Bodensee-Besucherin ist überrascht, dass es einen „so schönen Ort überhaupt gibt“
Rund 75 Nobelpreisträger sowie 600 ausgewählte Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt kommen aktuell in Lindau zur 75. Nobelpreisträgertagung zusammen. Der Dienstagabend ist traditionsgemäß für das sogenannte „Grill & Chill“ im Toskanapark vorgesehen. Kein anderer Termin ermöglicht es, dass sowohl Lindauer als auch die Nachwuchswissenschaftler den Nobelpreisträgern und angesehenen Wissenschaftlern ganz nah und ins Gespräch kommen können. Manche junge Wissenschaftler geraten bei der Vorstellung, mit einem Laureaten zu reden, ins Schwärmen. Essensschlange als Kontaktquelle Nachdem jeder nach und nach durch die Sicherheitskontrollen durchgekommen war, strömten die meisten Leute erstmal zu den Essensständen, um sich für den langen Abend zu stärken. Das bietet für viele Besucher und Wissenschaftler bereits die Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen und schon in der Essensschlange mit anderen Wissenschaftlern, Lindauern, Besuchern oder sogar Nobelpreisträgern in Kontakt zu treten. Eine kleine Unterstützung bieten dabei die sogenannten Lanyards (zu Deutsch: Namensbänder). Wenn man weiß, welche Bandfarbe was bedeutet, wusste man auch gleichzeitig sofort, wer da eigentlich vor einem steht. Ein graues Band steht zum Beispiel für die zahlreichen Nachwuchswissenschaftler, grün für die Gastfamilien, die einige Nachwuchswissenschaftler bei sich aufgenommen haben, türkis tragen die Nobelpreisträger und lila sind Lindauer oder andere Besucher. Nobelpreisträger als „die Stars der Wissenschaft“ Besonders für die Nachwuchswissenschaftler ist diese einmalige Gelegenheit überwältigend. Einige davon haben zuvor noch nie etwas von Lindau gehört beziehungsweise wussten auch gar nicht, dass es einen „so schönen Ort überhaupt gibt“, sagt Cyndi Tabilo Arguto aus Chile. Für sie ist diese Möglichkeit etwas ganz Besonderes. „Wir können hier über die Wissenschaft reden und verschiedene Ansichten teilen“, sagt die junge Wissenschaftlerin. Aber auch das interdisziplinäre Treffen sei besonders. Genauso empfindet es auch Emily Anne Thompson aus New York. „Es macht so viel Spaß, über die Probleme dieser Welt zu reden. Wie zum Beispiel die Nuklearwissenschaft oder den Klimawandel“, sagt Thompson. Und alle würden dabei die gleiche Hingabe teilen. Das Highlight für sie: „Ich saß tatsächlich mit einem Nobelpreisträger in einer Konferenz“, erzählt sie. „Es ist überwältigend zu erleben, in einem Raum mit den renommierten Wissenschaftlern der Welt zu sitzen“, sagt Arguto. Das sei vergleichbar damit, wenn jeder andere plötzlich vor seinem Lieblingskünstler steht – sozusagen die „Stars der Wissenschaft“. „Was mich auch etwas überrascht hat: Die sind alle total freundlich und zuvorkommend“, erzählt sie. Auch Vinaya Siby (Indien), Alpha Renner (Deutschland) und Anushka Singh (Indien) sind bei der diesjährigen Nobelpreisträgertagung am Start. Renner erzählt, „dass diese Veranstaltung wirklich ein einmaliges Erlebnis ist“. In einem sehr strengen Auswahlverfahren haben nur sehr wenige junge Wissenschaftler die Möglichkeit, hier dabei zu sein. Es ist einfach ein toller „Vibe“ (ähnlich zu deutsch: Atmosphäre) hier. Renner ist zudem von dem Optimismus begeistert. „Es ist schön zu sehen, wie Leute hier an die Wissenschaft glauben. Das ist das, was uns alle zusammenbringt.“ Vinaya Siby bewundert die Leute vor Ort und lobt zudem die Bescheidenheit, die so manche Wissenschaftler an den Tag legen. „Das ist wirklich ein schöner Umgang“, sagt sie. Sie ist übrigens eine der jungen Wissenschaftler, die während der Tagung bei einer Gastfamilie in Wasserburg untergekommen ist. Viel Zeit, die Umgebung zu erkunden, hatte sie bislang aber nicht. „Der Terminkalender ist ziemlich überfüllt, da hatte ich noch keine Zeit“, sagt sie. Das werde sie aber noch nachholen, sollte sie noch Zeit haben. Anushka Singh findet den Aufbau der Tagung super. „Wir sind tatsächlich immer im tatsächlichen mit den anderen Wissenschaftlern und müssen uns nicht nur etwas anhören“, sagt sie. Man fühle sich hier sehr wohl. Ausklingen mit Gesprächen und Musik Oberbürgermeisterin Claudia Alfons und Kuratoriumspräsidentin Bettina Gräfin Bernadotte bedankten sich in ihren Reden bei den zahlreichen Gästen für ihr Erscheinen und wünschten ihnen einen schönen Abend. „Es ist ein besonderer Anlass“, sagte Alfons und richtete einen großen Dank an diejenigen, die jedes Jahr Nachwuchswissenschaftler bei sich aufnehmen. Seit 75 Jahren gibt es nun schon die Tagung in Lindau und begeistere jedes Jahr aufs Neue, auch für den Nachwuchs sei das eine einmalige Gelegenheit. „Wann haben die Kinder, Jugendlichen oder auch die Lindauer die Möglichkeit, Nobelpreisträgern zufällig in der Stadt zu begegnen?“, sagte sie. Der Abend lebe davon, informell und unverbindlich in Kontakt zu kommen, und das nun schon seit dem ersten „Grill & Chill“ im Jahr 2010. „Da hoffen wir mal, dass das auch noch viele Jahre genauso sein wird“, sagte die Oberbürgermeisterin.