darunter dagegen für eine letzte Abwärtswelle wie 2018. Ermutigend ist, dass der Rückgang im aktuellen Zyklus mit rund 54 Prozent deutlich milder ausfiel als die 77 Prozent oder mehr früherer Bärenmärkte. Dennoch bleibt Bitcoin ein hochvolatiler Vermögenswert. Die Positionsgröße sollte so bemessen sein, dass auch ein weiterer kräftiger Einbruch verkraftbar bleibt, und wer kurzfristig handelt, sollte klare Stop-Marken definieren statt sich allein auf historische Analogien zu verlassen.
Als nächster Beobachtungspunkt gilt die Veröffentlichung der Verbraucherpreise für Oktober, die das US-Arbeitsministerium für den 10. November angesetzt hat. Sie dürfte zeigen, ob die Zinssorgen weiter auf den Kryptowerten lasten.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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