BMW baut 8000 Stellen ab
tz München Stadt Massiver Stellenabbau bei BMW: Stellenstreichungen und Abfindungen treffen München besonders hart Von: Andreas Höß Uns auf Google folgen 8000 Stellen gestrichen, 50.000 Abfindungsangebote: BMW baut weltweit rund fünf Prozent seiner Jobs ab. Warum es München wohl besonders hart trifft. München – Bis vor Kurzem herrschte mit der Vorstellung der Neuen Klasse bei BMW Partystimmung, nun trifft es auch den Münchner Hersteller hart: Nach Volkswagen, Audi, Porsche und Mercedes baut auch BMW im großen Stil Stellen ab. Das teilten Konzernchef Milan Nedeljković und Betriebsratschef Martin Kimmich den Mitarbeitern am Mittwochvormittag, 29. Juli, in einer Informationsveranstaltung in München mit, die in alle anderen deutschen Werke übertragen wurde. Kahlschlag in Deutschland: 50.000 der 84.000 deutschen Mitarbeiter erhalten Abfindungsangebot Laut Unternehmenskreisen sollen weltweit 8000 Stellen betroffen sein. Das wären rund fünf Prozent der aktuell etwa 154.000 Mitarbeiter von BMW weltweit. Betriebsbedingte Kündigungen soll es demnach nicht geben. Stattdessen setzt der Autobauer auf das größte Freiwilligenprogramm der Konzerngeschichte. Rund 50.000 der 84.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von BMW in Deutschland werden demnach ein Abfindungsangebot auf den Tisch bekommen. Das Freiwilligenprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 gelten. Daneben werden auch über Verrentungen, auslaufende Verträge und natürliche Fluktuation Jobs wegfallen, indem Stellen nicht nachbesetzt werden. Kahlschlag bei BMW: Traditionsreicher Stammsitz in München wohl besonders betroffen Besonders betroffen sind offenbar deutsche Standorte wie Dingolfing, Regensburg oder Leipzig – und vor allem der traditionsreiche Stammsitz in München, wo Tausende Menschen in Verwaltung und Entwicklung beschäftigt sind. Allein im Forschungs- und Entwicklungszentrum FIZ in München arbeiten rund 25.000 Entwickler, Ingenieure, Designer und Betriebswirte. Hinzu kommen viele Verwaltungsjobs im BMW-Hochhaus sowie an anderen Standorten in der Landeshauptstadt und in Bayern. In diesen Bereichen soll der größte Teil der Stellen gestrichen werden. In der Produktion gibt es laut Insidern dagegen offenbar keinen Abbau. Für Beschäftigte in den ausländischen Werken wie in Spartanburg in den USA, Shenyang in China oder San Luis Potosi in Mexiko gilt das Freiwilligenprogramm nicht, doch auch dort könnten Stellen wegfallen. Wie hoch die Abfindungen ausfallen werden, ist unklar. In der Regel richten sie sich nach der Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen und der Höhe des Gehalts. Mercedes bot laut Medienberichten in einem ähnlichen Programm langjährigen Mitarbeitern mit Führungserfahrung bis zu 500.000 Euro Prämie für den Abgang. Dort erhielten 40.000 Mitarbeiter ein Angebot, bis ins Frühjahr sollen 5500 von ihnen die Abfindung angenommen haben. Die hohe Zahl der Abfindungsangebote für deutsche BMW-Beschäftigte erklären Konzern-Insider wie folgt: Man habe keine schwarzen Listen mit Streichkandidaten erstellen wollen und mache deshalb allen deutschen Beschäftigten außerhalb der Produktion ein Abfindungsangebot. Im Gegenzug gelte weiter die in der Betriebsvereinbarung festgelegte unbefristete Beschäftigungssicherung. Das bedeutet: Betriebsbedingte Kündigungen und einen Kahlschlag wird es wohl nicht geben. Gebe es mehr Interessenten als Finanzrückstellungen für die Abfindungen gelte das Prinzip „first come, first serve“, in etwa: Wer zuerst kommt, malt zuerst. BMW kämpft mit Einbruch bei China-Geschäft BMW stellt am Donnerstag seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Es sind die ersten Quartalszahlen, die Milan Nedeljković als neuer BMW-Chef präsentieren wird. Erst Mitte Mai hatte er den Chefposten von Oliver Zipse übernommen, der noch mit einem soliden ersten Quartal verabschiedet wurde. Nach vielen guten Jahren trübt sich nun auch bei BMW die Lage ein. Vier Wochen nach Amtsantritt kassierte Nedeljković Mitte Juni Zipses Gewinnprognose für das laufende Jahr und stellte in einer Pflichtmitteilung an die Börse einen deutlichen Rückgang des Konzernergebnisses vor Steuern und ein Minus beim Autoabsatz in diesem Jahr in Aussicht. Schuld ist ein drastischer Einbruch des China-Geschäfts, wo der Automarkt um rund 20 Prozent zum Vorjahr kollabiert ist – ein Problem, mit dem auch andere deutsche Hersteller kämpfen. Der Volkswagen-Konzern lieferte in China beispielsweise im ersten Halbjahr ein Viertel weniger Autos aus als im Vorjahreszeitraum, bei Mercedes war es ein fast Drittel. Schon nach der Gewinnwarnung im Juni hatte Nedeljković den Konzern auf einen härteren Sparkurs eingestimmt. BMW werde angesichts der Probleme durch Iran-Krieg und China-Krise „Strukturen und Prozesse an die sich drastisch verschärfenden Marktbedingungen anpassen“, sagte er damals. „Unsere unternehmerische Verantwortung gebietet es deswegen, dass wir unsere laufenden Maßnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen.“ Abonnieren Sie meinen neuen Chefredakteurs-Newsletter und werden Sie zum Insider! Liebe Leserinnen, liebe Leser, als Chefredakteur von Münchner Merkur und tz treffe ich jede Woche Protagonisten aus Politik, Kultur und Co. und erfahre noch vor allen anderen spannende Geschichten aus der Region. Nicht jede davon schafft es in die Zeitung. Mit meinem neuen wöchentlichen Newsletter „Making of Merkur“ möchte ich Ihnen exklusive Einblicke gewähren – in unser wunderschönes Münchner Umland, aber vor allem auch in die Redaktion einer der größten Tageszeitungen Deutschlands. Den Newsletter können Sie nach kurzer Registrierung bei unserem kostenlosen Medien-Login USER.ID hier abonnieren. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind! Ihr Sebastian Arbinger Allerdings dürften die aktuellen China-Probleme nicht der einzige Grund für den nun angekündigten Jobabbau sein. Zum einen waren für die Entwicklungsarbeit für die Neue Klasse viele Entwickler und Arbeitskräfte nötig. Nun sind die ersten Modelle der nächsten Generation an Elektro-BMW auf dem Markt. Zum anderen fordern auch Automatisierung und Künstliche Intelligenz ihren Tribut. „Wir sehen schon, dass Automatisierung und Digitalisierung den Personalbedarf verändern“, hatte Personalchefin Ilka Horstmeier im Mai eingeräumt und auf den sinkenden Personalbestand hingewiesen. Ende August verlässt sie überraschend das Unternehmen. BMW hat als Nachfolgerin ab September Dorothea von Boxberg angeheuert, die bereits die Lufthansa-Tochter Lufthansa Cargo einen größeren Stellenabbau umgesetzt hat. Auch VW-Konzern und Mercedes streichen Stellen Verhandelt wurden die Rahmenbedingungen für den jetzigen BMW-Personalabbau im Vergleich zu manchen Konkurrenten relativ schnell und geräuschlos. So liefern sich bei Volkswagen Management und Betriebsrat seit Monaten einen öffentlichen Kampf. VW-Chef Oliver Blume will dort 100.000 Jobs streichen, mittelfristig wackeln bis zu vier Werke. Auch bei Mercedes gab es zuletzt viel Unmut. Dort forderte Konzernchef Ola Källenius, die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich von 35 auf 40 Stunden zu erhöhen, außerdem verlagert er einen Teil der Produktion von Deutschland nach Ungarn, wo die Produktionsfläche verdoppelt wurde. Für die verbleibenden BMW-Mitarbeiter seien im Zuge des vereinbarten Freiwilligenprogramms derzeit keine Einschnitte bei Gehalt oder Arbeitszeit geplant, betonten BMW-Unternehmenskreise. Ende 2024 hatten sich Konzern und Betriebsrat bereits darauf geeinigt, dass ab 2027 die Prämien für Dienstjubiläen gestrichen werden. Außerdem wurde das Weihnachtsgeld in den Jahren 2025 und 2026 auf 85 Prozent reduziert. Ab 2027 soll es laut der damaligen Vereinbarung wieder in voller Höhe ausgezahlt werden.