Bücher für KI-Training: Kaufen KI-Firmen Bücher, um sie zu scannen - und dann zu schreddern?
Sie lesen den KI-Newsletter »Natürlich intelligent« vom 20. August 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Kaum ein Accessoire ist wohl so schnell in Verruf geraten wie die KI-Brille von Meta. Die Menschenrechtsorganisation HateAid hat vergangene Woche Strafanzeige gegen Meta gestellt, weil hauptsächlich Frauen jederzeit damit rechnen müssten, gefilmt und anschließend im Internet bloßgestellt zu werden. Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie hat vergangenen Donnerstag eine Petition gegen die »Spanner-Brillen« initiiert, die inzwischen über 170.000 Menschen unterzeichnet haben, und fordert, Kamerabrillen, die heimliches Filmen ermöglichen, gänzlich zu verbieten. Es gibt bereits eine Alternative: Der Suchmaschinenanbieter DuckDuckGo wirbt für seine garantiert KI-freie Sonnenbrille ganz ohne Kamera. Sie schütze sogar vor Sonne. Begeisterte Nutzer berichten: »Niemand hat mich am Strand gefragt, ob ich ihn heimlich filme.« Ein großer Vorteil in der aufgeheizten Debatte. Das müssen Sie wissen: Werbung in ChatGPT kommt auch in Deutschland In wenigen Tagen endet eine Ära, die Zeit der werbefreien Nutzung von ChatGPT ist bald vorbei. Denn ab kommenden Montag soll es nach den USA, Japan und Großbritannien auch in Deutschland Anzeigen im KI-Chatbot geben. Das betrifft all jene Nutzer, die ChatGPT bislang in der kostenlosen Version nutzen oder das vergünstigte Abo ChatGPT Go haben, ausgeschlossen sind neben den regulären Abonnenten unter anderem all jene, von denen OpenAI annimmt, es handele sich um minderjährige Nutzer. Konkret bedeutet das: Künftig sieht man im Chatverlauf Anzeigen, die als solche gekennzeichnet sind. Inhaltlich passend zur jeweiligen Anfrage sollen dann unterschiedliche Werbebanner eingeblendet werden. Die Anzeigen sollen sich auf die jeweiligen Inhalte, zunächst aber nicht auf die einzelnen User beziehen. OpenAI will seine Anzeigen also nicht als personalisierte Werbung verstanden wissen, ältere Chats sollen dafür nicht ausgewertet werden. Wer sichergehen will, sollte unter »Anzeigenkontrollen« prüfen, ob dort »Anzeigen personalisieren« deaktiviert ist. Dann bezieht sich die Werbung nur noch auf den aktuellen Chatverlauf. Die Antworten als solche sollen durch die Werbung nicht beeinflusst werden, versichert das US-amerikanische Unternehmen. Eine Möglichkeit bleibt laut OpenAI, die Werbung zu umgehen – es soll weiterhin eine kostenlose und werbefreie Option geben. Die kommt aber mit Einschränkungen. Nutzer können weniger Anfragen stellen als bislang und auf bestimmte Features nicht mehr zugreifen. So oder so sitzt OpenAI auf einem wertvollen Datenschatz für Werbung: Schließlich stellen Menschen persönlichste Fragen an den Chatbot. Wir schwingen schon mal jetzt das Nostalgie-Taschentuch. Vielleicht werden wir uns eines Tages wehmütig an diese Zeit vor der Werbung zurückerinnern. Darüber sollten Sie nachdenken: Werden Bücher fürs KI-Training geschreddert? Schon seit Längerem gibt es Gerüchte, laut derer KI-Firmen seltene Bücher von deutschen Antiquariaten aufkaufen, um ihre KI-Modelle damit zu trainieren – und sie anschließend vernichten. In Online-Foren melden deutsche Antiquariate auffällige Großbestellungen wie die des kanadisch-amerikanischen Unternehmens Zoom Books. Das berichtet unter anderem der Südwestrundfunk (SWR). Nachgefragt werden wohl vor allem Sachbücher aus den 1970er-Jahren, die betreffenden Werke wären also heute um die 50 Jahre alt – und damit garantiert KI-frei. Auch wenn es sich teilweise um schwer verkäufliche Werke handelt, sorgen sich Buchhändler, dass KI-Firmen hier Kulturgut unwiderruflich vernichten. Diese Vermutung wird auch durch ein geheimes Planungsdokument des KI-Unternehmens Anthropic von 2024 gestützt. Ziel des dort beschriebenen Project Panama sei es, alle Bücher der Welt »destruktiv zu scannen«, also Bücher beim Scannen absichtlich zu zerstören. Bereits im Januar dieses Jahres berichtete die Washington Post, Anthropic habe millionenfach Bücher eingekauft, eingescannt und dann vernichtet, weil dann die sogenannte »Fair Use«-Regelung griff. Die erlaubt in diesem Fall ein KI-Training mit Büchern, wenn Anthropic diese legal anschafft – und danach vernichtet. KI-Unternehmen dementieren die Vorwürfe. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur teilt Anthropic mit: »Bei keinem unserer Programme zum Datenankauf werden seltene oder antiquarische Bücher zerstört.« Von Google hieß es, man hätte mit Google Books, »Hunderten von Bibliotheken weltweit geholfen, gemeinfreie Werke für zukünftige Generationen zu digitalisieren – und dabei die physischen Exemplare unversehrt zurückgegeben«. Dass Bücher grundsätzlich für das KI-Training aufgekauft und zerstört werden, stützt nun eine neue Recherche des US-Magazins 404 Media, das in einer Lieferung seltener Bücher einen AirTag versteckt hatte und nachweisen konnte, wo die Bücher schlussendlich landeten – und zwar in einem Lager des Onlinehändlers Amazon in Las Vegas. Dort wurden die Buchrücken fürs Scannen abgetrennt. Anschließend seien die Bücher vernichtet worden, heißt es in dem Bericht des Magazins. Amazon kommentierte den Vorwurf laut 404 Media nicht, sondern antwortete nur ausweichend, dass man Bücher erwerbe, um die eigenen Produkte zu verbessern. Dabei soll an der Tür des betreffenden Lagers sogar das Bild eines Tyrannosaurus Rex mit fletschenden Reißzähnen hängen, der mit seinen Pranken ein Buch auseinanderreißt. Das können Sie ausprobieren: Flux 3 Das Freiburger KI-Start-up Black Forest Labs (BFL) hat seine neueste Videomodellgeneration, Flux 3, veröffentlicht. Ich habe mir mit Flux 3 einige Videos generieren lassen. Dafür brauchte es Geduld: Es dauerte mehr als fünf Minuten, bis das erste Video erstellt war, in dem eine Maus in die Tasten hauen sollte, während eine andere Maus dazu kommt und ihr einen Keks und eine Tasse Kaffee reicht. Die rund 20-sekündige Szene ist niedlich, keine Frage, aber die arbeitende Maus haut lediglich auf die Leertaste ihrer Tastatur ein, während die andere Maus quasi wie von Geisterhand zu ihrem Schreibtischstuhl emporfliegt (dieses verspielte Video kostete umgerechnet übrigens knapp drei Euro). Bei Flux 3 geht es aber um mehr als ein schickes multimodales Modell mit dem man sich Audio-, Video- und Bilddateien auswerfen lassen kann. BFL-Mitgründer Axel Sauer sagte dem Handelsblatt kürzlich, das Unternehmen forsche am maschinellen Sehen, also an KI-Modellen, die ein visuelles Verständnis haben und damit ihre Umgebung verstehen können – sozusagen die erste Stufe eines Weltmodells.