Bluthochdruck: Die stille Gefahr, die Millionen Menschen unterschätzen
Wer seinen Blutdruck misst, erhält immer zwei Zahlen, beispielsweise 128 zu 78 mmHg.
Der obere Wert beschreibt den Druck, wenn das Herz Blut in die Arterien pumpt. Der untere Wert entsteht in der Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens.
Der Blutdruck verändert sich natürlicherweise im Tagesverlauf. Beim Sport steigt er an, in Ruhe sinkt er normalerweise wieder. Entscheidend ist deshalb nicht jeder einzelne hohe Messwert, sondern ob der Blutdruck dauerhaft erhöht bleibt.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Ettehad et al., The Lancet, 2016
10 mmHg weniger – deutlich geringeres Risiko
Relative Risikoreduktion bei einer Senkung des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg
Die große Metaanalyse zeigt, wie wirksam Blutdrucksenkung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein kann.
Die Ergebnisse machen deutlich, weshalb Blutdruckkontrolle medizinisch so wichtig ist. Schon eine vergleichsweise kleine durchschnittliche Senkung kann auf Bevölkerungsebene viele schwere Erkrankungen verhindern.
Wann wird hoher Blutdruck zum Notfall?
Ein sehr hoher Wert, beispielsweise ab 180 mmHg systolisch oder 120 mmHg diastolisch, sollte nach einer ruhigen Kontrollmessung zeitnah medizinisch beurteilt werden.
Treten zusätzlich Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen, Sprachstörungen oder andere Zeichen einer akuten Organschädigung auf, muss sofort die 112 gewählt werden. Ohne solche Warnzeichen kann die ärztliche Abklärung über die Praxis oder den Bereitschaftsdienst unter 116117 erfolgen.
Das können Sie ab heute tun
Wer seinen Blutdruck nicht kennt, sollte ihn messen lassen. Wer erhöhte Werte feststellt, sollte diese dokumentieren und ärztlich besprechen. Wer bereits behandelt wird, sollte seine Medikamente regelmäßig einnehmen und Kontrolltermine wahrnehmen.
Die zentrale Erkenntnis des Eppinger Fachvortrags: Bluthochdruck ist häufig, gefährlich und zugleich sehr gut behandelbar.
Wissenschaftliche Grundlagen: ESC-Leitlinie Bluthochdruck 2024; Ettehad et al., The Lancet 2016.
Dr. med. Pirmin Hofstetter
Experte für Bluthochdruck
Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin
Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) Eppingen
Dr. med. Pirmin Hofstetter ist Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzqualifikation Notfallmedizin und am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Eppingen hausärztlich tätig. Er verfügt über klinische Erfahrung und engagiert sich darüber hinaus in regionalen medizinischen Netzwerken.
Beim Eppinger Gesundheitsabend erklärte er, warum Bluthochdruck zu den häufigsten und zugleich am meisten unterschätzten Gesundheitsrisiken zählt. Sein Schwerpunkt lag auf der Früherkennung, der richtigen Blutdruckmessung und den Möglichkeiten, schwerwiegende Folgeerkrankungen zu verhindern.
Seine zentrale Botschaft: Bluthochdruck verursacht häufig keine Beschwerden. Wer seine Werte regelmäßig kontrolliert und erhöhte Werte rechtzeitig behandeln lässt, kann sein Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Organschäden deutlich reduzieren.