DAX +0,74 % 26.319,45 Pkt 18:00:00 MDAX -0,06 % 32.407,20 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,33 % 6.523,86 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,57 % 54.036,93 Pkt 22:50:36 S&P 500 +0,44 % 7.757,64 Pkt 22:50:24 Nasdaq +1,24 % 26.690,62 Pkt 23:15:59 Nikkei -0,12 % 65.606,71 Pkt 08:45:02 Gold +1,36 % 4.399,70 USD 22:59:55 Silber +0,26 % 63,50 USD 22:59:56 Brent 0,00 % 83,55 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 78,18 USD 22:59:59 Bitcoin +0,04 % 64.931,86 USD 13:12:32 EUR/USD +0,04 % 1,15620 USD 23:29:57 EUR/GBP -0,15 % 0,85670 GBP 23:29:57 EUR/CHF +0,13 % 0,93350 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,13 % 182,378 JPY 23:29:57

Boom kostet 20 Jahre Fortschritt

Wirtschaft

Daniel Lemire hat die historische Preisentwicklung von Arbeitsspeicher mit den aktuellen Marktdaten abgeglichen und dabei einen Bruch gefunden, für den es in der Computergeschichte bislang kein Vorbild gibt. Der Informatik-Professor der Université du Québec ("TÉLUQ") in Montreal, außerhalb der Speicherbranche vor allem als Entwickler des JSON-Parsers simdjson bekannt, spricht von einer historischen Anomalie. Der Befund dieser Meldung vorweg: Die Rechnung hält einer Prüfung stand, im deutschen Einzelhandel fällt sie bei den gefragtesten DDR5-Speicherkits sogar noch zu freundlich aus. Speicherkrise 2026: RAM-Preise erreichen das Niveau von 2007 DDR5-Arbeitsspeicher kostet nach den Erhebungen des Stanford DAM Project derzeit zwischen 11,41 und 13,28 US-Dollar pro GiByte. In einer solchen Preisspanne bewegten sich die Speicherpreise zuletzt 2008, damals für DDR2-Speichermodule mit einem Bruchteil der heutigen Bandbreite. Rechnet man die Inflation heraus und legt US-Dollar des Jahres 2024 zugrunde, bleiben 10,94 bis 12,74 US-Dollar pro GiByte, ein Wert, welchen DDR3 im Jahr 2011 zuletzt erreicht hatte. In Deutschland lag DDR5 im Juni 2026 um 420 Prozent über dem Niveau aus dem Juli 2025, dem Startpunkt der Speicherkrise. Wichtig für die Einordnung ist die Methodik hinter den Zahlen. Das Stanford DAM Project führt den klassischen Datensatz von John C. McCallum fort und erfasst seit Mitte 2024 den jeweils günstigsten gelisteten Endkundenpreis bei Amazon, also weder Vertragspreise noch bestätigte Verkäufe. Die Spanne beschreibt damit den Boden des Marktes. Lemire formuliert das Ergebnis in seinem Beitrag auf X entsprechend drastisch: Rund zwei Jahrzehnte Preisverfall seien zuletzt binnen weniger Monate zerstört worden, einen vergleichbaren Präzedenzfall kenne er nicht. DDR5-Preise in Deutschland: 32 GiB DDR5-6000 kosten ab 380 Euro Ein Speicherkit mit 32 GiByte DDR5-6000 CL30 kostet im deutschen Einzelhandel am 9. August 2026 ab 380 Euro, das ebenso gefragte Kingston Fury Beast mit gleichen Eckdaten startet bei 529,89 Euro. Umgerechnet sind das 11,88 beziehungsweise sogar 16,56 Euro pro GiByte inklusive Mehrwertsteuer. Für den Abgleich mit den Stanford-Werten muss die Umsatzsteuer heraus, weil US-Listenpreise ohne Sales Tax ausgewiesen werden. Netto bleiben 9,98 Euro pro GiByte, zum Referenzkurs von 1,155 US-Dollar je Euro also 11,53 US-Dollar. Der deutsche Bodenpreis bestätigt Lemires Spanne damit fast punktgenau, während Markenkits mit netto 13,92 Euro pro GiByte darüber liegen. Gefragte Gaming-Kits liegen damit über jener Spanne, welche Lemire für 2007 und 2008 heranzieht. Für die Kaufentscheidung zählt der Bruttopreis pro Kit, die Netto-Umrechnung dient ausschließlich der Vergleichbarkeit mit den US-Daten. HBM für Rechenzentren: Warum die Nachfrage das Angebot überholt Die weltweite Speicherproduktion wächst nach Angaben von Elon Musk um etwa 20 Prozent pro Jahr, während die Nachfrage um rund 200 Prozent zulegt. Die Rechnung stellte der Unternehmer bei der jüngsten Bilanzvorlage von SpaceX auf, und sie erklärt den Preisanstieg besser als jede Störung der Lieferkette: Samsung und SK Hynix aus Südkorea sowie Micron aus den USA verlagern Kapazität auf margenstarken HBM für KI-Beschleuniger. Der Vorsitzende der SK Group nennt die Speicherpreise inzwischen selbst "abnormal hoch". Auch die Ausweichroute über den chinesischen Fertiger CXMT führt ins Leere, dessen Module bewegen sich preislich im Gleichschritt mit den drei großen Anbietern. Der hohe Preisdruck trifft mittlerweile ebenso Grafikkarten, Smartphones, Tablets, Spielkonsolen und Fahrzeuge. Die Speicherkrise ist allgegenwärtig. RAM-Preise: Wann Aufrüsten wieder bezahlbar wird AMD hat auf der Computex 2026 eine Normalisierung des Speichermarktes in Aussicht gestellt, allerdings frühestens für 2028. David McAfee, Vice President für Ryzen-Prozessoren und Radeon-Grafikkarten, begründete das mit dem Umfang der KI-Nachfrage; SK Hynix bezeichnet 2027 als schwierigstes Jahr der Knappheit. Neue Fertigungskapazitäten bei Samsung in Texas und SK Hynix in Südkorea liefern frühestens Ende 2027 nennenswerte Mengen, DDR4 wird parallel abgebaut. Der Engpass ist damit ein Kapazitätsproblem und keine technologische Hürde. Lemire sieht nur zwei Auswege: entweder KI-Systeme mit deutlich geringerem Speicherbedarf oder eine drastisch schnellere Produktion. Für Aufrüster heißt das derzeit: Wer 32 GiByte verbaut hat, kommt in Spielen weiterhin gut zurecht und sollte den Aufpreis für 64 GiByte nur zahlen, wenn eine Anwendung ihn erzwingt. Mitmachen und kommentieren Wie stehen Sie zu diesem Thema? 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