„Brandmauer wird Herbst nicht überleben“: Historiker Rödder warnt vor Bruch der CDU
Audioplayer wird geladen Anzeige Sollte diese Analyse stimmen, wäre es das Ende des bekannten Parteiensystems der Bundesrepublik: Der Historiker Andreas Rödder rechnet mit einem Ende der Strategie der absoluten Ausgrenzung gegenüber der AfD. „Wir stehen vor eruptiven Veränderungen unseres Parteiensystems, weil die Brandmauer, die über Jahre hin immer höher gebaut und immer stärker befestigt worden ist, ganz offenkundig vor dem Zusammenbruch steht“, sagte Rödder im WELT-Nachrichtensender. Er prophezeit: „Die Brandmauer wird den Herbst nicht überleben. Aber wir werden keinen kontrollierten Abbruch, keine kontrollierte Sprengung, sondern offenkundig eine unkontrollierte Sprengung erleben.“ Anzeige Die Folgen für das Parteiensystem dürften fundamental sein. Im schlimmsten Fall führten die Wahlergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zu einer Spaltung der CDU, warnt Rödder. „Ich halte ein Zerbrechen der CDU in diesem Herbst für ein durchaus realistisches Szenario.“ Lesen Sie auch Weltplus ArtikelZumutungen aus Berlin Der Grund: „Die Union hat sich in ein tiefes Dilemma hineinmanövriert“, sagte Rödder. Sollten sich die Umfragen zur Landtagswahl bewahrheiten, könnte gegen AfD und Linke keine Regierung gebildet werden. „Wenn die Union sagt, sie hat Unvereinbarkeitsbeschlüsse mit der Linkspartei und mit der AfD, dann ist ja die Frage: Was macht man denn dann, wenn AfD und Linkspartei zusammen eine absolute Mehrheit der Sitze haben?“ Anzeige Die CDU könnte versuchen, entgegen dem Unvereinbarkeitsbeschluss mit den Linken eine Allparteienkoalition gegen die AfD zu bilden, analysiert der 59-Jährige. „Und dann geht die Erosion der Union nach rechts weiter“, sagte Rödder. „Wenn Sie in die Partei hineinhören, dann sagen auch führende Vertreter mittlerweile: Die Partei ist am Rande der Todeszone, und zwar jetzt schon vor den Wahlen.“ Die zweite Option sei, Sachsen-Anhalt de facto als unregierbar aufzugeben und sich zurückzuziehen. Die dritte Möglichkeit wäre eine Kooperation mit der AfD. „Und auf diesen Fall ist die Union nicht nur gar nicht vorbereitet, sondern da hat sie ihre eigenen Aussagen so hochgelegt, dass in diesem Fall eine Spaltung der Partei nicht unwahrscheinlich wäre“, sagte Rödder. Lesen Sie auch Der Historiker, der auch CDU-Mitglied ist, rät seiner Partei schon länger zu einer Politik der „roten Linien“, die eine Zusammenarbeit mit der AfD möglich machen soll. Weil er damit innerhalb der Parteiführung auf Ablehnung stieß, gab er 2023 den Vorsitz der CDU-Grundwertekommission auf. Die Kritik an seiner Partei behält er aber bei. Lesen Sie auch Wenn Parteien es nicht schafften, eine immer größer werdende Spannung politisch zu bearbeiten, breche diese Spannung irgendwann unkontrolliert. „Es ist ein nicht unrealistisches Szenario, dass die Brandmauer nach den Wahlen unkontrolliert zusammenkracht und dass sie dann auch Parteien geradezu unter sich begräbt“, sagte Rödder. „Die CDU hat überhaupt kein Rezept, wie sie mit dieser Situation umgeht.“ Er schließt: „Insofern stehen wir, glaube ich, vor den dramatischsten Herausforderungen des politischen Systems seit dem Herbst 1989.“ sebe