Brandanschlag in München: Polizei fasst Verdächtige nach Angriff auf Rohde & Schwarz
Nach einer Brandattacke auf eine Baustelle in München vermutet das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) einen Anschlagsversuch gegen ein Unternehmen aus dem Rüstungsbereich. Die Polizei München war in der Nacht auf Donnerstag, 3. September, zu einem Großeinsatz ausgerückt.
In der Mühldorfstraße in Berg am Laim meldete ein Zeuge, dass aus einem Auto heraus Brandsätze geworfen worden seien. Kurz darauf brannte es im Bereich der Firmenzentrale von Rohde & Schwarz, wie zunächst BR24 berichtete. Die Polizei ermittelt nun wegen eines politischen Motivs.
Spezialkräfte entschärfen Brandsatz am Innsbrucker Ring
Bislang bestätigten die Beamten den Namen des betroffenen Unternehmens nicht. Wie das LKA auf Nachfrage mitteilt, befindet sich in dem betroffenen Bereich ein Gebäudekomplex mit mehreren Rüstungsunternehmen. Ob speziell eine Firma Ziel des Anschlags war, können die Beamten derzeit nicht sagen.
Einer der Brandsätze zündete demnach im Bereich von Baucontainern vor dem Unternehmen. Eine Streife habe das Feuer löschen können. Vor Ort fanden die Beamten einen weiteren Brandsatz, der bislang nicht gezündet hatte. Spezialkräfte machten diesen unschädlich und sperrten für die Arbeiten den Bereich weiträumig ab. Ein größerer Schaden entstand dabei nicht.
Im Zuge der eingeleiteten Fahndung nahmen die Polizeibeamten an einer nahegelegenen Tankstelle am Innsbrucker Ring zwei Tatverdächtige fest: eine 28-Jährige und einen 38-Jährigen. Beide sind bulgarische Staatsbürger. Wie sie mit dem Fall in Verbindung stehen, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Auch das Motiv der Tatverdächtigen ist derzeit unklar. Allerdings ermittelt das LKA nun wegen eines politischen Hintergrunds.
Memmingen
Von der Drohnenabwehr zum autonomen Fahren: So treibt Rohde & Schwarz Hightech im Allgäu voran
Michael Scheyer
Icon Favorit Icon Favorit speichern
LKA München vermutet politisches Motiv hinter Brandanschlag
In der Mühldorfstraße sind unter anderem die Rüstungsunternehmen Helsing sowie Rohde & Schwarz ansässig. Das Münchner Unternehmen Rohde & Schwarz stellt unter anderem Sicherheitstechnik und Kommunikationsmittel für Behörden und Militär her. Das Start-up Helsing produziert vorwiegend Drohnen.
Auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks reagierte eine Firmensprecherin von Rohde & Schwarz zurückhaltend. Sie bestätigt den Einsatz, betont jedoch gleichzeitig: „Unser Betriebsgelände selbst ist nicht betroffen.“ Ferner wolle sich das Unternehmen vorerst nicht öffentlich äußern.
Im Mai 2021 war Rohde & Schwarz nach einem Anschlag auf das Münchner Stromnetz in einem Bekennerschreiben als Ziel genannt worden. Das Schreiben erschien auf einer von Linksradikalen genutzten Medienplattform, weshalb die Tat zunächst jener Szene zugeordnet wurde. In der Vergangenheit wurden mehrere Anschläge auf Münchens kritische Infrastruktur verübt. Inzwischen schließen Sicherheitsbehörden aber auch eine Sabotage durch russische Geheimdienste nicht mehr aus.
Nach dem damaligen Anschlag auf die Stromversorgung im Osten der Stadt waren 20.000 Haushalte ohne Strom. Der Stromausfall hatte vor allem die Stadtteile Haidhausen, Ramersdorf und Berg am Laim betroffen, wo sich der Firmensitz des Rüstungsunternehmens befindet. Das Unternehmen teilte damals mit, seine kritischen Infrastrukturen gegen Störeinflüsse von außen durch ein Sicherheitskonzept abzusichern, der Geschäftsbetrieb sei nicht beeinträchtigt worden. Im Bekennerschreiben wurde der Firma vorgeworfen, mit „Waffenproduktion, Krieg und Tod“ Profit zu machen.