Bremerhaven: "Mein Schiff 3" nach Kollision mit Containerschiffen beschädigt
Kollision der "Mein Schiff 3": Polizei ermittelt gegen Kapitän
Stand: 26.10.2026 15:39 Uhr
Nach dem Schiffsunfall in Bremerhaven hat die Polizei eigenen Angaben zufolge ein Verfahren gegen den Kapitän der "Mein Schiff 3" eingeleitet. Das Kreuzfahrtschiff war am Sonntag mit zwei Containerschiffen kollidiert.
Einen Tag nach der Kollision der "Mein Schiff 3" mit zwei Containerschiffen bestätigt die Polizei Ermittlungen gegen den Kapitän des TUI-Kreuzfahrtschiffes. "Es wird geprüft, ob er gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hat", teilte eine Polizeisprecherin mit. Eingeleitet wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Zuerst hatte RTL über die Ermittlungen berichtet. Die "Mein Schiff 3" war am Sonntag wegen einer Böe mit den beiden Containerschiffen kollidiert. Alle drei Schiffe wurden beschädigt. Die Polizei schätzt den Schaden auf eine Millionensumme. An dem kleineren Containerschiff war ein leichter, bei dem größeren ein erheblicher Schaden entstanden. Auch das TUI-Schiff war erheblich beschädigt worden.
"Die Verantwortung trägt immer der Kapitän"
In Bremerhaven gibt es laut des Leiters der Port Authority Bremen keine Windfahrverbote - die Entscheidung liegt beim Kapitän. Schiffe in Bremerhaven können also bei allen Windstärken rein und raus fahren, sofern es als sicher erachtet wird. "Es war die Entscheidung des Kapitäns, mit dem Schiff loszufahren", so Kapitän Stephan Berger dem NDR Niedersachsen. Schiffe hätten seiner Meinung nach in Bremerhaven selten Probleme mit dem Ab- und Anlegen. Es gebe sehr gute Hafenlotsen. "Die Verantwortung trägt immer der Kapitän, der Loste ist lediglich Berater", ergänzt Berger.
"Mein Schiff 3" von Böe erfasst und gegen Containerschiffe gedrückt
Wie die Polizei mitteilte, geschah der Unfall, als das Kreuzfahrtschiff bei stürmischem Wetter aus dem Hafen auslaufen sollte. Die von Schleppern unterstützte "Mein Schiff 3" wurde laut Polizei gegen 17.30 Uhr auf Höhe der Stromkaje von einer Böe erfasst und auf zwei dort festgemachte Containerschiffe gedrückt. Das größere Containerschiff sowie das Kreuzfahrtschiff wurden laut Polizei erheblich beschädigt. Zum Zeitpunkt des Ablegens herrschten in Bremerhaven laut mehreren Wetterportalen Windgeschwindigkeiten um die 40 Kilometer pro Stunde - das ist Windstärke 6. Meteorologen haben allerdings auch Sturmböen von bis zu 95 Kilometern pro Stunde aufgezeichnet. Die Kreuzfahrtreederei TUI Cruises äußerte sich dazu bisher nicht.
Video zeigt Kollision von Kreuzfahrtschiff
Auf einem Augenzeugenvideo, das die Deutsche Presse-Agentur verifiziert hat, ist zu sehen, wie das Kreuzfahrtschiff von Schleppern begleitet bei deutlichem Wellengang ausläuft. Dabei wird der Abstand zu einem an der Hafenmauer liegenden Containerschiff immer kleiner. Schließlich rammt das Kreuzfahrtschiff das Containerschiff, das Video ruckelt. "Ich glaube, das war es mit der Reise", sagt eine Frau in dem Video.
Backbordseite auf mehreren Metern aufgerissen
Bei dem Unfall waren laut Polizei Rettungsboote, dazugehörige Kräne und die Außenhaut der "Mein Schiff 3" beschädigt worden. Das Kreuzfahrtschiff fuhr nach dem Unfall zurück zum Terminal. Am Containerschiff wurde die Backbordseite auf mehreren Metern aufgerissen und Containerführungen deformiert. Alle drei am Unfall beteiligten Schiffe wurden mit einem Auslaufverbot belegt.
TUI Cruises: Schiff muss in die Werft
Ziel der "Mein Schiff 3" waren die Kanarischen Inseln. Daraus wird zunächst nichts: Die Hamburger Kreuzfahrtreederei TUI Cruises hat die Reise abgesagt. "Wir wissen, wie sehr sich unsere Gäste auf diese Reise gefreut haben und bedauern die damit verbundenen Unannehmlichkeiten sehr", teilte eine Sprecherin dem NDR Niedersachsen mit. Das Schiff müsse in einer Werft repariert werden, die Absage sei "die einzig verantwortungsvolle Entscheidung", so die Sprecherin. Die Passagiere wurden nach NDR Informationen am Vormittag informiert, nach Hause zu fahren.
"Mein Schiff 3": Mehr als 3.400 Menschen an Bord
Bei keinem der Schiffe sei es zu einem Wassereinbruch oder Verletzten gekommen, so die Polizei. An Bord des Kreuzfahrtschiffs waren zum Unfallzeitpunkt 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder, so die Hamburger Kreuzfahrtreederei TUI Cruises. Technische Teams und Experten untersuchen nach der Rückkehr zum Pier die "Mein Schiff 3", so eine Sprecherin.
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | NDR Info | 26.10.2026 | 15:00 Uhr