Brasilien-Wahl: Lateinamerikas Rechte hoffen auf Bolsonaro
Javier Milei wird nicht müde, über die Wahl in Brasilien zu posten. Schon am Abend nach dem ersten Wahlgang feierte Argentiniens Präsident das gute Abschneiden von Flávio Bolsonaro in den sozialen Netzwerken und gratulierte seinem „lieben Freund“ zu einer „historischen Wahl“, die ihn in der Stichwahl Ende Oktober gegen den amtierenden brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zum Favoriten macht. Als die brasilianischen Finanzmärkte am Montag kräftig zulegten, legte Milei nach. Ein Linker verliere gegen einen Rechten und die Märkte feierten, schrieb er in einem der Beiträge. Am Ende stand nur das Kürzel „MAGA“.
Auch Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la Espriella mischte sich offen ein. Sein Herz sei bei Brasilien, schrieb er noch während der Auszählung. Der „wahre Wandel“ bestehe darin, die Linke zu besiegen. Venezuelas Oppositionsführerin María Corina Machado gratulierte Bolsonaro ebenfalls.
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Die letzte Lücke
Für die neue Rechte in der Region ist Brasilien das noch fehlende Schwergewicht. In Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien, Ecuador und Paraguay regieren inzwischen rechte oder konservative Präsidenten. Ein Sieg Bolsonaros würde den Rechtsruck in Südamerika nahezu vervollständigen. Selbst in Lulas Kampagne wird von einem Rechtsruck in der Region gesprochen, der keine Fehler erlaube.
Auffällig zurückhaltend bleibt Donald Trump. Der amerikanische Präsident lobte Bolsonaros Abschneiden nach der Wahl zwar als „großartig“, vermied aber eine ausdrückliche Wahlempfehlung. Dahinter steckt offenbar Kalkül. Nach Informationen der „Washington Post“ hält das Weiße Haus eine offene Unterstützung Bolsonaros für kontraproduktiv. Trumps frühere Eingriffe hatten Lula ermöglicht, sich als Verteidiger der Souveränität zu inszenieren. Nun hält Washington sich zurück. Dennoch bezog Bolsonaro sich auf Trumps knappen Kommentar, als er am Dienstag sagte, dass dieser Lulas zunehmende internationale Isolation zeige.
Eine der größten Gemeinsamkeiten der neuen Regierungen in der Region ist die demonstrative Nähe zu Trump. Ein wichtiges Bindeglied ist dabei der von Washington aufgebaute „Shield of the Americas“, ein Bündnis zur Bekämpfung von grenzüberschreitender Kriminalität. Lula lehnte einen Beitritt Brasiliens ab. Flávio Bolsonaro hat dagegen angekündigt, das Land im Fall eines Wahlsiegs anzuschließen und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten auszubauen.
Geopolitisches Gewicht
Brasiliens Beitritt hätte Gewicht. Mit dem Land käme nicht nur die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas hinzu, sondern auch ein Staat mit enormen Rohstoffreserven – darunter strategische Rohstoffe wie Seltene Erden –, einem ausgedehnten Territorium sowie einer 7000 Kilometer langen Küste am Südatlantik.
Auch Peking schaut deshalb genau nach Brasilien. Während Lula außenpolitisch auf Eigenständigkeit zwischen den beiden Mächten USA und China setzt, will Bolsonaro Brasilien enger an die Vereinigten Staaten binden. Er hat angekündigt, die Mitgliedschaft in der BRICS-Gruppe zu überprüfen, wirbt für eine strategische Partnerschaft mit Washington bei kritischen Mineralien und strebt ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA an.
Wie weit eine solche Neuorientierung gehen könnte, dürfte sich allerdings weniger an Mileis Beiträgen entscheiden als an Brasiliens wirtschaftlichen Interessen. China ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner und nimmt mehr als dreimal so viele brasilianische Exporte ab wie die Vereinigten Staaten. Bolsonaro betont deshalb inzwischen selbst, Brasilien müsse sich wirtschaftlich nicht zwischen Washington und Peking entscheiden.