Black Spark: Untergrundgruppe unterstützt Ukraine bei Angriffen in Russland
Untergrundarmee "Black Spark" in Russland "Es reicht nicht, Putin zu stürzen" Von t-online, pri 14.08.2026 - 11:34 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! "Black Spark" – Schwarzer Funke – heißt ein Partisanennetzwerk, das für die Ukraine tief im russischen Hinterland arbeitetet. Das Ziel: Putins Sturz und ein demokratisches Russland. Igor Wolubujew lässt keinen Zweifel an seiner Motivation. "Ich will meine russische Vergangenheit abwaschen", so Wolobujew. Geboren wurde der einstige Manager der russischen Gazprombank 1971 in der Ukraine, mehr als drei Jahrzehnte Jahr lang machte er in der russischen Wirtschaft Karriere, nach dem Angriffskrieg des russischen Staatschefs Wladimir Putin 2022 war für Wolobujew Schluss: "Ich konnte nicht einfach zusehen, was Putin mit meiner Heimat macht." Der Ex-Manager floh aus Putins Reich und unterstützte die Ukraine an verschiedenen Stellen im Krieg gegen Russland. Seit Mai dieses Jahres hat Wolobujew einen neuen Auftrag. Der PR-Spezialist ist so etwas wie der Exil-Sprecher des russischen Untergrundnetzwerks "Black Spark" – Schwarzer Funke. Die Gruppe unterstützt die Ukraine im russischen Hinterland durch Sabotageakte und Vorbereitungen für ukrainische Drohnenangriffe in Russland. Nach eigenen Angaben war "Black Spark" an mindestens sieben Angriffen auf russische Ölraffinerien beteiligt. Nun geht die Partisanengruppe an die breite Öffentlichkeit. Wolobujew gab dem russischen Dienst der BBC ein langes Interview. Über seine Mission sagte er nur: "Ich mache kein Geheimnis daraus: Sie wollten tatsächlich jemanden, der bereits über einen gewissen Bekanntheitsgrad und einen guten Ruf verfügte, um in ihrem Namen zu sprechen – damit die Leute ihnen Vertrauen entgegenbringen." Was über die geheime Untergrundgruppe "Black Spark" bekannt ist, lesen Sie hier. Der Schwarze Funke in Putins Russland "Black Spark" ging im November 2025 mit einem eigenen Account im Onlinekanal Telegram an die Öffentlichkeit. Der Name bezieht sich auf ein Zitat des russischen Revolutionärs Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924): "Aus einem Funken wird eine Flamme werden." Die Bezeichnung des Untergrundnetzwerks hat aber auch eine andere Bedeutung. "Warum kommt das Wort 'Schwarz' im Namen der Bewegung vor? Weil sie meint, dass eine der Hauptaufgaben darin besteht, Russlands Ölindustrie – die 'Lebensader' von Putins Regime – zu treffen", erläuterte Wolobujew der BBC. "Black Spark" betont, dass es Kontakt zu ukrainischen Stellen habe, aber vollkommen eigenständig agiere. Ein Erfolg der Ukraine ist auch den Zielen der Untergrundgruppe nützlich. "Putins Terror hat unseren Glauben an den Dialog zerstört. Wir haben erkannt, dass der Gerechtigkeit unter einer Diktatur keine andere Wahl bleibt, als Molotowcocktails zu nutzen." Sprich: offene Gewalt. "Wir sind russische Bürger, die stets in Russland bleiben, und wir haben den Ansatz gewählt, den wir für den einzigen effektiven gegen Putins Regime halten – bewaffneter Widerstand", heißt es in einer Erklärung auf der Plattform X. Die Gruppe versteht sich laut ihrem Gründungsmanifest als "wahre Elite" und rekrutiert sich stark aus ehemaligen Managern, die die Hoffnung hatten, über Wirtschaftsreformen auch die Demokratie nach Russland zu bringen. Nun heißt es im Manifest von "Black Spark": "Putins Terror hat unser Vertrauen in den Dialog zerstört." Und: "Es reicht nicht aus, Putin zu stürzen. Das Imperium – Russlands größter Fluch – muss fallen." Die Anschläge des Untergrundnetzwerks "Black Spark" setzt auf die gezielte Sabotage im russischen Hinterland. Erstmals machte die Gruppe im November 2025 den Anschlag auf ein russisches Raketenabschusssystem vom Typ Iskander öffentlich. Seither nimmt die Zahl der Attacken zu. "Black Spark" operiert dabei nach eigenen Angaben selbst im russischen Hinterland oder versorgt die Ukraine mit wichtigen Daten für gezielte Drohnenangriffe. So "infiltrierte" das Netzwerk nach eigenen Angaben die Herstellung russischer Drohnen vom Typ Geran-2 und Geran-3 in einer Fabrik in Jelabuga in der Sonderwirtschaftszone Alabuge in Tatarstan. Laut ukrainischen Angaben dauerte die "Undercover-Vorbereitung mehrere Monate". Die Gruppe habe zudem wichtige Konstruktionsdaten von den Servern der Waffenfabrik abgezogen. Zudem sicherte sich "Black Spark" die Namen aller Beschäftigten der Fabrik, darunter auch 15-jährige Kinder. Im Interview mit der BBC verweist Wolobujew auf einen Schwerpunkt der Gruppe: "Die Neutralisierung der Öleinnahmen des Kremls ist eine unserer Prioritäten. Dank unserer gemeinsamen Bemühungen mit ukrainischen Spezialkräften haben wir bereits sieben von Putins großen Ölförderanlagen ausgeschaltet", teilte "Black Spark" auf X mit. Loading... Loading... Loading... Sprecher Igor Wolobujew sagt über die Bedeutung der Widerstandsgruppe: "Warum werden die Partisanen überhaupt gebraucht? Sie können infiltrieren und ukrainischen Stellen mitteilen, dass zum Beispiel eine bestimmte Anlage wie eine Raffinerie getroffen wurde und an einer anderen Stelle vielleicht noch auf eine bestimmte Weise endgültig zerstört werden muss." Die Mission des Sprechers Igor Wolobujew hatte nach eigenen Angaben darauf gehofft, das russische System von innen heraus reformieren zu können. Doch der Zeitung "Moscow Times" sagte er: "Die Russen töteten meinen Vater, meine Bekannten und engen Freunde." In der BBC erklärte er zudem die Hintergründe für die jüngste PR-Offensive. "Viele Menschen glauben gar nicht, dass es solche Organisationen überhaupt gibt. Und deshalb brauchten sie jemanden, der seinen Ruf in die Waagschale warf und mit seinem Namen dafür einstand." Nach eigenen Angaben lief der Kontakt zu "Black Spark" zunächst über geheime Kanäle. Später habe er festgestellt, dass er viele der "Black Spark"-Widerständler aus seiner Zeit in der russischen Wirtschaft kannte. Wolobujew sagte über sein Engagement: "Ich hätte das nicht getan, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass dies eine echte Kraft gegen Putin ist." Bilanz: Die russische Opposition macht mobil An der direkten Front ist Putins Angriffskrieg weitgehend zum Stillstand gekommen. Nun weitet sich der Krieg aus auf das Hinterland, die Energieinfrastruktur und zivile Ziele – mit Folgen nicht nur für die breite Bevölkerung in Russland und der Ukraine. Die UN-Ernährungsorganisation FAO warnte jetzt angesichts der Blockade von Getreideschiffen im Schwarzen Meer vor weltweit steigenden Lebensmittelpreisen. Die Folgen des Krieges greifen längst auf andere Regionen über. Doch der russische Staatschef Wladimir Putin zeigt weiter keine Bereitschaft, sich auf Gespräche über einen Waffenstillstand einzulassen. "Black Spark" zeigt nun, dass die Unterstützung für Putin und sein System auch in Russland zu bröckeln scheint. Und es eine Zukunft nach Putin gibt. Von einem "freien, demokratischen, friedlichen und entwickelten Russland" spricht "Black Spark" in seinem Gründungsmanifest und ruft auch andere zum Widerstand auf: "Wenn Sie nicht länger tatenlos zusehen wollen, wie die Machthaber Verbrechen begehen und Hunderttausende Ihrer Landsleute ums Leben kommen, dann sind Sie hier genau richtig", so die Gruppe. Und die Rolle von Igor Wolobujew? Der Sprecher im ukrainischen Exil sieht sich als "lebenden Beweis" für die Existenz der Gruppe. Der BBC sagte er: "Wenn ich für 'Black Spark' bürge, bedeutet das, dass die Gruppe sauber ist. Das ist kein Projekt des [russischen Geheimdienstes] FSB. Ich habe meinen Namen dafür hergegeben. Wenn etwas passiert, bin ich derjenige, der dafür geradestehen muss."