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Buhrufe, dünne Luft, Personenschutz: Englands schwerer Trip nach Mexiko

Sport

Thomas Tuchel schien das Bad in der Menge zu genießen. Dabei meinte es diese Menge eigentlich gar nicht gut mit dem Trainer und seinen Fußballern. Denn als die Auswahl Englands am Freitagabend (03.07.2026) an ihrem Hotel in Mexiko-Stadt ankam, wurde sie mit Buh-Rufen und einer Schimpftirade in Spanisch von unzähligen mexikanischen Anhängern empfangen, die hinter von Sicherheitskräften aufgebauten Metallbarikaden standen. Und was machte Tuchel? Er lächelte und winkte den Sympathisanten des Co-Gastgebers freundlich zu.

Aber was blieb dem 52-Jährigen in diesem Moment auch anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen? Der Versuch des englischen Verbandes, die mexikanischen Fans durch die Buchung von zwei Hotels in die Irre zu führen und so eine ruhige Ankunft zu gewährleisten, er scheiterte krachend.

Denn die Anhänger hatten durch den Aufbau der Barrikaden und die vielen Sicherheitskräfte vor der Nobelherberge spitz bekommen, wo Englands Stars vor dem Spiel am frühen Montagmorgen (06.07.2026, 2 Uhr MESZ, im Audiolivestream und Liveticker bei sportschau.de) nächtigen. Und so gab es jede Menge Lärm beim Einchecken.

Spiel sollte möglicherweise vorverlegt werden

Doch damit nicht genug. Bis kurz vor der Abreise hatten die Briten auch noch rätseln müssen, ob es bei der ursprünglichen Anstoßzeit bleiben würde. Denn sowohl mexikanische als auch britische Medien hatten von Gedankenspielen berichtet, das Spiel sechs Stunden vorzuverlegen. Hintergrund soll die Sorge um die Folgen schwerer Gewitter gewesen sein, die für den Abend des Spiels vorhergesagt sind.

Und die FIFA? Sie schwieg vorerst. Erst als die Engländer schon ihren Privatjet auf dem Flughafen in Kansas City, dem Standort ihres Basecamps, auf dem Rollfeld sahen, bekamen sie die Nachricht, dass der Anpfiff wie geplant um 12 Uhr Ortszeit erfolgen wird.

Viel Polizei und Nationalgarde soll für Sicherheit sorgen

Eine große Frage wird sein, wie ausgeschlafen die Tuchel-Schützlinge den Rasen des Aztekenstadions betreten werden. Die Sorge vor Lärmstörungen durch mexikanische Fans vor dem Hotel und damit verbundenen Schlafmangel ist jedenfalls groß bei den Europäern. So bekamen alle Spieler und Mitglieder des Staffs vom Verband unter anderem Ohrstöpsel und Kopfhörer ausgehändigt, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Und auch die mexikanischen Sicherheitskräfte sind diesmal besser vorbereitet als noch vor dem Achtelfinale des Co-Gastgebers gegen Ecuador, als Fans von "El Tri" vor dem Hotel des Gegners nicht nur für einen hohen Lärmpegel sorgten, sondern auch Raketen abschossen. Ecuador legte wegen dieser Ruhestörungen später auch Protest gegen die 0:2-Niederlage ein.

Um solche Szenen zu verhindern, wurden vor der Luxusherberge der Engländer nun nicht nur Metallbarrikaden aufgebaut, sondern auch eine Vielzahl von Sicherheitskräften stationiert. Polizisten mit Schutzschilden hatten sich bereits weit vor der Ankunft der Mannschaft vor dem Gebäude positioniert. Auch die Nationalgarde ist im Einsatz. Mit Maschinengewehren in der Hand stehen die Spezialkräfte auf den Ladeflächen ihrer Pick-ups. Zudem war beim Eintreffen des Teams eine Drohne in der Luft.

Mit Unterdruckkammern und Rote-Bete-Saft dem Aztekenstadion trotzen

Die Vorbereitung auf die Partie wird also begleitet von allerlei Nebengeräuschen. Und auch sonst verlangt das Spiel im legendären Fußball-Tempel in Mexikos Hauptstadt den Engländern mehr ab als andere Begegnungen. Denn die Luft im 2.200 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Aztekenstadion ist dünn. Und schon vielen gegnerischen Teams ist selbige deswegen in der Vergangenheit ausgegangen. Seit der WM 1966 haben die Mexikaner in der Arena lediglich zwei Spiele verloren.

Nun soll nach dem Willen der "Three Lions" Nummer drei hinzukommen. Dafür wurde nichts dem Zufall überlassen. So wurden in der WM-Vorbereitung Unterdruckkammern, Sauerstoffmasken und Wärmekammern genutzt, um die Spieler auf die Bedingungen in luftiger Höhe vorzubereiten. Zudem wurden den Akteuren spezielle Geräte ausgehändigt, die unter anderem Daten über Schlafmuster und das Energielevel erfassen und von Mitgliedern der medizinischen Abteilung des Verbandes ausgewertet werden.

Und auch eigene Köche haben die Engländer mit zur WM genommen. Sie werden dem Team neben der vor Spielen üblichen kohlenhydratreichen Mahlzeit wohl auch einen ganz besonderen Drink reichen: Rote-Bete-Saft. Er sorgt laut Wissenschaftlern für eine Erweiterung der Blutgefäße und damit eine Verbesserung des Sauerstofftransports.

Rogers selbstbewusst: "Können so gut wie jeden schlagen"

Die englischen Spieler werden also bestmöglich vorbereitet in die Partie gehen. Und trotz der besonderen Rahmenbedingungen keinesfalls ängstlich, wie Offensivmann Morgan Rogers selbstbewusst erklärte: "Die ganze Vorbereitung und alles drumherum, die verschiedenen Hürden, die wir überwinden müssen, steigern nur noch das Adrenalin, die Begeisterung, die wir als Team angesichts der Aussicht auf das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft verspüren."

Fest steht einzig jetzt bereits, dass sie nach dem Spiel auf schnellstem Weg zum International Airport Benito Juárez fahren und den Rückflug antreten werden. Im für sie besten Fall mit einem Sieg im Gepäck. Dann wären ihnen wohl auch die Buhrufe der mexikanischen Fans egal.

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