DAX +0,72 % 25.889,15 Pkt 11:26:00 MDAX +0,43 % 30.556,86 Pkt 11:26:00 Euro Stoxx 50 -0,88 % 6.152,63 Pkt 11:26:00 Dow Jones -0,07 % 52.342,56 Pkt 21:33:51 S&P 500 -0,03 % 7.720,39 Pkt 21:32:46 Nasdaq -1,11 % 26.184,73 Pkt 22:15:59 Nikkei -2,12 % 63.290,11 Pkt 07:45:03 Gold -0,99 % 3.991,30 USD 11:30:58 Silber -3,04 % 50,61 USD 11:30:59 Brent -1,20 % 113,50 USD 11:30:55 WTI +2,09 % 104,13 USD 11:30:59 Bitcoin -0,21 % 77.608,91 USD 11:40:58 EUR/USD +0,45 % 1,12060 USD 11:40:43 EUR/GBP -0,31 % 0,83430 GBP 11:41:01 EUR/CHF -0,35 % 0,92040 CHF 11:41:00 EUR/JPY +0,10 % 176,237 JPY 11:41:01

Brötchen bis Baumaterial: So trifft der hohe Ölpreis Bremer im Alltag

Wirtschaft

Seit Ausbruch des Irankriegs haben sich Rohöl und davon abhängige Produkte deutlich verteuert. Das trifft Bremer Wirtschaft und Verbraucher empfindlich. Ein Überblick.

Nach der Corona-Pandemie und dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte Bremens Wirtschaft zumindest im April noch gehofft, dass die fast vollständige Blockade der Straße von Hormus nur einen vorübergehenden Schock für die Preise wichtiger Produkte nach sich ziehen würde. Doch daraus wurde nichts.

Wir haben mit Handwerkern und Unternehmern darüber gesprochen, wie es ihnen in den gut sechs Monaten seit Kriegsbeginn Ende Februar bis zu den neuen Höchstpreisen an der Zapfsäule Mitte September ergangen ist.

1 Kraftstoff: Kostenschock für Pendler

Die Weltmarktpreise für ein Fass Rohöl (159 Liter) notierten in dieser Woche bei deutlich über 100 US-Dollar. Die Preise für E10-Benzin und Diesel haben zugleich Mitte September Rekordhöhen erreicht.

Dies trifft der Arbeitnehmerkammer zufolge allein in Bremen einen Großteil der rund 132.500 Einpendler und weitere gut 20.000 Berufstätige, die nach Bremerhaven pendeln – die meisten mit dem Auto. Für Pendler, die längere Strecken zurücklegen müssen, liegen die monatlichen Tankkosten dabei mitunter mehr als 100 Euro höher als vor der Krise, als Benzin- und Dieselpreise noch um die Marke von 1,70 Euro pendelten.

"Fast nicht stemmbar": Wie Bremer mit den Rekord-Spritpreisen umgehen

Die Preise für Benzin und Diesel sind so hoch wie noch nie. Wie gehen Menschen aus Bremen und Umgebung damit um, dass sie an der Tankstelle tief in die Tasche greifen müssen?

2 Speditionen: Dieselkosten werden durchgereicht

Auch Spediteure blicken mit Sorge auf die fortdauernde Krise. "Die Preise, die wir derzeit haben, gehen mir durch den Kopf und ich habe auch Angst", sagt Dejan Ilic, Geschäftsführer des Logistikers Weser-Trans in Groß Ippener. Seine Spedition setzt auf rund 130 dieselbetriebene Sattelzüge, die ausschließlich Lebensmittel transportieren.

Zum Vergleich: Das Tankvolumen eines 40-Tonnen-Lkw liegt meist zwischen 800 und 1.500 Litern Diesel. Bei derzeit rund 70 Cent mehr pro Liter ergeben sich zusätzliche Kosten von rund 560 bis 1.050 Euro pro Tankfüllung im Vergleich zum Preisniveau vor der Blockade der Straße von Hormus.

Ilic geht davon aus, dass er die gestiegenen Treibstoffkosten an seine Kunden weitergeben muss. Das könnte sich letztlich auch in steigenden Lebensmittelpreisen für die Verbraucher niederschlagen.

Spritpreise in Bremen auf Rekordhoch: "Kann wieder keiner erklären"

Die Preise schießen in die Höhe und belasten Bremer Autofahrer. Auch Transportunternehmen haben damit zu kämpfen. Der ADAC kann den Anstieg nicht nachvollziehen.

Auch Handwerker müssen weiterhin deutlich mehr für Sprit bezahlen als vor dem Irankrieg. Für einen Baubetrieb mit rund 100 Mitarbeitenden und etwa 50 Fahrzeugen hatte Handwerkskammer-Präsident Thomas Kurzke schon im April monatliche Mehrkosten für Treibstoff von rund 4.000 bis 5.000 Euro geschätzt. "Seitdem ist die Situation eher noch schwieriger geworden", sagt er mit Blick auf die neuen Rekordpreise für Diesel-Kraftstoff.

3 Gas und Heizöl: Teurer Start in die Heizsaison

Der Irankrieg treibt auch die Gaspreise. Kurz vor Beginn der Heizsaison zahlen Neukunden dem Vergleichsportal Verivox zufolge Mitte September rund 12,4 Cent pro Kilowattstunde. Vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es 8,4 Cent. Das ist eine Steigerung von fast 50 Prozent.

In Bremen ist das längst auch bei Bestandskunden angekommen: Die SWB hob den Erdgas-Verbrauchspreis Anfang Juli dieses Jahres um 0,47 Cent je Kilowattstunde an. Für einen Haushalt mit 18.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das nach Angaben des Unternehmens rund 85 Euro mehr im Jahr.

Noch deutlicher fällt der Sprung beim Heizöl aus. Dem Preisvergleichsportal Esyoil zufolge lagen die Preise für eine Bestellmenge von 3.000 Litern in Bremen kurz vor Kriegsbeginn am 28. Februar noch bei 100,76 Euro je 100 Liter. Im März schoss der Preis auf bis zu 161,54 Euro. Am 17. September wurden inzwischen sogar 176,34 Euro fällig – rund 75 Prozent mehr als vor Kriegsbeginn. Das heißt, für eine 3.000-Liter-Lieferung zahlen Heizöl-Kunden derzeit rund 5.290 Euro – also rund 2.270 Euro mehr als unmittelbar vor Kriegsbeginn.

4 Lebensmittel: Die Verarbeiter ächzen

Energieintensive Betriebe in Industrie und Handwerk treffen die Kostensteigerungen für Gas, Öl und Strom besonders hart. 10.000 Liter Heizöl im Jahr verbraucht die Bremer Bäckerei Büser allein zum Betrieb ihres Öl-Ofens. Schon im April musste Geschäftsführer Peter Büser einen Preisaufschlag von rund 50 Prozent hinnehmen, als er 3.500 Liter Öl bestellte. Und die nächste Bestellung steht an. "Wahrscheinlich wird der Öl-Ofen jetzt nochmal teurer", sagt Büser. "Wir wissen bald nicht mehr, wohin und woher."

Zumindest gebe es von Seiten der Zulieferer inzwischen weniger Engpässe bei Vorprodukten, sagt der Bäckermeister. Die Preise für "weiße Ware" wie Zucker oder Molkereiprodukte blieben hoch. Besonders von Preisschüben betroffen seien allerdings Lebensmittel, die Büser in seiner Bäckerei selbst weiterverarbeitet.

Obstsorten, Kirschen, Rhabarber, alles was über die Straße angeliefert wird, das wird teurer.

Peter Büser, Obermeister der Bäcker-Innung Bremen

Büser geht bei solchen Lebensmitteln von weiteren Preissteigerungen zwischen 15 und 20 Prozent aus. "Wir haben im Mai um zehn Prozent erhöht", sagt der Bäckermeister. Wenn das jetzt zu Buche schlage, müssten die Preise für Brötchen und Co. im Herbst nochmal um zehn Prozent erhöht werden. "Und jedes Mal, wenn Sie erhöhen, fallen Ihnen Kunden weg", sagt Büser. Dennoch habe er keine Wahl. "In diesem Jahr habe ich noch kein Geld verdient – wir leben von dem, was wir einnehmen." Die vierzehntägigen Betriebsferien im Sommer habe er aus seinen Rücklagen finanziert.

5 Dünger: Kurze Entspannung für Bauern

Bei den Düngerpreisen hat sich die Lage gegenüber dem Frühjahr hingegen entspannt. Der international gehandelte Stickstoffdünger Urea, dessen Preis nach Beginn des Irankriegs von 472 US-Dollar pro Tonne im Februar auf 725,60 Dollar im März gestiegen war, kostet Mitte September wieder rund 460 Dollar pro Tonne. Das ist praktisch das Niveau von vor Kriegsbeginn.

Eine vollständige Entwarnung gibt es aber auch hier nicht: Seit Mitte August zieht der internationale Urea-Preis wieder deutlich an – allein im vergangenen Monat um knapp 18 Prozent. Das trifft vor allem Ackerbaubetriebe im Bremer Umland. In Bremen selbst dominiert auf den Grünlandflächen von Blockland und Werderland die Milchwirtschaft, für die Urea kaum eine Rolle spielt.

6 Fenster, Glas und Co: Handwerk unter Kostendruck

Kurz nach dem Ausbruch des Irankriegs meldete das Handwerk "fast tägliche Preisanhebungen durch Hersteller oder Lieferanten". Vor allem energieintensive Produktion habe sich stark verteuert, sagt Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke, und nennt Tischlereien, Lebensmittelbetriebe und vor allem auch Bäckereien als Beispiele. Auch Glas, das bei der Herstellung sehr energieintensiv sei, habe sich stark verteuert.

Die Branchen stünden dabei unterschiedlich stark unter Druck, sagt Kurzke.

Alles, was jetzt nicht unbedingt gemacht werden muss, das verschiebt man gerne – nicht alle Branchen haben eine Vollauslastung.

Thomas Kurzke, Bremer Handwerkskammer-Präses

Bei Heizung, Sanitär und Elektro sei es noch am wenigsten zu spüren.

7 Dachbahnen und Tonziegel: Engpässe gefährden Aufträge

Besonders hart trifft es seit März die Bremer Dachdecker. "Alles, was mit Öl zu tun hat, merken wir sofort", sagt der Bremer Dachdeckermeister Sascha Apel. Haupttreiber seiner Kosten sind Bitumen-Schweißbahnen, die auf Dächern ausgerollt werden, und Wärmedämmungen. "Bei uns, wir machen viele große Flachdächer, macht das locker bis zu 60 Prozent aus", sagt Apel.

Die Preise für Bitumen-Bahnen seien im März um zehn Prozent, im April um 15 Prozent und im Mai um weitere fünf Prozent gestiegen, sagt Apel. Danach seien sie zwar zwischenzeitlich wieder um zehn Prozent gefallen. "Jetzt geht es aber schon wieder um 10 bis 15 Prozent rauf."

Aufträge, die auf älteren Angeboten beruhten, müssten nun ständig nachverhandelt werden, sagt Apel. "Wir hatten auch schon, dass der Kunde es dann nicht mehr macht, weil sein Budget es nicht mehr hergibt."

Das nächste Produkt, das dem Dachdecker Sorgen macht, sind Tonziegel. "Die werden mit Gas gebrannt", sagt der Dachdecker. Die Preiserhöhung angesichts der ebenfalls gestiegenen Gaspreise komme dann etwas zeitversetzt, aber sie komme sicher.

8 Straßenbau: Langfristverträge federn Preisdruck ab

Auch im Straßenbau wird Bitumen verwendet. Beim Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV) ist der Preisanstieg bislang allerdings noch nicht angekommen. "Aktuelle Straßenbaumaßnahmen sind nicht von den jüngsten Preisanstiegen betroffen", sagt ASV-Sprecherin Andrea Voth. Laufende Maßnahmen liefen über Jahresverträge mit Preisbindung, größere Vorhaben seien vor Kriegsbeginn ausgeschrieben worden. Preissteigerungen hätten sich deshalb "noch nicht in größerem Umfang bemerkbar gemacht", sagt Voth.

Perspektivisch rechnet die Behörde allerdings mit steigenden Preisen. Die amtliche Statistik zeigt bereits, wohin es geht: Bitumen war im Mai 2026 gut 56 Prozent teurer als fünf Jahre zuvor.

Diesen Artikel haben wir erstmals im April 2026 veröffentlicht. Wir haben ihn überarbeitet und an die aktuelle Situation angepasst

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren