Blaue Welle bleibt aus - doch hier schnitt die AfD bei der Kommunalwahl in Niedersachsen besonders stark ab
Startseite
Politik
Blaue Welle bleibt aus – doch hier schnitt die AfD bei der Kommunalwahl in Niedersachsen besonders stark ab
Von: Andreas Schmid
Uns auf Google folgen
Niedersachsen hat gewählt – und die AfD ihr Ziel verpasst. Dennoch wurde die Rechtsaußenpartei in mehreren Orten stärkste Kraft, wie unsere interaktive Wahlkarte zeigt.
Wir wollen unser Ergebnis vervierfachen. So das ambitionierte Ziel der AfD für die Kommunalwahl in Niedersachsen. Nach dem vorläufigen Endergebnis hat sie das zwar nicht geschafft – aber dennoch deutlich zugelegt. Die AfD kommt demnach auf 15,9 Prozent auf Kreisebene, hat somit 11,3 Prozentpunkte mehr als noch 2021 und landete hinter CDU und SPD auf Platz drei. Einen AfD-Bürgermeister wird es vorerst jedoch nicht geben. Die Rechtsaußenpartei schaffte es aber in mehrere Stichwahlen, wie ein Blick in unsere interaktive Wahlkarte zur Kommunalwahl in Niedersachsen zeigt.
Das niedersachsenweit beste AfD-Ergebnis auf Bürgermeisterebene gibt es in Bockenem im Landkreis Hildesheim. Hier holte die AfD 28,2 Prozent, landete damit hinter einem unabhängigen Kandidaten (37,8 Prozent) und geht in zwei Wochen in die Stichwahl. Zudem ist sie zweitstärkste Kraft im Gemeinderat (28,5 Prozent). Das ist sie auch in der Gemeinde Wesendorf im Landkreis Gifhorn, wo die AfD mit 29 Prozent ihr bestes Ergebnis auf Ratsebene einfahren konnte. Mehr als ein Viertel der Stimmen gab es auch in der ostfriesischen Gemeinde Südbrookmerland. 26,4 Prozent reichten in einem Zweierduell aber nicht. Ein unabhängiger Herausforderer vereinte 73,6 Prozent der Stimmen auf sich. Selbiges gilt für die Samtgemeinde Brome, Landkreis Gifhorn, wo die AfD in einem Zweierduell bei klarem SPD-Sieg auf 26,5 Prozent der Stimmen kam.
Kommunalwahl in Niedersachsen: AfD wird stärkste Kraft in Salzgitter und schafft es in die Stichwahl
In die Stichwahl schaffte es die AfD dafür in Munster im Heidekreis. 20,7 Prozent reichten für Platz zwei hinter einer unabhängigen Kandidatin, die mit 48,1 Prozent die absolute Mehrheit knapp verfehlte, aber als klare Favoritin in die Stichwahl in zwei Wochen geht. Munster kann dennoch als eine der AfD-Hochburgen Niedersachsens bezeichnet werden. Mit 25,2 Prozent wurde die AfD stärkste Kraft in der Stadt, die vor allem für ihren Bundeswehrstandort bekannt ist. Bezogen auf die Zahl der dort stationierten Soldaten ist Munster der größte Standort des deutschen Heeres.
Besonders stark ist die AfD auch in Salzgitter, Industriestadt mit Standort des börsennotierten Stahlunternehmens Salzgitter AG. Hier schaffte es die AfD in die Stichwahl. Die Kandidatin Patricia Mair erhielt gut ein Viertel aller Stimmen (25,7 Prozent) und landete damit auf Platz 2 hinter dem amtierenden CDU-Bürgermeister Frank Klingebiel (45,6 Prozent). Bei der Wahl zum Stadtrat von Salzgitter triumphierte die AfD gar, erhielt mit 27,39 Prozent die meisten Stimmen und ist damit mit 13 Sitzen stärkste Fraktion.
Bei den Landratswahlen schaffte es die AfD nirgendwo in die Stichwahl, landete in Cloppenburg aber auf Rang zwei (23,1 Prozent). Der CDU-Kandidat sicherte sich aber mit 52,6 Prozent der Stimmen den Sieg im ersten Wahldurchgang. Auch in Stade (nur zwei Kandidaten) und Wittmund (drei) belegte die AfD den zweiten Platz bei der Landratswahl.
Wie sind diese Ergebnisse nun einzuordnen? „Ich glaube, wir erleben allgemein eine Politisierung. Die Ergebnisse bei der Wahl in Niedersachsen werden wahrscheinlich auch eine Reaktion auf die Erfahrung in Sachsen-Anhalt sein“, sagte der Politologe Christian Martin unserer Redaktion früh am Wahlabend. „Eine Stimmung im Land schlägt auch auf kommunalpolitische Entscheidungen durch, vor allem, wenn eine Wahl so zwischen Landtagswahlen eingeklemmt ist.“
Der Professor der Uni Kiel verwies auf einen weiteren Effekt: „Teilweise gibt es sehr lange historische Kontinuitätslinien“, sagte er. So seien etwa in der Region Gifhorn schon die Wahlergebnisse der NSDAP in den frühen 1930er-Jahren außergewöhnlich hoch ausgefallen. „Das muss nicht kausal ursächlich sein. Aber das ist ein Muster, das wir immer wieder sehen.“ (Datenquellen: Kommunen, eigene Recherchen und Berechnungen)