BIZ warnt vor KI-Crash: Droht Finanzkrise wie 2008?
Die Zentralbank BIZ schlägt Alarm: Die undurchsichtigen Kredite von Schattenbanken für Tech-Riesen bedrohen das globale Finanzsystem. Investitionen in Künstliche Intelligenz könnten eine Finanzkrise auslösen. Darauf weist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem Jahresbericht 2026 hin und schlägt Alarm. Weiterlesen nach der Anzeige Der Grund dafür ist, dass der Ausbau der KI in vielen Fällen über Schulden finanziert ist, und das, so heißt es im Bericht, sei einer der gefährlichsten Druckpunkte für die Weltwirtschaft. Hinzu kommen eine stärker werdende Inflation und Staatsschulden auf Rekordniveau. Daraus ergebe sich ein Mix, der jeden Schock verstärken könnte. BIZ-Generaldirektor Pablo Hernández de Cos formulierte die Sorge unmissverständlich: Die groß angelegten Investitionen in KI-Infrastruktur drohten "überhandzunehmen", da Konzerne wie Google, Meta, OpenAI und Nvidia sich gegenseitig zu überbieten versuchten. Bleibe die Technologie hinter den Erwartungen zurück, könnte der aktuelle Boom "abrupt enden", was schwere makroökonomische Folgen haben könnte. Der Bericht zieht dabei historische Parallelen, die aufhorchen lassen: Das Tempo und Ausmaß der KI-Investitionen ähnele der Dotcom-Blase oder – worauf The Telegraph hinweist – der britischen Eisenbahnmanie der 1840er Jahre und den "roaring 20s" vor der Weltwirtschaftskrise. Bereits im Februar hatten nervöse Börsenreaktionen auf ein düsteres KI-Szenario darauf hingedeutet, dass die Stimmung an den Märkten fragil ist. Auch der Internationale Währungsfonds und die Bank of England warnten bereits vor einer gefährlichen Überbewertung im KI-Sektor. Kreislauffinanzierung und undurchsichtige Deals Weiterlesen nach der Anzeige Besonders brisant sind die Strukturen, mit denen der Boom finanziert wird. Die BIZ beschreibt ein System sogenannter "Circular-Financing"-Konstruktionen, heißt es etwa bei Bloomberg: Chiphersteller und Hyperscaler beteiligen sich an KI-Labors oder Neocloud-Anbietern, die sich im Gegenzug zu mehrjährigen Abnahmeverträgen für Chips oder Rechenleistung verpflichten. Rechenzentren werden demnach an Dritte ausgelagert, die sie über langfristige Verträge mit Ausstiegsklauseln an die Hyperscaler zurückvermieten. Die Vertragsbedingungen solcher Deals würden "unzureichend offengelegt", warnt die BIZ. Und dadurch steigt das Risiko, dass ein und dieselbe Anlage mehrfach verpfändet werde. Private Kreditfonds, die hier wie ein Schattenbankensystem fungieren, sind in diesem wirtschaftlichen Ökosystem zu zentralen Finanziers geworden. Doch dort zeigen sich laut dem BIZ-Bericht "bereits Anzeichen von Stress". Konkret: Fonds werden mit Rücknahmeanträgen überhäuft und mussten teilweise Auszahlungen sperren. Eine Dynamik, die an die bedenklichen Geldkreisläufe erinnert, vor denen Experten schon länger warnen. 8 Billionen Dollar Investitionen, kaum Rendite in Sicht Im historischen Vergleich schlägt der aktuelle KI-Boom jede Dimension. IBM-Chef Arvind Krishna rechnete bereits Ende 2025 vor, dass weltweit rund 100 Gigawatt an KI-Rechenzentrums-Kapazität angekündigt seien. Notwendig seien dafür etwa Investitionen von rund 8 Billionen Dollar. Wenn dies zum großen Teil über Kredite finanziert wird, wären rund 800 Milliarden Dollar Gewinn im Jahr notwendig, um einmal die Zinsen zu zahlen und noch eine leichte Rendite zu erwirtschaften. Fraglich ist hier, ob Kunden auch künftig bereit sind, massiv Geld für KI-Produkte zu zahlen. Schon heute übersteigen die Compute-Kosten in KI-Teams längst die Personalkosten, wie aktuelle Analysen zu den explodierenden Infrastrukturausgaben zeigen: OpenAI gibt allein 2026 rund 50 Milliarden Dollar für Rechenleistung aus. Die BIZ warnt zudem vor handfesten Engpässen: Kapazitätsgrenzen bei Rechenzentren und eine Verknappung des Chip-Angebots könnten den Boom zusätzlich gefährden. Laut einem Bericht der Financial Times habe Google bereits die Nutzung seiner Gemini-KI durch Meta begrenzt, weil die Kapazitäten nicht ausreichten. Die WTO warnte im März ebenfalls, dass der Energiehunger der KI-Infrastruktur zur Achillesferse des Welthandels werden könnte. Staatsschulden und Hedgefonds als Brandbeschleuniger Die KI-Risiken treffen auf ein ohnehin fragiles Umfeld. Hochverschuldete Staaten hätten es versäumt, ihre Finanzen in Wachstumsphasen zu konsolidieren, kritisiert die BIZ. Ein möglicher Zahlungsausfall trifft dann auf Hedgefonds, die in den vergangenen Jahren nicht nur als Käufer von Staatsanleihen an Bedeutung gewonnen haben, sondern die auch "hochgradig fremdfinanzierte Strategien" verfolgen, wie Bloomberg betont. Und das alles auf Basis kurzfristiger Finanzierung. Das Risiko von Notverkäufen und sich selbst verstärkenden Abwärtsspiralen sei erheblich. An den Märkten macht sich die Nervosität bereits bemerkbar: Der Nasdaq gab zuletzt um bis zu 1,3 Prozent nach, nachdem Apple höhere Preise wegen steigender Chipkosten angekündigt hatte. Südkoreas Blue-Chip-Index schwankte an einem Tag um mehr als 10 Prozent. Selbst der SpaceX-Börsengang mit einer IPO-Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar endete ernüchternd – die Aktie fiel um 25 Prozent vom Höchststand. De Cos' Appell an die Zentralbanken fiel entsprechend deutlich aus: Geldpolitische Disziplin bleibe unerlässlich. Die Verantwortlichen sollten sich "nicht scheuen", bei Bedarf die Zinsen anzuheben – auch wenn das kurzfristig Wachstum koste. Eine Neubewertung der Risiken, ob durch höhere Zinsen oder einen KI-Einbruch ausgelöst, könne "ähnlich disruptive Auswirkungen haben wie die globale Finanzkrise von 2008".