DAX +1,75 % 26.039,68 Pkt 18:00:00 MDAX +0,99 % 30.798,65 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,64 % 6.207,07 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 52.342,56 Pkt 21:33:51 S&P 500 -0,03 % 7.720,39 Pkt 21:32:46 Nasdaq -1,11 % 26.184,73 Pkt 22:15:59 Nikkei -1,87 % 63.453,11 Pkt 01:46:10 Gold -0,64 % 4.025,60 USD 01:51:11 Silber -2,73 % 52,00 USD 01:51:11 Brent -3,43 % 111,36 USD 01:50:06 WTI -0,11 % 102,67 USD 01:51:01 Bitcoin -1,08 % 76.950,00 USD 02:01:11 EUR/USD +0,40 % 1,12010 USD 02:00:46 EUR/GBP -0,12 % 0,83590 GBP 02:01:13 EUR/CHF -0,45 % 0,91940 CHF 02:01:13 EUR/JPY +0,08 % 176,198 JPY 02:01:13

Bots stellen 91 Prozent des Traffics

Technologie

DataDome hat neue Messwerte zum Bot-Aufkommen auf Produktseiten für DDR5-Arbeitsspeicher vorgelegt. Wer in diesen Wochen ein Kit für den eigenen Rechner sucht, konkurriert dabei überwiegend mit Software. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen aus Paris eine erste Erhebung zum Bot-Aufkommen bei DDR5-Angeboten veröffentlicht (wir berichteten).

Parallel dazu haben die Speicherpreise im August 2026 einen neuen Rekordstand erreicht. Belastbar ist an der neuen Zahl vor allem die Richtung: Gemessen wurde der Druck auf die Angebotsseiten, nicht die Menge an Speicher, die Bots am Ende tatsächlich abgreifen.

Wie die Scalping-Bots die DDR5-Angebote im Sekunden abfragen

Auf den DDR5-Produktseiten eines nicht genannten Händlers gehen nach Messungen von DataDome 91 Prozent des Traffics auf schädliche Bots zurück. Jérôme Segura, Vice President Threat Research bei dem Dienstleister für Bot-Abwehr, hat den Wert diese Woche über LinkedIn veröffentlicht. Für Käufer bedeutet das im Alltag: Ein Kit kann vergriffen sein, bevor die Produktseite im Browser überhaupt neu geladen ist.

Die zugrunde liegende Untersuchung des hauseigenen Forschungsteams "Galileo" stammt aus dem Frühjahr. In einer einstündigen Stichprobe zählte DataDome rund 50.000 Anfragen, verteilt auf 91 einzelne Angebote. Das entspricht im Schnitt 551 Abrufen je Angebot. Rechnerisch prüft ein Bot damit alle 6,5 Sekunden den Bestand eines einzelnen Kits. Insgesamt blockierte der Anbieter nach eigenen Angaben mehr als zehn Millionen Anfragen dieser Kampagne.

Nahezu jeder Aufruf enthielt einen Parameter, der den Cache des Shops umging und so stets frische Bestandsdaten erzwang. Für Aufrüster ist von diesen Werten vor allem der Abstand zwischen zwei Abfragen relevant. Die Gesamtzahl der blockierten Anfragen beschreibt eher den Aufwand der Abwehr als die Lage im Regal. Ins Visier gerieten dabei nicht nur Endkundenkits. Betroffen waren ebenso Industriemodule von Micron und Apacer sowie DIMM-Sockel von Amphenol und TE Connectivity.

Der Bot-Anteil hat sich seit dem Frühjahr fast verdoppelt

Schädliche Bots machen nach dem Bad Bot Report 2026 des französischen Konzerns Thales weltweit 40 Prozent des gesamten Web-Traffics aus. Auf den DDR5-Seiten liegt ihr Anteil mehr als doppelt so hoch. Im März hatte DataDome noch von sechs automatisierten Zugriffen je legitimem Besucher gesprochen. Seither hat sich der Wert annähernd verdoppelt. Segura rät Händlern mit Speicher im Sortiment inzwischen offen dazu, die eigene Traffic-Auswertung als geschönt zu betrachten.

Anders als beim Scalping von Grafikkarten und Konsolen in den Jahren 2020 und 2021 fehlt diesmal ein absehbarer Nachschubtermin. Der taiwanische Modulhersteller Apacer erwartet, dass die DRAM-Belieferung unabhängiger Modulhersteller im kommenden Jahr auf 30 Prozent des Niveaus von 2026 fällt. Hyperscaler haben laut Marktberichten bereits Anzahlungen auf den Großteil der Produktion für 2027 geleistet.

Was die Zahl belegt und was nicht

Die Messung stammt von einem einzigen, nicht genannten Händler. DataDome hat weder den Beobachtungszeitraum noch die Methodik offengelegt. Hinzu kommt ein Eigeninteresse: Das Unternehmen verkauft genau jene Software, die solchen Traffic blockiert.

Entscheidender ist ein anderer Punkt: Seitenaufrufe sind keine Bestellungen. Die Quote beschreibt den Überwachungsdruck auf Angebotsseiten, nicht den Anteil der Ware, der tatsächlich bei Wiederverkäufern landet. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, lässt sich mit öffentlich verfügbaren Daten bislang nicht beziffern. Offen bleibt damit auch, ob strengere Bestellgrenzen die Preise spürbar dämpfen würden. Belegt ist derzeit nur, dass der automatisierte Druck auf die Angebotsseiten seit dem Frühjahr zugenommen hat.

Deutschland: Kauf-Bots sind nur bei Eintrittskarten verboten

Der Einsatz von Kauf-Bots ist in Deutschland ausschließlich beim Weiterverkauf von Eintrittskarten untersagt, nicht beim Handel mit Hardware. Seit dem 28. Mai 2022 verbietet Nummer 23a des Anhangs zu § 3 Absatz 3 UWG ("Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb") den Wiederverkauf von Eintrittskarten an Verbraucher, sofern der Unternehmer diese über automatisierte Verfahren erworben hat, die Stückzahlbegrenzungen umgehen. Arbeitsspeicher, Grafikkarten und Konsolen fallen nicht unter diesen Tatbestand.

Preislich ist die Lage hierzulande schärfer als in den US-Daten von PCPartPicker. Dort wird für ein 32-GiB-Kit mit DDR5-6000 ein Durchschnitt von 392 US-Dollar genannt. Im PCGH-Preisvergleich lagen vergleichbare Kits mit CL30 Mitte August 2026 zwischen 475 und 540 Euro. Eine eigene Stichprobe in der RAM-Kategorie von Alternate am 22. August 2026 zeigt zudem, dass der Händler seine Aktionsangebote inzwischen auf zwei Stück je Haushalt begrenzt.

International greifen einzelne Anbieter härter durch. Framework hat den Einzelverkauf von Arbeitsspeicher im November 2025 mit Verweis auf Scalper eingestellt. Micro Center gibt seine Bundles mit Prozessor, Mainboard und 32-GiB-Kit nur noch im Ladengeschäft ab, begrenzt auf ein Exemplar je Haushalt.

Was Aufrüster jetzt tun können

Der wirksamste Hebel gegen Bots bleibt derzeit der Kauf im Bundle. Newegg und Amazon koppeln Kits regelmäßig an einen Prozessor und unterbieten damit den Einzelpreis. Das macht den Weiterverkauf unattraktiv, weil der Wiederverkäufer die CPU mit loswerden muss. Wer flexibel ist, beobachtet den Preisvergleich über Wochen statt über Tage und schlägt bei kurzfristigen Dellen zu. Eine Entspannung erwartet die Branche ohnehin frühestens 2027. Das gilt unabhängig davon, wie viele Bots die Produktseiten abklappern.

Mitmachen und kommentieren

Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich schon über Ihre Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie hingegen noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 YouTube oder 💬 WhatsApp und erhalten Sie Neuigkeiten zu CPUs, Grafikkarten und Gaming direkt in Ihrem Feed.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren