Brent über 110 US-Dollar, DAX im Rückwärtsgang: Wird es nun richtig ungemütlich?
"Das ist aktuell ein Trading-Markt", sagt Thomas Altmann von QC Partners. Anleger kauften bei fallenden Kursen schnell zu und stiegen bei steigenden ebenso schnell aus. Hierzulande laufe die Berichtssaison zwar rund. Doch wenn Asien und die US-Futures schwächeln, habe der DAX kaum Eigenleben. Er bleibe in seiner Seitwärtsrange gefangen. Ob er nach oben oder unten ausbreche, sei völlig offen.
SAP: Die Cloud gibt wieder Gas
Einen Lichtblick liefert SAP. Am Mittwochabend meldete der Softwarekonzern für das dritte Quartal wieder etwas mehr Tempo in der Cloud. Der Auftragsbestand dort kletterte währungsbereinigt um 26 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz um 25 Prozent auf 6,67 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn sprang um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro. Konzernchef Christian Klein peilt beim Cloud-Wachstum nun das obere Ende der Prognose an. Finanzchef Dominik Asam warnte allerdings vor Risiken im wichtigen Schlussquartal. Vorbörslich legte die Aktie rund zwei Prozent zu.
Wall Street: SpaceX beruhigt die Nerven
An der Wall Street hatte der Mittwoch noch Mut gemacht. Der S&P 500 stieg um 0,6 Prozent auf 7.757 Punkte, der Nasdaq Composite um 1,1 Prozent. Für Schwung sorgte SpaceX. Die Raumfahrtfirma von Elon Musk meldete ihren ersten Gewinn als börsennotiertes Unternehmen. Die Aktie sprang um 7,8 Prozent.
Super Micro Computer gewann nach einer starken Prognose 9,6 Prozent. Für Angelo Kourkafas von Edward Jones ist das ein guter Anfang, um die Zweifel an künstlicher Intelligenz zu dämpfen. Telekomwerte gerieten dagegen unter Druck. AT&T verlor 6,5 Prozent, weil Anleger SpaceX als neuen Rivalen im Mobilfunk fürchten.
Meta und Tesla: Teure Wetten auf künstliche Intelligenz
Nach Börsenschluss folgten Meta und Tesla. Meta steigerte den Umsatz um 26 Prozent auf 64,6 Milliarden US-Dollar, stellte für Rechtsstreitigkeiten aber fast zehn Milliarden US-Dollar zurück. Zudem verurteilte ein Richter in New Mexico den Konzern zu einer Strafe von 25 Milliarden US-Dollar. Trotzdem will Meta in diesem Jahr bis zu 145 Milliarden US-Dollar in künstliche Intelligenz und Rechenzentren stecken. "Unsere Investitionen zahlen sich aus", sagte Mark Zuckerberg. Die Aktie stieg nachbörslich um rund zwei Prozent.
Bei Tesla brach der Gewinn um 43 Prozent auf 787 Millionen US-Dollar ein. Die Aktie drehte nachbörslich ins Minus, nachdem Tesla laut Bloomberg die geplanten Investitionen gekappt hatte.
Öl: Angst vor dem Flächenbrand am Golf
Brent kostete am Morgen um die 111 US-Dollar je Barrel.
Die Huthi-Rebellen aus dem Jemen griffen erneut Ziele in Saudi-Arabien an. Dabei starben mindestens drei Menschen. Die USA ziehen einige Diplomaten und deren Familien aus dem Königreich ab. Mit schneller Entspannung rechnet der Markt nicht.
Devisen und Notenbanken: Warten auf die Zinssignale
Der US-Dollar legt vor einer Woche voller Notenbanksitzungen eine Pause ein. Die Europäische Zentralbank dürfte den Leitzins bei 2,5 Prozent belassen. Eine Erhöhung bis Jahresende gilt aber als so gut wie sicher. Bei der US-Notenbank Fed sehen Händler laut der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange für Dezember eine Zinserhöhung mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit. Der Euro hält sich trotz der Haushaltssorgen in Frankreich über 1,12 US-Dollar.
Gold: Teures Öl kostet Glanz
Die Feinunze Gold fiel um 1,1 Prozent auf 4.094 US-Dollar, den tiefsten Stand seit dem 14. Oktober. Teures Öl schürt die Inflationsangst und damit die Erwartung länger hoher Zinsen, erklärt Kelvin Wong von OANDA. Das zinslose Edelmetall verliert dadurch an Reiz.
Fazit
Die Börsen schwanken zwischen starken Firmenzahlen und der Angst vor einer Eskalation am Golf. Solange Öl über 110 US-Dollar kostet und die Notenbanken mit höheren Zinsen drohen, fehlt dem DAX der Schwung für den Ausbruch nach oben. SAP zeigt, dass die Berichtssaison hierzulande trägt. Die Aktie ist nach der Erholung aber kein Schnäppchen mehr. Die Zinsentscheide der kommenden Woche dürften die Richtung vorgeben.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion