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Bryan Johnson: „Ich habe mich gerade geklont” - was er eigentlich meint

Wissenschaft

Keine vier Wochen ist es her, dass Tech-Millionär und Longevity-Guru Bryan Johnson weltweit für Schlagzeilen sorgte. Ende Juni 2026 verkündete der US-Amerikaner, sein „Magen frisst sich selbst auf“. Ursache sei eine noch unheilbare und autoimmunbedingte Form der chronischen Magenschleimhautentzündung, auch Gastritis genannt. Diese greift die Zellen der Schleimhaut an, frisst sie aber nicht auf. Nun schockt er seine Follower auf der Plattform X erneut: „Ich habe mich gerade geklont … als Neugeborenes“. Damit will er seinem Ziel, eine Heilung für seine Autoimmungastritis zu finden, einen Schritt näher kommen. Nach der Diagnose hatte er verkündet, ein Labormodell seiner Immunzellen herzustellen. Mit diesem „Bryan in der Petrischale“ will er neue Therapien testen. Der erste Schritt dahin scheint ihm nun gelungen, wie er verkündet: „Dieser kleine Bryan lebt vorerst in einer Petrischale“, schreibt er auf X. Vorweg: Johnson hat sich nicht geklont Trotz der reißerischen Formulierung hat Johnson keinen Menschen und auch kein „Baby-Bryan“ erzeugt. Der Begriff „Klon“ ist irreführend – darüber hinaus wäre das in den USA wie auch in Deutschland verboten. Was er beschreibt, ist ein seit Langem bekanntes Verfahren der Stammzellforschung: die Herstellung sogenannter induzierter pluripotenter Stammzellen, kurz iPSC oder iPS-Zellen. ANZEIGE ANZEIGE Der Ablauf, den Johnson selbst beschreibt, ist dabei korrekt: Ihm wurde Blut abgenommen. Aus dem Blut wurden Körperzellen isoliert. Diese Zellen wurden mit sogenannten Yamanaka-Faktoren behandelt – einer Kombination aus vier Proteinen (Oct4, Sox2, Klf4 und c-Myc), die reife Körperzellen in einen embryonalen Zustand zurückversetzen können. Das Ergebnis: Zellen, die sich ahnlich wie embryonale Stammzellen verhalten – also wie Zellen in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Solche sogenannten pluripotenten Zellen können sich theoretisch in fast jede Zellart des Körpers entwickeln, etwa in Herzmuskelzellen oder Zellen der Netzhaut. Dieses Verfahren wurde vom japanischen Forscher Shin'ya Yamanaka entwickelt, der dafür 2012 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Es handelt sich um eine etablierte Labortechnik, die in Forschungslaboren weltweit routinemäßig eingesetzt wird. In der Petrischale liegt also kein „Baby-Bryan“, sondern eine Ansammlung umprogrammierter Stammzellen. iPSC-Zellen sind Gegenstand der Forschung Wie Johnson in seinem Post richtig schreibt, testen Forscher iPS-Zelltherapien zum Beispiel bei Parkinson, bestimmten Herzerkrankungen und Sehkraft. Tatsächlich laufen zahlreiche klinische Studien mit iPSC-basierten Therapien. Am weitesten fortgeschritten ist die Forschung bei Parkinson: An der Universität Kyoto zeigten vier von sechs Patienten nach einer Transplantation von iPSC-Nervenzellen deutliche motorische Verbesserungen. Auch bei der altersbedingten Makuladegeneration, einer Augenerkrankung, werden iPSC-Netzhautzellen bereits in Studien getestet. Was er nicht schreibt: Selbst in diesen fortschrittlichsten Studien befinden sich die meisten iPSC-Therapien erst in frühen klinischen Phasen. Das bedeutet: Die Sicherheit wird noch geprüft, ein Nachweis der Wirksamkeit steht aus. In seinem Beitrag erwähnt Johnson außerdem die Risiken der Technologie mit keinem Wort. Dabei sind gerade diese der Hauptgrund, warum iPSC-Therapien trotz fast 20 Jahren Forschung noch nicht breit verfügbar sind. So können beim Umprogrammieren der Zellen etwa Fehler im Erbgut entstehen, die im schlimmsten Fall zu unkontrolliertem Zellwachstum, also Krebs, führen. Moderne Herstellungsverfahren haben dieses Risiko allerdings deutlich reduziert. Was Johnson konkret vorhat In seinem Post beschreibt Johnson auch, was er mit den Zellen vorhat. Darunter zum Beispiel: Therapien im Labor testen, ohne seinen eigenen Körper zu belasten Zellen züchten, die beschädigtes Gewebe ersetzen könnten langfristig sogar Organe für eine Transplantation wachsen lassen Wörtlich schreibt Johnson, er könne „damit Organe züchten und meinen Körper Organ für Organ reparieren“. Das ist stark übertrieben. Zwar können iPSCs im Labor bereits in verschiedene Zelltypen umgewandelt werden. Ein komplettes, funktionsfähiges Organ daraus zu züchten, ist aber nach aktuellem Stand der Forschung nicht möglich. Zwischen einzelnen Zellen in einer Petrischale und einem transplantierbaren Organ liegen noch Jahrzehnte an Forschung – wenn es überhaupt möglich wird. Johnson behauptet außerdem: „Diese Technologie gibt uns einen Weg, das Altern umzukehren“. Dabei handelt es sich eher um eine Vision, nicht um gesicherte Wissenschaft. Das Zurücksetzen des Zellalters im Labor funktioniert tatsächlich, das ist der Kern der Yamanaka-Methode. Ob sich damit das Altern eines gesamten menschlichen Körpers umkehren lässt, ist aber eine ganz andere Frage, die bisher niemand beantworten kann.

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