Bosch PowerMore 250 Range Extender Test: Mehr Reichweite, aber schwaches Handling
Themen in diesem Artikel Fazit von Max Fuchs, BIKE-Testredakteur Der Bosch PowerMore 250 erfüllt seine wichtigste Aufgabe mit Bravour: Er bringt spürbar mehr Reichweite und liefert im Vergleich zu vielen Konkurrenzlösungen eine überdurchschnittlich hohe Zusatzkapazität. Wer regelmäßig lange Touren fährt, bekommt damit einen echten Mehrwert. Die Schwächen liegen weniger im Akku selbst als in der Peripherie. Vor allem im schmutzigen Mountainbike-Alltag kostet die hakelige Befestigung auf Dauer Nerven. Fakten zum Bosch PowerMore 250 Kapazität: 250 Wh Größe: 200 x 88 x 75 mm Gewicht: 1497 Gramm kg inklusive Anschlusskabel (BIKE-Messung) Preis: 469 Euro UVP zzgl. Bosch PowerMore Kabel für 29 Euro Kompatibilität: Bosch Smart System, kompatible Bikes mit PowerMore-Vorbereitung Montage: Halteplatte an den Flaschenhalter-Gewinden Ladefunktion: Der Zusatzakku wird separat mit dem Ladegerät für den Hauptakku geladen Range Extender: Der Name ist Programm Mit dem PowerMore 250 verfolgt Bosch einen anderen Ansatz als viele Wettbewerber. Statt eines möglichst kleinen Notakkus liefert Bosch mit 250 Wattstunden einen echten Reichweiten-Booster. Der Zusatzakku fällt dadurch zwar größer und schwerer aus als viele Konkurrenzlösungen, bringt aber einen entscheidenden Vorteil: Er erweitert den Aktionsradius des Bikes spürbar. Gerade an E-MTBs mit 400- oder 600-Wh-Akku lassen sich je nach Unterstützungsstufe und Gelände zahlreiche zusätzliche Kilometer und Höhenmeter herausholen. Im direkten Vergleich bietet Bosch damit deutlich mehr Zusatzenergie als viele Konkurrenzmodelle, die häufig nur 160 bis 180 Wh bereitstellen. Besonders spannend wird der PowerMore an E-MTBs mit dem 400-Wh-PowerTube-Hauptakku. Zusammen mit dem Zusatzakku wächst die Kapazität auf insgesamt 650 Wh – und damit sogar über das Niveau vieler Bikes mit dem nächstgrößeren 600-Wh-Akku. Genau hier liegt die Stärke des Bosch-Konzepts: Der PowerMore ist kein kleiner Reserveakku für die letzten Kilometer, sondern erweitert den Einsatzbereich des Bikes grundlegend. Während viele andere Lösungen lediglich einen kurzen Reichweitenschub am Tourenende liefern, hebt der Bosch das Bike in eine neue Reichweitenklasse. So bleibt ein Light-E-MTB im Alltag leicht und agil, bietet bei Bedarf aber genügend Reserven für lange Touren, viele Höhenmeter und ausgedehnte Abenteuer. Meistgelesen 1 2 3 4 5 So funktioniert der PowerMore Range Extender Bosch hat die Energieverwaltung des PowerMore clever gelöst. Ist der Zusatzakku bereits vor dem Start angeschlossen, teilen sich Haupt- und Range Extender-Akku die Arbeit und entladen sich parallel. Beide erreichen dadurch gleichzeitig das Ende ihrer Kapazität. Wird der PowerMore dagegen erst während der Tour angesteckt, nutzt das System zunächst ausschließlich den Zusatzakku, bis sich die Ladezustände angeglichen haben. Anschließend wechseln beide Akkus wieder in den parallelen Betrieb. Das System arbeitet zuverlässig und sorgt für eine möglichst gleichmäßige Nutzung beider Energiespeicher. Einen kleinen Haken gibt es dennoch: Während der exklusiven Nutzung des PowerMore stehen aufgrund der unterschiedlichen Zellstruktur nur rund 80 Prozent der maximalen Motorleistung zur Verfügung. Deshalb empfiehlt es sich, den Range Extender bereits vor Tourbeginn anzuschließen und beide Akkus von Anfang an gemeinsam arbeiten zu lassen. Besonders spannend ist die Möglichkeit, ein Bike auch ausschließlich mit dem PowerMore zu betreiben. Bei E-MTBs mit entnehmbarem Hauptakku kann der große Akku zu Hause oder im Auto bleiben. Gerade im Bikepark mit Liftunterstützung eröffnet das interessante Optionen: Der schwere Hauptakku verschwindet aus dem Unterrohr, das Bike wird spürbar leichter und agiler. Für kurze Transfers, Gegenanstiege oder den Weg zurück zum Lift liefert der PowerMore trotzdem genügend Energie, um nicht komplett auf Motorunterstützung verzichten zu müssen. Kritik an der Steckdose Die Einbindung ins Bosch Smart System gelingt dagegen tadellos. Das System erkennt den PowerMore automatisch und bindet ihn nahtlos ins Energiemanagement ein. Weniger überzeugend fällt das Ladehandling aus. Zwar genügt ein einziges Ladegerät für Haupt- und Zusatzakku, beide lassen sich jedoch nicht gleichzeitig laden. Nach jeder Tour heißt es deshalb: Ladekabel umstecken. Noch lästiger wird es, weil der PowerMore zum Laden meist erst demontiert werden muss – und genau das aufgrund der hakeligen Halterung oft zur Geduldsprobe gerät. Dass es besser geht, zeigt die Konkurrenz. Beim Specialized Levo SL laden Hauptakku und Range Extender über einen Y-Anschluss parallel, ohne dass der Zusatzakku vom Bike muss. Wer seinen Range Extender regelmäßig nutzt, weiß einen solchen Komfort schnell zu schätzen. Bosch sollte hier dringend nachlegen, denn gerade Vielfahrer profitieren enorm von einem unkomplizierten Ladehandling. Schwerer Kompromiss Die hohe Kapazität fordert allerdings ihren Tribut. Mit rund xx Kilogramm zählt der PowerMore zu den schwersten Range Extendern am Markt. Auch bei den Abmessungen zeigt sich der 250-Wh-Akku wenig zurückhaltend und beansprucht entsprechend viel Platz am Unterrohr. Wer jedes Gramm und eine möglichst schlanke Integration schätzt, findet bei anderen Antriebssystemen kompaktere Lösungen. Specialized etwa verpackt den 180-Wh-Range-Extender der Turbo-Levo-Modelle im Format einer Trinkflasche, die in einen speziellen Flaschenhalter passt. Dafür liefert der Bosch mit seinen 250 Wh allerdings auch deutlich mehr Zusatzkapazität und spielt in puncto Reichweite in einer anderen Liga. Fummelige Montage Die größte Schwäche zeigte der PowerMore im Langzeittest ausgerechnet bei seiner Befestigung. Bosch setzt auf eine Kunststoffplatte, die an den Flaschenhalter-Gewinden sitzt. Der Range Extender wird über zwei Kunststoff-Rails aufgeschoben und anschließend verriegelt. Klingt simpel – nervte im Alltag aber immer wieder. Sobald Staub, Sand oder Schlamm ins Spiel kamen, verkantete der Akku regelmäßig in den Führungsschienen. Oft half nur kräftiges Drücken, Rütteln oder sogar leichtes Klopfen, bis der PowerMore endlich einrastete. Das Herausnehmen geriet zur gleichen Geduldsprobe – besonders ärgerlich, weil der Zusatzakku zum Laden jedes Mal demontiert werden muss. Wer den Range Extender regelmäßig nutzt, dürfte sich an diesem Handling schnell stören. Mit den Monaten verschlechterte sich der Eindruck weiter. Das Spiel zwischen den Kunststoff-Rails der Halteplatte und den Aufnahmen am Akku nahm sichtbar zu. Nach rund einem halben Jahr klapperte der PowerMore auf ruppigen Trails hörbar vor sich hin. Auf die Funktion hatte das zwar keinen Einfluss, dem hochwertigen Gesamteindruck schadete es jedoch deutlich. Gerade von einem Premium-System wie Bosch hätte man sich eine robustere und langlebigere Konstruktion gewünscht. Zumal die Konkurrenz längst zeigt, dass sich Range Extender einfacher montieren und dauerhaft spielfrei befestigen lassen. Versöhnliches Ende? Unterm Strich überzeugt der PowerMore 250 vor allem dort, wo es zählt: Er liefert spürbar mehr Reichweite, integriert sich nahtlos ins Bosch Smart System und macht insbesondere Light-E-MTBs mit 400-Wh-Akku zu echten Langstrecken-Bikes. Dazu kommt ein cleverer Zusatznutzen: Bei Bikes mit entnehmbarem Hauptakku versorgt der PowerMore den Motor auch allein mit Energie – ideal etwa für Bikepark-Tage, an denen ein leichteres Bike mehr Fahrspaß verspricht. Den starken Gesamteindruck trüben allerdings die wenig gelungene Halterung und das umständliche Ladehandling. Gerade wer den Range Extender regelmäßig nutzt, dürfte sich an beiden Punkten schnell stören. Der PowerMore zählt damit zu den leistungsstärksten und sinnvollsten Range Extendern am Markt – Bosch verschenkt mit einer unnötig komplizierten Peripherie jedoch wertvolles Potenzial. Plus Hohe Zusatzkapazität mit 250 Wh Deutlich größerer Reichweitengewinn als viele Konkurrenzlösungen Macht 400-Wh-Light-E-MTBs zu Bikes mit 650 Wh Gesamtkapazität Intelligentes Energiemanagement Bike kann bei entnehmbarem Hauptakku auch ausschließlich über den PowerMore betrieben werden Zuverlässige Funktion im gesamten Test Minus Relativ groß und schwer Hakelige Montage über die Kunststoff-Führungsschienen Empfindlich gegenüber Staub, Sand und Schlamm Kein gleichzeitiges Laden von Haupt- und Zusatzakku im montierten Zustand Mit der Zeit Spiel in der Halterung und Klappergeräusche im Gelände