Boom bei Batteriespeichern: Steuerzahler können Milliarden sparen
Milliardeneinsparungen möglich Baubeginn für den größten Batteriespeicher des Landes Von dpa, afp, wal 01.07.2026 - 12:14 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Batteriespeicher gelten als essenziell für die Energiewende. Sie können Strom speichern, wenn er gerade nicht gebraucht wird. Davon gibt es immer mehr. Batterie-Großspeicher sind eigentlich nichts anderes als intelligent gesteuerte Riesen-Akkus. Sie speichern Strom ein, wenn genug da ist, und wieder aus, wenn er gebraucht wird. Ein Geschäftsmodell, mit dem man Geld verdienen kann. Wie viel Geld, kann man anhand eines Beispiels gut erahnen: Als in der vergangenen Woche die Börsenstrompreise zeitweise auf bis zu 700 Euro pro Megawattstunde kletterten, hätten Speicherbetreiber ihren eingespeicherten Strom zu diesem Preis verkaufen können. Gespeichert wird der Strom dann zu besonders günstigen Zeiten: Wenn zum Beispiel der Strompreis an der Börse bei 0 Euro/MWh liegt. 545 Großspeicher sind in Deutschland schon in Betrieb, sagt die Datenseite Battery-Charts der RWTH Aachen. Ab Mittwoch wird im sachsen-anhaltischen Klostermansfeld ein weiterer gebaut. Es wird der größte Batteriespeicher Deutschlands sein, sagt der Betreiber BW ESS. 2028 soll er in Betrieb genommen werden. Batteriespeicher für den Stromhandel und die Netzstabilität Anzahl und Leistung der Batteriespeicher haben in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Die Preise für die Technik sind markant gesunken; gleichzeitig ist oft genug Solar- und Windstrom vorhanden, der in den Anlagen gewinnbringend zwischengespeichert werden kann. "Darüber hinaus können Batteriespeicher die Netzstabilität unterstützen", erklärt Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Die Speicher könnten dazu beitragen, dass Frequenz, Spannung und Leitungsbelastungen innerhalb bestimmter Grenzwerte bleiben. Um Projekte zu vergleichen, werden oft Kapazität und Leistung genannt. "Die Kapazität einer Batterie gibt an, wie viel Energie sie speichern kann, während ihre Leistung angibt, wie schnell sie Energie ein- und ausspeichern kann", erklärt das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI). Der Speicher in Klostermansfeld soll eine Leistung von 1.000 Megawatt haben und bis zu 5.700 Megawattstunden Strom speichern könnten. Rein rechnerisch werde die Anlage rund drei Millionen Haushalte mindestens vier Stunden lang mit Strom versorgen können, so das Unternehmen. Großbatterien werden immer beliebter Bereits in Betrieb genommene Speicher liegen aktuell mit ihrer Kapazität deutlich darunter. So kann etwa ein Speicher im schleswig-holsteinischen Bollingstedt laut Battery-Charts 238 Megawattstunden Strom speichern, ein anderer im nordrhein-westfälischen Metelen rund 231 Megawattstunden. Rund 200 Megawattstunden Kapazität hat ein Speicher im nordostbayerischen Arzberg, knapp 102 Megawattstunden Kapazität eine Anlage in Krumpa, ebenfalls Sachsen-Anhalt. Große Pläne haben aber auch andere Unternehmen, wie etwa Leag und Fluence im brandenburgischen Jänschwalde. Sie wollen dort eine Großbatterie bauen, die 4.000 Megawattstunden speichern kann. Im Ruhrgebiet in Waltrop ist ein Projekt mit einer Kapazität von 1.800 Megawattstunden geplant. In Klostermansfeld will BW ESS sein Geld vor allem mit dem Stromhandel verdienen. "Für uns bedeutet das konkret, dass wir in der Regel dann laden, wenn zu viel Strom im Netz ist", sagte der Vorstandschef der Betreiberfirma BW ESS, Erik Strømsø, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dies helfe auch Erzeugern, die zu Tageszeiten Strom produzieren, an denen die Nachfrage nicht ausreiche. "Den geladenen Strom geben wir dann am Abend wieder ab, was wiederum dazu beiträgt, die Preise für die Verbraucher zu senken." Eine Milliarde Euro soll in Deutschland investiert werden Darüber hinaus wolle man zur Stabilität des Netzes beitragen. "Manchmal kann man diese Dinge sogar gleichzeitig tun. Während man also sein Handelsgeschäft betreibt, erbringt man gleichzeitig Unterstützungsleistungen für das Netz." Wie viel Geld BW ESS in das Projekt investiert, sagte Strømsø nicht. BW ESS will nach Angaben des Managers in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro in Deutschland investieren, Klostermansfeld eingeschlossen. "Wir haben bereits zwei Entwicklungspartnerschaften in Deutschland, und dort gibt es eine Reihe von Projekten, die sich in unterschiedlichen Reifestadien befinden", so Strømsø. Einzelheiten nennt er nicht. "Unser Ziel ist es, mehr in den deutschen Markt zu investieren, weil uns der Markt gefällt." Es sei aber noch nicht ganz klar, welches Projekt genau das nächste sein werde. Den auf einer Fläche von 15 Hektar geplanten Speicher in Klostermansfeld will BW ESS selbst betreiben. "Wir sind in der Regel langfristiger Eigentümer und Betreiber all unserer Projekte", sagt Strømsø. Man verfüge über Erfahrung im Betrieb solcher Anlagen aus anderen Märkten, vor allem Großbritannien. Die Lebensdauer der Anlage liege bei etwa 40 Jahren. Die Batterien selbst hielten etwa 20 Jahre. "In der Regel führt man dann eine Erweiterung oder Modernisierung der Anlage durch, bei der einige der Geräte länger genutzt, die Batterien jedoch ausgetauscht werden", erklärte der Vorstandschef. BW ESS hat seine Firmenzentrale in Zürich, ist in fünf Ländern Europas sowie in Australien aktiv und beschäftigt rund 80 Personen. In Betrieb hat das Unternehmen bislang Speicher mit einer Kapazität von gut 540 Megawattstunden. Zahlreiche neue Projekte sind im Bau oder in der Planung. Die Firma gehört zur familiengeführten BW Group, einem weltweit agierenden Energie- und Schifffahrtsunternehmen. Fraunhofer: Batteriespeicher sparen Milliarden ein Am Mittwoch präsentierte auch das Fraunhofer-Institut eine Analyse, die aufzeigt, wie viel Geld der Staat durch den verstärkten Ausbau von Batteriespeichern sparen könnte. Pro Jahr sind demnach volkswirtschaftliche Einsparungen von rund 3,9 Milliarden Euro möglich. Ein Grund dafür ist, dass durch einen schnelleren Ausbau von Batteriespeichern auch sogenannte Hellbrisen besser abgefedert werden könnten. Hellbrisen sind das Gegenteil von Dunkelflauten und bedeuten, dass bei starker Sonneneinstrahlung viel Solarstrom erzeugt wird, während gleichzeitig auch der Wind weht. Angesichts dieses Phänomens gebe es in Stunden mit hoher Erzeugung "immer häufiger und immer stärkere Preisausschläge von negativen Börsenstrompreisen", heißt es in der Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, die der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlag. Loading... Loading... Loading... Beauftragt wurde die Analyse vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), dem Bundesverband Solarwirtschaft und dem Bundesverband Windenergie. Nach BEE-Angaben werden die potenziellen Milliardenentlastungen dadurch möglich, dass die Marktwerte erneuerbarer Energien durch einen schnelleren Batteriespeicherausbau steigen, während zugleich die EEG-Förderkosten und die Spotmarktpreise gedämpft werden. Außerdem wird demnach der Stromkosten-Saldo im europäischen Handel günstiger. Großteil der Speicherkapazität heute bei Heimspeichern In Deutschland werden auch deshalb immer mehr Batteriespeicher aller Größen in Betrieb genommen. Mittlerweile haben sie zusammengenommen eine Speicherkapazität von rund 29,6 Millionen Kilowattstunden (gleich 29,6 Gigawattstunden/GWh), wie aus der Datenseite "Battery-Charts" der RWTH Aachen hervorgeht. Zum Vergleich: Die nationalen Pumpspeicherkraftwerke kommen auf 39 Gigawattstunden. Von den 29,6 GWh entfällt mit 22,1 GWh der Großteil auf Heimspeicher, die überwiegend zur Speicherung von selbst erzeugtem Sonnenstrom verwendet werden. Mittelgroße Speicher kommen auf 1,6 GWh und Großspeicher auf 5,9 Gigawattstunden. Derzeit sind in Deutschland 545 Großspeicher mit einer Kapazität von mindestens 1.000 Kilowattstunden in Betrieb. Weitere Großspeicher mit insgesamt über 30 Gigawattstunden sollen bis Herbst 2029 in Betrieb genommen werden, haben die "Battery-Charts" in Zahlen der Bundesnetzagentur gefunden. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat erst jüngst die zunehmende Bedeutung von Batteriespeichern unterstrichen: "Aufgrund sinkender Kosten und steigender Flexibilitätsanforderungen spielt die Batteriespeicherung weltweit eine immer wichtigere Rolle in den Stromversorgungssystemen", hieß es in einer Analyse.