Bluttest erkennt Pankreaskrebs schon im Frühstadium
Früher statt zu spät: Ein neuer Bluttest hat in einer internationalen Studie 86,8 Prozent der Pankreaskarzinome im Stadium I oder II erkannt. PANXEON kombiniert eine Signatur aus zehn microRNAs mit dem Tumormarker CA19-9, lieferte bei Menschen mit niedrigem Risiko nur wenige Fehlalarme und erkannte auch einen Teil gefährlicher Krebsvorstufen.
Los Angeles (U.S.A.). Pankreaskrebs bleibt lange unbemerkt und wird deshalb häufig erst entdeckt, wenn er bereits fortgeschritten ist. Eine frühere Diagnose könnte die Chancen erhöhen, den Tumor noch in einem behandelbaren Stadium zu finden. Ein Bluttest wäre dafür besonders interessant, wenn er Menschen mit erhöhtem Risiko für weitere Untersuchungen herausfiltern könnte.
Bluttest kombiniert elf Messgrößen
Forscher des Beckman Research Institute of City of Hope (BRI) um Dr. Ajay Goel haben nun PANXEON in einer prospektiven, internationalen Multicenter-Beobachtungsstudie geprüft. Insgesamt nahmen 1.785 Menschen mit und ohne duktales Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse aus vier Ländern teil.
Der Test erfasst eine Signatur aus zehn microRNAs, also kurzen nicht-kodierenden RNA-Molekülen, und verbindet sie mit dem etablierten Tumormarker CA19-9 zu einem gemeinsamen Risikowert. Die Kombination soll mehr krankheitsbezogene Information liefern als ein einzelner Marker.
„Die meisten Biomarker erzählen nur einen Teil der Geschichte. Wenn wir mehrere biologische Signale kombinieren, erhalten wir ein klareres Bild davon, was in der Bauchspeicheldrüse vor sich gehen könnte“, erklärt Dr. Ajay Goel.
Die microRNA-Signatur allein erreichte in der Testkohorte eine Fläche unter der ROC-Kurve von 88,6 Prozent. Dieser Kennwert beschreibt, wie gut ein Verfahren Erkrankte und Nicht-Erkrankte über verschiedene Schwellenwerte hinweg voneinander unterscheiden kann. Für Pankreaskrebs im Frühstadium lag die Sensitivität der Signatur bei 83,8 Prozent.
86,8 Prozent der frühen Fälle erkannt
In Kombination mit CA19-9 erkannte PANXEON 86,8 Prozent der Tumoren im Stadium I oder II. Gleichzeitig schlug der Test bei 3,2 Prozent der Kontrollpersonen mit niedrigem Risiko fälschlicherweise positiv an. In der Hochrisikogruppe lag diese Falsch-positiv-Rate mit 15,6 Prozent deutlich höher.
Zusätzlich erfasste PANXEON bei Menschen mit Hochrisiko-Zysten der Bauchspeicheldrüse in 64,3 Prozent der Fälle eine hochgradige Dysplasie. Dabei handelt es sich um stark verändertes Gewebe, aus dem sich ein invasiver Tumor entwickeln kann. Ein solcher Hinweis könnte künftig helfen, Zysten genauer nach ihrem Risiko einzuordnen und Betroffene gezielter zu überwachen.
„Pankreaskrebs bleibt vor allem deshalb so tödlich, weil wir ihn entdecken, wenn sich das Zeitfenster für eine Heilung bereits zu schließen beginnt. Für Patienten bedeuten diese Ergebnisse einen Fortschritt auf dem Weg, Pankreaskrebs zu finden, bevor Symptome auftreten und solange noch mehr Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen“, sagt Dr. Ajay Goel.
Auch für die Verlaufskontrolle interessant
Eine kleine Zusatzanalyse deutet außerdem auf eine mögliche Rolle bei der Verlaufskontrolle hin. Bei 19 Patienten sank die microRNA-Signatur während einer Chemotherapie vor der Operation und nach dem Eingriff. Vor einem erneuten Auftreten der Erkrankung stiegen die Werte wieder an. Wegen der geringen Zahl der untersuchten Patienten lässt sich daraus jedoch noch keine verlässliche Anwendung für die Nachsorge ableiten.
Kein Ersatz für die Bildgebung
PANXEON ist bislang ein experimenteller Test. Nach Angaben der Forscher soll er bildgebende Verfahren und andere diagnostische Untersuchungen nicht ersetzen, sondern Menschen mit erhöhtem Risiko identifizieren, bei denen eine genauere Abklärung sinnvoll ist. Dazu könnten etwa Personen mit erblichem Risiko, familiärer Vorbelastung, Pankreaszysten oder chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung gehören.
Die Studie liefert damit einen belastbaren Hinweis darauf, dass die Kombination verschiedener Biomarker frühe Pankreaskarzinome erkennen kann. Zugleich zeigen die höheren Fehlalarmraten in der Hochrisikogruppe und die noch offene klinische Einordnung, dass weitere große prospektive Studien nötig sind, bevor sich beurteilen lässt, wie PANXEON in die Überwachung und Diagnostik von Risikopatienten eingebunden werden sollte. Ajay Goel ist bezahlter Berater von Biocartis, das eine Option zum Erwerb der Rechte an PANXEON besitzt.
„Eine Verschiebung hin zu früheren Stadien ist nicht nur eine Statistik. Je früher wir Pankreaskrebs finden, desto größer ist die Chance, dass eine wirksame Behandlung noch möglich ist“, sagt Dr. Ajay Goel.
Quellen:
Originalstudie im Fachmagazin Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-026-04625-x
Offizielle Studienmitteilung von City of Hope
18. September 2026 - Clara Lyu
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