Brille, Lochkamera oder Nudelsieb?: Wie man die Sonnenfinsternis 2026 sicher beobachten kann
Am 12. August ist es wieder so weit: In Deutschland findet in den Abendstunden eine partielle Sonnenfinsternis statt, bei der die Sonne immerhin bis zu 90 Prozent vom Mond verdeckt wird. Wir verraten Ihnen, wie sich das astronomische Highlight sicher und augenschonend beobachten lässt und welche kurzfristigen Alternativen es gibt, falls man keine der heiß begehrten Spezialbrillen mehr ergattern konnte. Wer die partielle Sonnenfinsternis bestaunen möchte, sollte besondere Vorsicht walten lassen. Schauen Sie niemals direkt in die Sonne! Hier drohen schwere und vor allem irreparable Augenschäden. Besonders tückisch daran: Netzhautschäden schmerzen nicht sofort. Es gibt also keine Warnsignale, durch die sich schwerwiegende Verletzungen ankündigen. Sonnenfinsternis beobachten: Vorsicht vor Improvisation Die wohl bekannteste Methode zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis sind spezielle Schutzbrillen (auch SoFi-Brillen genannt). Weil diese in den vergangenen Jahren allerdings schnell vergriffen waren, greifen vermeintlich gewiefte Astro-Fans immer wieder zu kreativen Beobachtungsmethoden, die allerdings gehörig ins Auge gehen und die Netzhaut schädigen können. Welche Methoden sind absolute No-Gos und was ist von den gängigen Alternativen zu halten? 1. Sonnenfinsternisbrille Die sicherste und bequemste Methode für die Beobachtung ist sicherlich die Sonnenfinsternisbrille mit Spezialfolie, durch die höchstens 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchkommen. Mitunter sind diese sogenannten SoFi-Brillen im Einzelhandel erhältlich. Auch im Internet werden solche speziellen Sonnenfinsternisbrillen angeboten. Hier sollte allerdings unbedingt darauf geachtet werden, dass die Brillen ISO-zertifiziert und mit dem CE-Symbol versehen sind, wie etwa das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betont. In den vergangenen Jahren wurden im Internet mitunter Plagiate angeboten – so etwa im Jahr 2015, als via Amazon massenweise angebliche Spezialbrillen der Marke Zeiss verkauft wurden, die jedoch gar nicht von dem Traditionsunternehmen hergestellt wurden. Der Direktor des Berliner Planetariums, Tim Florian Horn, rät dazu, sich die Spezialbrillen bei „zuverlässigen Shops für Astrozubehör“ zu besorgen. Generell führen Online-Shops wie das Baader Planetarium mit Produkten von Herstellern wie „AstroSolar“ oder „Bresser“ solche Sonnenfinsternisbrillen im Sortiment. Allerdings sind diese Spezialbrillen meist schnell vergriffen. Wo man in Berlin jetzt noch solche heiß begehrten SoFi-Brillen bekommen kann, erfahren Sie in diesem Artikel. 2. Lochkamera (Camera obscura) Mithilfe einer sogenannten Lochkamera (auch: Camera obscura) lässt sich die Sonnenfinsternis bestens beobachten – und zwar auf indirektem Wege. Dabei dringt das Licht der Sonne durch eine kleine Öffnung auf eine Projektionsfläche in einer Kiste. Die Sonne lässt sich anschließend auf der Fläche als Schattenbild bewundern. Absolut ungefährlich, auch für Kinder geeignet und laut Bundesamt für Strahlenschutz die „sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung“. Auch Felix Lühning von der Stiftung Planetarium Berlin hält diese Methode für sicher – übrigens auch, wenn die Lochkamera in Richtung Sonne ausgerichtet wird. „Allein durch die Lochprojektion wird das Sonnenlicht genügend abgeschwächt“, versichert der Experte dem Tagesspiegel auf Nachfrage. Man darf nur unter keinen Umständen an der Camera obscura vorbei direkt in das Sonnenlicht blicken. Wem das noch zu heikel ist, der kann sich aus Pappe einen Blendschutz basteln oder sich beim Beobachten ein Tuch oder eine Jacke über den Kopf werfen. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlichte via X eine Anleitung für eine Camera obscura. Dafür benötigt man einen Karton, Butterbrotpapier (durchscheinend – nicht durchsichtig), ein Cuttermesser, eine Schere und blickdichtes Klebeband. Das Goddard Space Flight Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa veröffentlichte eine Anleitung für eine Camera obscura, die man problemlos aus einem Karton für Frühstückscerealien basteln kann. In dem englischsprachigen Video erklärt die kleine Parker, wie man diese Lochkamera im Handumdrehen selbst baut: 3. Nudelsieb Das Camera-obscura-Prinzip lässt sich nicht nur auf Kartonbasteleien anwenden, sondern funktioniert auch bei eher unkonventionellen Beobachtungsmethoden: Wer weder Schutzbrille noch Lochkamera zur Hand hat, kann kurzerhand auf ein Nudelsieb mit kleinen Löchern zurückgreifen. Dabei geht man wie folgt vor: Nudelsieb im richtigen Winkel in die Sonne halten. Achtung! Auch hier gilt: Zu keinem Zeitpunkt direkt in die Sonne schauen. Auf dem Boden und Schatten des Nudelsiebs ein weißes Blatt Papier platzieren. Scharfstellen, indem man die Entfernung zwischen Nudelsieb und Schatten variiert. Durch die kleinen Löcher des Nudelsiebs wird ein Abbild der Sonne auf das weiße Papier projiziert. Auch die zunächst „angeknabbert“ wirkende Sonnenscheibe und schließlich die Sonnensichel sollten dabei deutlich erkennbar zutage treten. 4. Zwei Blätter Papier Keine Spezialbrille, Lochkamera und nicht einmal ein Nudelsieb zur Hand? Die nachfolgende Beobachtungsvariante sollte wirklich jeder parat haben. Für den Sonnenprojektor werden lediglich zwei Blätter weißes Papier und eine Reißzwecke oder Nadel benötigt. In eines der beiden Papiere wird mittig mit einer Reißzwecke oder Nadel ein kleines, möglichst rundes Loch gepiekst. Anschließend stellt man sich mit dem Rücken zur Sonne auf und lässt das Licht auf das Papier mit dem Loch scheinen. Dann wird ein zweites Blatt Papier auf dem Boden platziert. Schließlich positioniert man sich selbst so, dass der Schatten des hochgehaltenen Papiers mittig darauf fällt. An der Stelle, wo das Loch auf das Bodenpapier projiziert wird, sollte nun der Umriss der Sonne sichtbar werden – samt Sonnensichel. Man solle sich allerdings auch hier niemals umdrehen und direkt in die Sonne schauen, mahnen Experten. 5. Livestreams Wer für die Beobachtung der Sonnenfinsternis 2026 nicht einmal das Haus verlassen möchte, kann auf einen der zahlreichen Livestreams zurückgreifen. In diesem Jahr werden hochauflösende Liveübertragungen wieder von der Nasa und dem „Royal Observatory Greenwich“ in London angeboten. Auch der Verein „Astronomischer Arbeitskreis Kassel“ wird 2026 wieder einen Livestream des Himmelsspektakels zeigen. Am 12. August sollen ab 18.30 Uhr nicht nur Livebilder der partiellen Sonnenfinsternis aus der Kasseler Sternwarte, sondern auch Aufnahmen der totalen Finsternis aus Spanien und Island gezeigt werden – so denn das Wetter mitspielt. Die Stiftung Planetarium Berlin bietet zum „Langen Tag der Astronomie“ in der Hauptstadt vor Ort gleich mehrere moderierte Livestreams und Mitmachaktionen für Groß und Klein an. Im Zeiss-Großplanetarium in der Prenzlauer Allee werden jeweils im Kinosaal und im Foyer ab 18 Uhr Liveübertragungen gezeigt. Im Außenbereich soll es zudem Beobachtungsmöglichkeiten mit Teleskopen unter fachkundiger Anleitung geben. Mehr Informationen zu Beobachtungsmöglichkeiten in Berlin haben wir hier für Sie zusammengestellt.