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Blue-Sänger Lee Ryan gesteht BILD: „Verliere manchmal die Kontrolle“

Unterhaltung

TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Hockenheim – Einmal noch aufgeregt kreischen wie Teenies. Nochmal die Songs hören, zu denen man das erste Mal geknutscht hat. Bei dieser Band funktioniert das hervorragend. Denn „Blue“ waren schon 2001 ein Pop-Knaller. Damals wurde die Band bereits mit ihrer ersten Single weltbekannt. „All Rise“ ist heute, 25 Jahre später, immer noch ein Hit und die Fans von damals, aber auch Millionen neue, jubeln Lee Ryan (43) und seinen Kollegen weiterhin frenetisch zu. Deshalb geht die Band nun auch auf Jubiläumstour – zuerst spielt sie aber beim „Glücksgefühle“-Festival. BILD überträgt Deutschlands größtes Mainstream-Festival am 4. und 5. September live vom Hockenheim-Ring. Vor diesem Mega-Auftritt traf sich Lee Ryan mit BILD zum Interview. Dabei gab sich der Sänger so offen wie selten und sprach über die Schattenseiten seines Ruhms und über seine psychische Diagnose. Er berichtete von Fehlern und verriet, warum Vatersein für ihn heute mehr bedeutet als jeder Karriereerfolg. Lee Ryan hat sechs Kinder. BILD: Lee, wir wollen über psychische Gesundheit sprechen. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig? Lee Ryan: „Weil es mich heute viel mehr betrifft, als ich früher gedacht hätte. Vor etwa drei Jahren wurde bei mir Autismus diagnostiziert. Ich spreche nicht oft darüber, weil ich es selbst noch nicht komplett verstehe. Für mich ist mein Verhalten normal. Erst wenn andere sagen: Ja, genau so bist du, merke ich, dass ich manche Dinge ganz anders wahrnehme. Ich frage Menschen manchmal sogar, wie ich eigentlich auf sie wirke, damit ich mich selbst besser verstehe.“ Hat die Diagnose Ihren Alltag verändert? „Sie hat mir erklärt, warum ich in manchen Dingen außergewöhnlich gut bin und in anderen große Schwierigkeiten habe. Im Studio arbeite ich extrem schnell. Songs, Texte, Melodien – das passiert bei mir manchmal innerhalb weniger Minuten. Andere Musiker haben mir gesagt, sie hätten noch nie jemanden erlebt, der so schnell schreibt. Auf der anderen Seite habe ich sensorische Probleme. Manche Reize überfordern mich komplett. Ich werde schnell ungeduldig und ich verliere manchmal die Kontrolle oder unterbreche Menschen im Gespräch, obwohl ich das gar nicht möchte.“ Als Sie mit Ihrer Band Blue Anfang der 2000er Jahre berühmt wurden, sprach kaum jemand über psychische Gesundheit. Wie blicken Sie heute auf diese Zeit zurück? „Das Schwierigste war, Fehler zu machen. Jeder macht Fehler – so lernt man schließlich. Aber damals war die Öffentlichkeit gnadenlos. Man wurde immer wieder auf seine schlimmsten Momente reduziert. Ohne Fehler entwickelt sich niemand weiter. Ich glaube, vieles hat sich inzwischen verändert. Früher wurden Menschen von Medien regelrecht fertiggemacht. Heute gibt es hoffentlich mehr Bewusstsein dafür, welche Folgen das haben kann.“ Wenn Sie Ihrem 20-jährigen Ich begegnen könnten – was würden Sie ihm sagen? (Lacht.) „ Ehrlich? Ich würde ihm zuerst eine Ohrfeige geben und dann wieder gehen. Natürlich fragt man sich manchmal, was man anders gemacht hätte. Aber dann denke ich an den Butterfly-Effekt. Vielleicht hätte ich dann heute nicht meine Frau oder meine Kinder. Alles, was passiert ist, hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin – und ich bin so glücklich wie nie zuvor. Deshalb würde ich letztlich nichts verändern.“ Ist es für Männer schwieriger, über psychische Probleme zu sprechen? „Ja, ich glaube schon. Viele Männer haben das Gefühl, Schwäche zeigen sei keine Option. Mir geht es genauso. Ich möchte nicht, dass meine Frau denkt, ich würde auseinanderbrechen. Natürlich merkt sie trotzdem, wenn es mir nicht gut geht. Für mich gehört zu meiner Rolle als Ehemann auch, Sicherheit auszustrahlen. Das macht es manchmal schwer, offen über die eigenen Kämpfe zu sprechen.“ Sind Sie mit den Jahren nachsichtiger mit sich selbst geworden? „Nein. Ich möchte einfach immer eine bessere Version von mir sein. Ich mache noch immer Fehler. Aber wenn zwischen zwei Fehlern immer mehr Zeit vergeht, weiß ich, dass ich Fortschritte mache. Ich bin meinen Fehlern sogar dankbar. Aus Erfolgen lernt man viel weniger. Fehler haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“ Sie sind Vater. Hat das Ihre Definition von Erfolg verändert? „Komplett. Im Vergleich dazu ist beruflicher Erfolg fast bedeutungslos. Erfolg ist für mich keine Rolex oder irgendein Statussymbol. Mein größter Erfolg ist, dass ich einige meiner eigenen Dämonen besiegt habe und dadurch ein besserer Mensch geworden bin. Erst dadurch konnte ich auch ein besserer Vater werden. Ich liebe es, Vater zu sein. Wenn ich arbeite, komme ich danach direkt nach Hause. Früher war das anders, heute möchte ich jede freie Minute mit meinen Kindern verbringen.“

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