Bosnien und Herzegowina: Diese Pipeline macht nur Ärger. Außer für Trumps Buddys
US-Präsident Donald Trump will immer und überall Geschäfte machen, selbst in so kleinen Ländern wie Bosnien und Herzegowina. Und wo Trump Geschäfte machen will, da nimmt er bekanntlich keine Rücksicht. In diesem Fall könnte es allerdings katastrophale Folgen für den Westbalkan haben.
Worum es geht?
Um den Bau einer Gaspipeline, genauer: die Southern Interconnection Gas Pipeline. Sie soll das Gasnetz von Bosnien und Herzegowina mit dem Terminal für LNG-Gas auf der kroatischen Insel Krk verbinden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 1,5 Milliarden US‑Dollar. Ist sie einmal gebaut, soll viel amerikanisches Gas nach Bosnien und Herzegowina fließen, auf dass sich in den USA die Taschen der Exporteure füllen.
So weit, so gut. Nun gibt es allerdings ein paar Besonderheiten an diesem Projekt. Als das bosnische Parlament dem Bau der Pipeline im März dieses Jahres zustimmte, nannte es im entsprechenden Gesetzestext gleich das Unternehmen, das den Auftrag bekommen soll: die AAFS Infrastructure and Energy. »Das ist mir noch nie untergekommen«, sagt Boris Mijatović, Abgeordneter der Grünen im Bundestag und Balkanexperte, »dass in einem Gesetzestext ein Unternehmen ausdrücklich genannt wird! Das geht doch nicht!«
Es geht aber, wenn die Hand Donald Trumps mitschreibt.
Die AAFS Infrastructure and Energy ist 2025 gegründet worden und hat keinerlei Erfahrung mit Infrastrukturprojekten dieser Art. Für das Unternehmen arbeiten Personen, die sehr eng mit Donald Trump verbunden sind. Da ist zum Beispiel der Anwalt Jesse Binall, der Trump vor Gericht mit der Behauptung vertrat, die Wahlen von 2020 seien gestohlen worden. Da ist auch Jo Flynn, der Bruder des ehemaligen Sicherheitsberaters von Trump. AAFS Infrastructure and Energy ist also aufs Engste mit dem Trump-Clan verwoben.
Schön ist das nicht, aber wenn Bosnien und Herzegowina Gas braucht, warum soll es nicht amerikanisches Gas bekommen? Könnte man sagen. Macht Deutschland nicht anders, seit es sich wegen des Überfalls auf die Ukraine vom russischen Gashahn abgekoppelt hat.
Tatsächlich begründen die Befürworter das Projekt unter anderem damit, dass mit der Pipeline Bosnien und Herzegowinas Abhängigkeit vom russischen Gas verringert wird.
»Gas macht nur drei Prozent im Energiemix aus«
Die Sache ist nur: Bosnien und Herzegowina ist in seiner Gesamtheit nicht abhängig vom russischen Gas. Denis Ziško, Energieexperte des Aarhus Centres im Land, sagt unumwunden: »Die Energieversorgung der Hauptstadt Sarajevo hängt in Teilen vom russischen Gas ab, doch diese Abhängigkeit lässt sich leicht auf anderem Wege auflösen. Im Energiemix des Landes macht Gas gerade mal drei Prozent aus.« Eine Gaspipeline mache also keinerlei Sinn. Außerdem passe sie nicht zu den Klimazielen der Europäischen Union, der Bosnien und Herzegowina ja beitreten möchte. Nach den Plänen der US-Amerikaner soll es nicht bei der Pipeline bleiben. Sie wollen drei Gaskraftwerke bauen, in Tuzla, Kakanj und in Mostar. »Wir brauchen diese Kraftwerke gar nicht«, sagt Ziško.
Doch der Druck aus den USA, Gas in den südosteuropäischen Markt zu drücken, ist groß. 2025 gründete Trump per Dekret den National Energy Dominance Council. Dessen erklärtes Ziel ist es, die USA zum weltweit führenden Energieexporteur zu machen, das heißt auch, möglichst viel Gas auf dem Balkan zu verkaufen. Im Februar dieses Jahres organisierte der National Energy Dominance Council ein Treffen in Washington, D. C., bei dem eine Reihe von Staaten Gaslieferverträge unterschrieben. Darunter: Griechenland, Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien, die Slowakei, die Republik Moldau, die Ukraine, Kroatien, Litauen, Serbien und Bosnien und Herzegowina. Wie viel sie importieren werden, lässt sich noch nicht beziffern. Aber am Beispiel Albanien lässt sich die Dimension erfassen. Die Regierung unterzeichnete ein auf 20 Jahre angelegtes Abkommen über sechs Milliarden Dollar mit dem US-Unternehmen, um LNG-Gas zu importieren.
Das Ziel der Trump-Regierung ist klar: Es geht darum, Geschäfte zu machen und dabei Abhängigkeiten zu schaffen.
Die geplante Pipeline in Bosnien und Herzegowina allerdings könnte sehr großen Schaden anrichten: Sie könnte Bosnien und Herzegowina zerreißen und damit den Zerfall der Nachkriegsordnung auf dem Balkan einleiten.