Boykott der Schausteller: Verband sagt Stadt für Wiesn-Rundgang ab
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Boykott der Schausteller: Verband sagt Stadt für Wiesn-Rundgang ab – „wir wehren uns gegen Zensur“
Von: Cornelia Schramm, Regina Mittermeier
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Der Zensur-Zoff geht weiter. Beim Bundesverband der Schausteller ist der Unmut über die Umgestaltung von Teufelsrad & Co. groß. So groß, dass man den Wiesn-Rundgang der Stadt boykottiert.
Zwei Tage vor dem Start des Oktoberfests lädt die Stadt München traditionell zu einer prestigeträchtigen Veranstaltung – dem Wiesn-Rundgang. An jenem Donnerstag rollen Kamerateams aus ganz Deutschland an. Alle wollen die Neuheiten filmen, die der Oberbürgermeister und der Wiesn-Chef vorstellen. Der Rundgang ist auch Bühne der Schausteller: Alle Standl sind herausgeputzt, Karussells drehen erste Runden. Trotzdem gibt der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute (BSM) dem Wunderland-Event heuer einen Korb. Wohl wegen der Bevormundung, die die Branche zuletzt erfahren hat.
Gemeint ist damit freilich der Umstand, dass das Teufelsrad umgestaltet werden musste (tz berichtete). Und auch, dass andere Schausteller von der Stadt aufgefordert worden sind, Fahrgeschäfte optisch zu verändern. Das Rundfahrgeschäft Happy Sailor, das erst voriges Jahr Star des Wiesn-Rundgangs war, etwa legt einer barbusigen Meerjungfrau jetzt den Muschel-BH an und hat dem „schlitzäugigen“ Meeresgott ein Make-over verpasst.
Kritik an Gleichstellungsstelle: Bund der Schausteller sagt für Rundgang ab
„Angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype auf der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts Teufelsrad sagen wir unsere Teilnahme ab“, teilt der BSM der Stadt in einem Schreiben mit, das der tz vorliegt. Den Schaustellern stoßen die „Ratschläge zur freiwilligen Umsetzung“ seitens der Gleichstellungsstelle sauer auf. „Dieses Vorgehen reiht sich nahtlos in Zensurmaßnahmen anderer Städte ein“, so der BSM weiter.
Der Boykott des Wiesn-Rundgangs soll ein Zeichen sein: „Die Schausteller wehren sich gegen Zensur“, steht weiter im Schreiben. „Die Gestaltung der Betriebsstätte ist Kernkompetenz des Unternehmers als Träger des wirtschaftlichen Risikos.“ Niemand wisse immerhin besser, was Besuchern gefalle, als der Beschicker selbst.
Schaustellerei als Unesco-Kulturerbe: Dazu wollte der Verband sprechen
Eingeladen hatte die Stadt den Verband mit Sitz in Bonn, weil er es gewesen ist, der sich für die Aufnahme der „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ ins immaterielle Kulturerbe der Unesco starkgemacht hatte. Seit April ist dieser Traum Realität – zur Freude von über 5600 Schaustellerfamilien in Deutschland. Die Absage – wegen der „Zwangspinselei“, wie der BSM schreibt – sitzt also.
Stadt München bedauert Absage: „Kontrovers diskutiertes Thema lebt vom Austausch“
Die Stadt teilt auf Nachfrage der tz mit: „Wir nehmen den Brief des Bundesverbands der Schausteller und Marktkaufleute zur Kenntnis und bedauern die Absage. Gerade ein so kontrovers diskutiertes Thema lebt vom Austausch und von Kompromissen.“ Der Deutsche Schaustellerbund werde hingegen an dem Presserundgang teilnehmen – ebenso wie die Münchner Berufsverbände, mit denen man stets im guten und konstruktiven Dialog stehe.
Sexismus oder Kunst? – Münchner Schausteller suchen die Diskussion
Der Verein der Münchner Schausteller, dem „TopSpin“-Betreiber Peter Bausch vorsitzt, geht nicht im BSM sondern im Deutschen Schaustellerbund auf. „Beide Verbände vertreten die gleichen Interessen, sind aber nicht immer einer Meinung“, sagt Bausch. Die Absage diene der Sache nicht, als hiesiger Schausteller nehme er den Wiesn-Rundgang als „Heimatveranstaltung“ freilich war.
„Wir müssen offen die Diskussion suchen und Kritik üben“, sagt Bausch. „Kunst ist Kunst: Die Gleichstellungsstelle der Stadt ist zuletzt übers Ziel hinausgeschossen. Als Schausteller ist offenbar niemand mehr vor solch übertriebener Kritik gefeit.“