BMW nimmt Gehälter seiner Leistungsträger ins Visier
Startseite Wirtschaft Bis zu 14.000 Euro weniger: BMW dreht seinen Leistungsträgern den Geldhahn zu Von: Julia Hanigk Uns auf Google folgen BMW steckt in der Krise und reagiert mit Streichungen. Vor allem Verträge mit mehr Stunden und mehr Gehalt sind betroffen. Über 5000 Beschäftigte verlieren bis zu 14.000 Euro im Jahr. München – Der Münchner Autobauer BMW steckt in einer tiefen Ertragskrise. Wie die dpa berichtet, verzeichnete BMW im zweiten Quartal ein Minus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank von 34 auf 31 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis im Bereich Automobile sackte laut dpa um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro – womit BMW im abgelaufenen Quartal mehr mit Finanzdienstleistungen verdiente als mit dem Bau von Autos. BMW plant daher, ab dem 1. April 2027 pauschal nur noch 35-Stunden-Verträge anzubieten – und nimmt damit gezielt jene ins Visier, die bisher freiwillig mehr gearbeitet und entsprechend mehr verdient haben. Das berichtet die WirtschaftsWoche unter Berufung auf BMW-Insider. Bei BMW gebe es demnach eine Konzernregelung, die es Fachkräften mit besonders gefragten Qualifikationen erlaube, ihre tarifliche Arbeitszeit freiwillig von 35 auf bis zu 40 Stunden pro Woche zu erhöhen. Wer das tue, bekomme entsprechend mehr Geld. Diese Verträge seien normalerweise auf zwei Jahre befristet und würden nach Ablauf verlängert. Doch diese Handhabe wolle BMW nun ändern. Statt die Verträge aktiv zu kündigen, lasse der Konzern sie auslaufen. Das Ergebnis ist dasselbe: Wer bisher 38 oder 40 Stunden gearbeitet hat, rutscht automatisch auf 35 Stunden zurück – laut Wirtschaftswoche käme es dabei zu Einbußen von bis zu 14.000 Euro Jahresgehalt. Mehr als 5000 Mitarbeiter sind betroffen, berichten die Stuttgarter Nachrichten – vor allem Spezialisten, die ihre Aufgaben in der regulären 35-Stunden-Woche gar nicht bewältigen können. BMW nimmt zweiten Anlauf mit Einsparungen bei Gehältern BMW hat diesen Weg schon einmal versucht. 2019 senkte der Konzern bei mehreren Tausend Mitarbeitern die Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden – der Betriebsrat protestierte scharf, berichtet die WirtschaftsWoche. Damals waren rund 6000 Beschäftigte betroffen, die Gehaltseinbußen lagen ebenfalls im Bereich von 10.000 bis 14.000 Euro pro Jahr. Insgesamt wollte BMW durch die Maßnahme knapp 100 Millionen Euro sparen. Doch der Plan ging nach hinten los: Die Mitarbeiter häuften massenhaft Überstunden an. 2021 ruderte BMW zurück und kündigte eine „generelle Rückkehr auf 40 Stunden“ an. BMW-Chef Milan Nedeljkovic, stellte die Belegschaft auf harte Zeiten ein: „Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu. Daher gilt es, schlank und agil zu sein.“ Finanzvorstand Walter Mertl ergänzte laut dpa: „Unser Ziel ist weniger Komplexität und eine niedrigere Kostenbasis.“ „BMW muss die Kosten senken“ – aber nicht in der Produktion Die Gehaltskürzungen bei den Leistungsträgern sind Teil eines umfassenderen Sparpakets. Rund 8000 Stellen in Verwaltung und Entwicklung sollen bis Ende 2027 wegfallen – bei insgesamt etwa 85.000 Beschäftigten in Deutschland, so die WirtschaftsWoche. Das Abfindungsprogramm startet im Oktober 2026 und läuft auf freiwilliger Basis. Die Produktion bleibt anders als bei Volkswagen, wo ganze Werke vor dem Aus stehen, vollständig unangetastet.