Braunschweig: Fraunhofer forscht am Energiespeicher der Zukunft
Stand: 05.10.2026 17:35 Uhr
Fast 50 Millionen Euro stecken im neuen Fraunhofer-Zentrum "ZESS" in Braunschweig, das am Montag eröffnet worden ist. Auch Wasserstoff aus der Tube spielt dort künftig eine Rolle.
von Sabine Hausherr
Es geht um nichts Geringeres als die Energiespeicher der Zukunft, das wird deutlich, wenn man sich mit Jutta Janßen vom Fraunhofer-Zentrum für Schicht- und Oberflächentechnik über das neue "ZESS" unterhält. ZESS - das steht für "Zentrum für Energiespeicherung und Systeme" und ermöglicht den Wissenschaftlern auf 3.300 Quadratmetern ganz neue Forschungsmöglichkeiten. "Festkörperbatterien können sicherer und leistungsfähiger als die heutigen Batterien sein", sagt Janßen. Anders als Lithium-Ionen-Batterien nutzten sie einen festen statt eines flüssigen Elektrolyten.
Höhere Reichweite für E-Autos
Das könne die Sicherheit erhöhen und zugleich eine höhere Energiedichte ermöglichen. Damit kann also auf gleichem Raum mehr Energie gespeichert werden. Für Elektroautos wäre so langfristig eine höhere Reichweite möglich. Eine wichtige Frage ist dabei, wie sich Festkörperbatterien in großen Stückzahlen und zu vertretbaren Kosten herstellen lassen. Genau daran soll in Braunschweig geforscht werden.
Auch das Recycling der Batterien soll schon mitgedacht werden
Dafür gibt es im ZESS auf 3.300 Quadratmetern unterschiedliche Anlagen, etwa für die Herstellung von Beschichtungsmaterial oder Maschinen zum Beschichten. Auch ein spezieller Trockenraum zur Herstellung von Feststoffbatterien wurde eingerichtet. Doch nicht nur neue Materialien und Produktionstechnologien sollen erforscht werden. Auch das Recycling künftiger Batterien soll schon von Anfang an mitgedacht werden.
Wasserstoff aus der Tube
Neben Batterien soll Wasserstoff das zweite große Forschungsfeld werden. Die Forschenden setzen dabei vor allem auf die so genannte "Powerpaste". Der Wasserstoff wird dabei nicht als Gas unter hohem Druck gespeichert, sondern in einer kompakten, pastösen Masse gebunden - und ähnelt somit fast einer riesigen Tube Zahnpasta. Wenn die Paste mit Wasser in Berührung kommt, findet eine chemische Reaktion statt. Durch diese Reaktion entsteht das Wasserstoffgas.
Das Ziel: Neue Technologien zügig in die Industrie bringen
"Gerade für mobile Anwendungen wie etwa Drohnen und elektrische Fahrzeuge könnte das interessant sein", sagt Felix Teubner vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung Dresden. "Die Energiewende hängt auch davon ab, ob es gelingt, Wasserstoff günstig bereitzustellen - und vor allem effizient zu speichern", ergänzt Janßen, und genau das solle in Braunschweig nun voran getrieben werden. Sie spricht von einer "einmaligen Forschungsinfrastruktur". Das oberste Ziel dabei: Die neuen Verfahren und Materialien sollen möglichst zügig in die industrielle Anwendung kommen.
Knapp 50 Mio. Euro für die Forschungsinfrastruktur
Gebaut wurde das Zentrum seit Februar 2024. Es flossen 49,85 Millionen Euro in das Projekt. Finanziert wurde der Bau vom Bund und dem Land Niedersachsen. Von gut investiertem Geld sprach SPD-Wissenschaftsminister Falko Mohrs zur Eröffnung Montag.