Börsenwoche: Wieso ein einziges Land die Weltbörsen bedroht
Als der Kurs des südkoreanischen Leitindex Kospi am vergangenen Mittwoch um elf Prozent in die Tiefe rauschte, half den koreanischen Privatanlegern nur noch Trauerflor. Vor dem Parlament des Landes, so zeigen es Aufnahmen der Nachrichtenagentur Reuters, hatten Tausende Privatanleger gemeinsam Blumenkränze aufhängen lassen. »Privatanleger am Abgrund«, stand auf einer der Trauerschleifen. Auf einer anderen: »Wir werden geschlachtet.« Viele Anleger im Land hatten im Börsenrausch der vergangenen Monate nicht nur ihr Erspartes investiert, sondern für den Aktienhandel auch Kredite aufgenommen. Als die Kurse der gehypten Chiphersteller Samsung und SK Hynix nach dem Höhenflug wieder fielen, forderten die koreanischen Broker weitere Sicherheiten: Die Anleger mussten Geld kurzfristig nachschießen oder riskierten, dass ihre Aktien zwangsweise verkauft wurden. Schätzungen zufolge musste jeder dreißigste Erwachsene in Südkorea, rechnerisch fast 1,5 Millionen Menschen, jüngst diese Entscheidung treffen.