Blutdruck mit Aspirin schnell senken? Mediziner warnt entschieden
KI-Stimme. Info Aspirin hilft bei Kopfschmerzen, entzündlichen Prozessen oder Fieber. Doch viele greifen auch zu dem Medikament, um etwas für ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit zu tun. Die weit verbreitete Annahme, dass eine tägliche Dosis schnell den Blutdruck senken kann, ist jedoch ein Irrglaube. Zwar ist die regelmäßige Einnahme des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure (ASS) für bestimmte Risikopatienten medizinisch indiziert, mit einer dauerhaften Anwendung sind jedoch auch ernste Nebenwirkungen verbunden. Das gilt besonders für Menschen mit Bluthochdruck. Aspirin gegen Herzinfarkt und Schlaganfall: Nur diese Gruppe profitiert Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) in Aspirin lindert Schmerzen, Entzündungen und Fieber, indem er Enzyme hemmt, die an der Bildung bestimmter Botenstoffe beteiligt sind. Unter diesen Enzymen ist auch eines, das für die Blutgerinnung verantwortlich ist: So sorgt Aspirin dafür, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) weniger verkleben und das Blut nicht mehr so schnell verklumpt. Bei einer Verletzung ist das ein Nachteil, weil es zu übermäßigen Blutungen kommen kann. Gleichzeitig sinkt durch die gehemmte Gerinnung das Risiko für ein Blutgerinnsel, das die Gefäße am Herzen oder im Gehirn verschließt. Für Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben, kann eine dauerhafte Einnahme von Aspirin als Schutzmaßnahme vor erneuten Gefäßverschlüssen sinnvoll sein, wie die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in ihren Leitlinien erklärt. Für gesunde Personen ohne Gefäßerkrankungen – selbst bei Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht – raten Fachgesellschaften wie die ESC von einer vorsorglichen Einnahme ab. Auch interessant: Herzinfarkt: Kardiologin erklärt, wie Sie einen zweiten Infarkt vermeiden Mit Aspirin den Blutdruck senken? Experte räumt mit Irrglauben auf Trotz seiner Wirkung auf die Blutgerinnung ist Aspirin kein Blutverdünner im eigentlichen Sinne und verändert nicht den Druck, mit dem Blut durch die Adern fließt. Der weit verbreitete Mythos, dass Acetylsalicylsäure die Durchblutung verbessert und sich positiv auf den Blutdruck auswirkt, ist falsch. Das sagt auch Marcus van der Giet, Facharzt für innere Medizin und Nephrologie an der Charité Berlin und Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga: „Aspirin hat keine Auswirkungen auf den Bluthochdruck und kann ihn auch nicht senken“, stellt der Experte klar. Auch interessant: Das Verbrauchermagazin IMTEST hat Blutdruckmessgeräte getestet. Dazu kommt, dass Aspirin und ASS gefäßerweiternde Botenstoffe sogar hemmen können. Sind die Gefäße enggestellt, steigt der Blutdruck an. Wer Aspirin als vermeintlichen Blutdrucksenker nutzt, erreicht unter Umständen das Gegenteil: Studien legen die Vermutung nahe, dass eine regelmäßige Einnahme den Blutdruck im schlimmsten Fall leicht anheben könnte. Das gilt auch für andere Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac. Lesen Sie auch Nebenwirkungen von Aspirin: Magenprobleme und Blutungen Wissenschaftlich belegt ist dagegen, dass Aspirin Nebenwirkungen haben kann. „Aspirin kann je nach Dosierung Magenprobleme verursachen“, so van der Giet. Dazu zählen Übelkeit, Sodbrennen und Durchfall. Zudem belastet die Kombination von hoch dosiertem ASS mit Entwässerungsmitteln die Nieren. Wer auch andere Medikamente einnimmt, sollte daher immer nur nach ärztlichem Rat zu Schmerzmitteln greifen. Bei längerer Anwendung drohen aufgrund der gerinnungshemmenden Wirkung auch Blutungen, vom leichten Nasenbluten bis hin zu schweren Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn. Darum empfehlen die Fachgesellschaften Aspirin als Mittel zur Prävention nur für Personen, bei denen der Nutzen – der Schutz vor einem drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall – die möglichen Nebenwirkungen übersteigt. Auch interessant: Nahrungsergänzung: Kann Magnesium den Blutdruck senken? Blutdruck senken mit Medikamenten und Lebensstiländerung Chronischer Bluthochdruck kann auf Dauer zu Gefäßverschlüssen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, wenn er unbehandelt bleibt. Im Gegensatz zu Schmerzmitteln gehören Blutdrucksenker zu den wirksamen und sicheren Mitteln gegen Bluthochdruck. Sie verhindern, dass Gefäße Schaden nehmen und durch Ablagerungen verstopfen. Bei leicht erhöhten Werten können natürliche Maßnahmen den Blutdruck senken, etwa regelmäßige Bewegung, ein Gewichtsverlust oder der Verzicht auf Rauchen und Alkohol. Gegen versteckten Bluthochdruck hilft nur eine Maßnahme, wie ein Experte erklärt. Einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Blutdruck ist die Ernährung, wobei Experten die sogenannte DASH-Diät empfehlen. Als ideal gilt unter anderem eine salzarme, ballaststoffreiche und pflanzliche Kost. Ein gesunder Lebensstil hilft langfristig dabei, viele Risikofaktoren für Bluthochdruck abzubauen. Medikamente, allen voran Schmerzmittel, können das nicht.